ADHS im Alter

Wenn über die Enkelin bei der Grossmutter ADHS festgestellt wird, wird eine lebenslange „Andersartigkeit“ mit Depressionen bzw. einer ständigen inneren Unruhe und Anspannung verständlich. Der Fernsehbericht im NDR beschreibt schön, dass eben ADS bzw. ADHS nicht mit dem 15. Lebensjahr verschwindet bzw. es sehr verschiedene Facetten gibt.

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/media/hallonds14801.html

8 Gedanken zu „ADHS im Alter

  • 09.04.2013 um 09:23
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    Ich fand der Video sehr interessant! Als ich meine Diagnose, mit 36 jahre bekommen habe, schaue ich rasch auf mein Stammbaum…

    Mein vater, damals 66 jahre alt, jetzt bald 71 ist mich echt so ähnlich… Aber da er zwar akkzeptiert dass es mich betrifft, spüre ich dass er es bei sich zu sehen, irgendwie nicht bereit ist, da er rasch auf abwehr kommt, wenn ich so was wie „es ist vererbt“ sage. Daher tue ich ihm nicht mehr unten die Nase reiben. Er hat damit eigentlich gut gelebt, ist in seine Leben mehr oder weniger klar gekommen, auch beruflich und meine Mutter hat ihm immer so geliebt und angenommen wie er nun ist und liebt ihm immer noch was ich sehr schön finde. Mich hilft meine Diagnose ihm auch zu verstehen, was gut ankommt. Meine Eltern sind auch froh eine offizielle Erklärung zu haben für mich und meine Schwierigkeiten, statt der Vermutung, sie hätten an meine Erziehung etwas grosses ganz falsch gemacht… Lustig finde ich immer wieder wenn ich bei mein Vater, typische ADS-Verhalten sehe, die ich bei mich auch gut kenne… Bei ihm ist es gar nicht verschwunden! Oft ist er kurz abwesend, er lässt sich rasch ablenken von Vögeln die im Garten sind, während ein Gespräch, ist impulsiv und reizbar, wird sehr rasch laut, aber beruhigt sich wieder sehr rasch und hat auch viel Humor. Auch sein Schreibtisch ist eindeutig… Wie meiner…

    Vor einigen Zeit sagt er mich, dass vielleicht meine Oma, seine eigene Mutter, im 1986 gestorben doch auch ADS hätte haben könnte, was ich ehe aus Erzählungen schon vermutet hatte… Auch meine Oma hatte damit ihre Weg gefunden… Also, mit ihr kann ich nicht mehr reden, aber ich denke doch oft an ihr…

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  • 09.04.2013 um 02:34
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    Bei älteren oder gar alten Leuten, die schon wegen den Altersbeschwerden oder gesundheitlichen Problemen teilweise viele Medikamente einnehmen müssen, wird ein Aspirin oder sonstige Tabletten meist nicht mehr locker und unüberlegt eingenommen. Sondern oft überlegt, ob es wirklich notwendig ist und wie lange man die Einnahme oder eine grössere Dosis hinauszögern kann.
    Es gibt aber auch durchaus alte Menschen, die mit ihrem Schicksal auch im Alter noch hadern, nicht verstehen, warum das Leben nicht freundlicher zu ihnen war, „Altersdepressionen“ entwickeln. Die noch immer hinterfragen, das „warum“ nicht verstehen und erst ihren Frieden finden, wenn sie das „warum“ wissen.
    MPH oder AD(H)S hat halt immer noch den schlechten Ruf einer psychischen Störung. Dass man MPH als „Psycho-Stimulanz“ bezeichnet, hilft da sicher nicht weiter, denn wer gibt schon gerne zu, eine psychische Störung zu haben?

