Konsenserklärung „ADHS – Das Syndrom“: I – 8

Konsenserklärung „ADHS – Das Syndrom“: Punkt 8

„Eine ADHS-spezifische Aufmerksamkeitsstörung wurde bisher nicht gefunden.“ (Quelle)

Stimmt. Zumindest in der Neuropsychologie und der Neurophysiologie ist auf Testebene bisher tatsächlich kein eindeutig beschreibbares Aufmerksamkeitsdefizit isoliert worden, welches ausschliesslich bei der ADHS vorkommt. Auch zuverlässige ADHS-Biomarker stehen uns im klinischen Kontext zurzeit noch nicht zur Verfügung.

Da die ADHS eine klinisch zu stellende Diagnose ist (was zählt sind die konkreten Probleme und Beschwerden sowie der Krankheitsverlauf), ist das Fehlen eines ADHS-spezifischen Aufmerksamkeitsdefizits zwar schade, aber weder diagnostisch noch therapeutisch wirklich relevant. Übrigens: Auch ein Depressions-spezifisches depressives Gefühl wurde bisher nicht gefunden.

Einmal mehr formuliert die „Konferenz ADHS“ ein Postulat, welches a) sehr wissenschaftlich klingt, b) inhaltlich irrelevant ist und c) das alleinige Ziel verfolgt, die Leserinnen und Leser durch klug klingende Formulierungen davon zu überzeugen, dass es die ADHS mangels wissenschaftlichen Beweisen in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Fortsetzung: Morgen ab 20:00 – gleiche Stelle.

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2 Gedanken zu „Konsenserklärung „ADHS – Das Syndrom“: I – 8

  • 03.10.2022 um 14:53
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    Nur weil ein Kind keine krankheitswertigen Probleme mit seinem ADHS-Gehirn hat, oder die – m.M.n. sehr schwachen – Tests keine deutliche Anzeige ergeben, heißt das nicht, dass es nicht von einer entsprechenden Unterstützung profitieren wird.
    Im Gegenteil, nur weil vielleicht in jüngeren Jahren durch ein entsprechendes Elternhaus oder gute LehrerInnen eine Kompensation vorliegt, sollte durchaus angestrebt werden auch solche Kinder zu erkennen und einer späteren Dekompensation vorzubeugen.

    Antwort
  • 03.10.2022 um 14:48
    Permalink

    ADHS am Aufmerksamkeitsdefizit fest zu machen ist ja wohl völlig von Gestern. ADHS ist ein Spektrum mit Verläufen von Vorgängen, die behindert oder auch völlig anders ablaufen. Ich erinnere an das fehlen automatischer Emotionaler Filter im Mandelkern. Also müssen andere – mutmaßlich bewußte – Gehirnareale diese Arbeit leisten.
    Hier wäre durchaus eine eingehende Analytik nötig.

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