    Man kann es übrigens ein bisschen mit Dyslexie/LRS vergleichen: Lange wurden diese Kinder einfach nur als dumm bezeichnet, mittlerweile ist dieses Störungsbild mehr und mehr anerkannt, hat aber im Gegensatz zu ADHS das grosse Glück, dass es für eine Therapie keine Medikamente braucht. ADHS ist m.A.n. (leider) noch immer eine Art „Zwischenbild“. Medikamente werden zwar bei schweren, psychischen Krankheiten akzeptiert, aber eine ADHS halt leider noch immer als Folge einer falschen oder schlechten Erziehung oder charakterlichen Mangels eingestuft („wenn du wirklich willst, kannst du auch…“)

    Ich bin da mit Sinnstifter einverstanden, dass eine Aufklärung bei älteren oder alten Menschen nur Sinn macht, wenn ein offensichtlicher Leidensdruck oder Fragen nach dem Warum und weshalb bestehen. Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass alte Menschen diverse eingeschliffene Lebensgewohnheiten noch ändern (können oder wollen). Aber oftmals ist es einfach nur für den eigenen Seelenfrieden gut zu wissen, warum das Leben so und nicht anders gelaufen ist.
    So gesehen kann den individuellen Umständen entsprechend eine Erklärung manmchmal hilfreich sein. Verallgemeinern möchte ich das aber nicht. Wie gesagt, es kommt auf den individuellen Leidensdruck an und ob der Mensch eine Erklärung sucht.

    VG, Chris

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  • 08.04.2013 um 11:44
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    Auf die Problematik der Medikation eingehen in Ehren.. warum muss es bei Ritalin und Konsorten nur immer sooo extrem sein? Jedes Aspirin wird ohne Hemmungen eingenommen….. Ich kenn keinen ADSler wos wirklich mehr als mal eine trockene Nase war oder mal einige Tage Kopfschmerzen.
    Und wer die eine Sorte nicht vertragen konnte hat zu einer anderen gewechselt. Ich finde einfach, es erhöht die Zugriffsschwelle ungerechtfertigt und macht das Leben der/dieser Erwachsenen unnötig noch schwerer. Und dann all die sozialen Probleme. Mit der Zeit hat man immer mehr Minderwertigkeitskomplexe und findet sich unmöglich, weil man immer wieder in seinen Zielen versagt. Dabei wäre es so einfach.

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  • 08.04.2013 um 02:24
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    Hallo Sinnstifter,

    welchen Sinn macht es, Menschen einzureden, dass sie eine Veränderung brauchen, sofern sie dies nicht wollen?
    Tatsache ist doch, dass die Betroffenen, egal welchen Alters selbst eine Veränderung erreichen möchten. M.E. spielt das Alter da keine Rolle, sofern der Betroffene aufgeschlossen und bereit dazu ist, neue Erfahrungen zu machen.

    Ich kenne alte Menschen, die ihr Leben akzeptiert haben und damit zurechtkommen, auch negative Seiten akzeptieren, nicht mehr damit hadern. Ich kenne aber auch alte Menschen, die nicht einfach widerspruchslos diverse Erlebnisse hinnehmen, sondern sie vielleicht trotz oder wegen dem Alter verstehen lernen wollen. Massgebend ist hier doch der Wille des Betroffenen und nicht der von „Danebenstehenden“. Meinen inzwischen sehr hochbetagten Eltern werde ich sicher nicht mehr die Diagnose ADHS zumuten, weil sie ihr Leben inzwischen mit all seinen guten und schlechten Facetten akzeptiert haben. Anders wäre es, wenn ich sehen würde, dass sie unter bestimmten Dingen leiden. Dann würde ich versuchen, ihnen diverses mitzuteilen. Ob es hilft? Ich glaube nicht. Schlussendlich steht am Ende die Akzeptanz des Andersseins und im Alter oft, durch diverse Altersbeschwerden darin eingeschränkt zu werden.
    Dadurch, dass hier oft verschiedene Probleme aufeinandertreffen (eingeschränkte Mobilität, Abhängigkeit von externen Hilfen, Verlust oder zumindest Einschränkung der Selbstständigkeit, gesundheitliche Einschränkungen) gerät das Problem ADHS in den Hintergrund und ist manchmal auch wirklich nicht mehr wichtig.
    Mir ist es heute wichtig, dass meine Mutter, die sich inzwischen selbst als “ ewiger Wusel“ bezeichnet“, ihre altersgemässen Handicaps aktzeptieren lernt, und kürzertreten lernt. Eine Diagnose würde ihr da nichts nützen, im Grunde weiss sie, dass sie hyperaktiv ist und nicht stillsitzen kann, auch wenn sie keine Fachbegriffe dafür verwendet. Würde ihr die Diagnose ADHS nützen? Ich denke, es wäre ihr egal, sie hat begriffen,was ihr Problem ist, auch ohne dem Kind einen Namen zu geben. Und diese Basis genügt mir, um sie zu unterstützen.

    VG, Chris

    >

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    • 08.04.2013 um 17:11
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      ganz so einfach würd ichs nicht machen. Es mag zum Beispiel so sein, das jemand dermaßen auf Autopilot ist, das er das rettende Ufer nicht sehen kann, das die Diagnose ADHS mit sich brächte. Die ADHS ist URSACHE und noch immer viel zu viele Behandlungen sind Symptombehandlungen. Das sehe ich auch in vielen anderen Bereichen, in denen ich selbst Betroffen oder gut informiert bin. Symptombehandlungen bringen den Behandlern Geld und ggf. das Gefühl geholfen zu haben, den Behandelten vielleicht vorübergehend Linderung, aber sie bleiben in diesem Abhängigkeitsverhältniss einer Fürsorge, die eigentlich keine ist.

      So entsteht für Betroffene Unbehandelte oft ein Kreislauf, der schmerzhaft weiterläuft und nicht enden kann, solange eben die Ursache nicht angegangen werden wird. Hier mit ungefragter Unterstützung einzuspringen und das Bewußtsein für eine mögliche ADHS zu schaffen ist meines Erachtens nicht verkehrt.
      Wenn da allerdings kein Interesse besteht, wollte ich auch niemandem etwas aufdrängeln. Und das es bei bestimmten Fällen keinen Sinn macht, etwas bewegen zu wollen, vor allem wenn gar kein offensichtlich konkreter Leidensdruck vorherrscht bzw. beklagt wird, ist doch selbstverständlich.

      MFG

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  • 07.04.2013 um 14:56
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    Frage mich persönlich wie das ausgehen soll. Bei mir ist ADHS so gut wie gesichert (fast 40) bei einem Elternteil (Ende50) und der Großmutter(Ende70) bin ich sicher, das dies auch vorliegen dürfte. Wie das beim Elternteil behandelt werden soll, der massiv an Komorbiditäten leidet und auch allgemein eine schwierige Gesundheitsverfassung hat. Und ob eine alte Frau, nahezu blind / Altersdiabetes hier überhaupt noch eine Behandlungschance bzw. einen Sinn in einer Behandlung gäbe? Warscheinlich nicht.

    Wie sind die Erfahrungen, wenn vorhanden, von Ihnen, Herr Rossi, Dr. Winkler mit Menschen in diesem Alter? Lohnt es sich da noch etwas zu machen (bezogen auf beide Fälle)?

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    • 10.04.2013 um 20:34
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      Meine ältesten Patientinnen waren vergleichsweise „jung“ mit 68. Ich habe früher aber mal in der Gerontopsychiatrie gearbeitet. Ich bin mir ziemlich sicher, dass unter der Diagnose „Demenz“ auch einige ADHSler sind. Es ist ja eine häufige Beobachtung, dass nun Kaffee als Einschlafmittel bei diesen Senioren helfen kann.

      Ob man nun im Einzelfall bei der Grossmutter ADHS behandeln muss, ist sicher schwierig. Aber bei der Auswahl von Medikamenten kann es schon relevant sein.

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      • 11.04.2013 um 12:57
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        Danke ich werde darauf konkret noch einmal die Pflegekraft aus der Familie hinweisen.

        MFG

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