ADHS, negative Gefühle und Essstörungen (Anorexie, Bulimie, Binge Eating)

Eines meiner „Themen“ ist die emotionale Dysregulation = besondere Empfindsamkeit auf negative Ereignisse und die impulsiven Reaktionen darauf. Und das dann ganz speziell bei Mädchen und Frauen (seltener ja auch Männer) mit Essstörungen.

Vorhin habe ich einen schönen Artikel gelesen, der sich auf ein 4 jähriges Kind bezog. Im Artkel war es ein Junge, aber gehen wir mal von Anna aus.

Annas Eltern sind seit kurzem getrennt. Und Anna war das Wochenende bei ihrem Vater. Ganz offensichtlich hat sie ihr Lieblingskuscheltier dort liegen gelassen.

Aktueller Artikel zum Einfluss der emotionalen Dysregulation bzw. dem unmittelbarem Verlangen die negativen Gefühle und die Anspannung „weg“ zu machen.

Essstörungen und Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) treten sehr häufig gemeinsam auf.

Die Mehrheit der Untersuchungen zu dieser Komorbidität hat sich auf die Impulsivität konzentriert, die eine gemeinsame Anfälligkeit zwischen ADHS und Essstörungen ist, die durch Binge-Essen gekennzeichnet sind.

Es ist weniger darüber bekannt, welche gemeinsamen Faktoren zum gemeinsamen Auftreten anderer Essstörungen (z.B. Anorexia nervosa, restriktiver Subtyp bzw. multi-impulsive Type) und ADHS beitragen können. Darüber hinaus hat sich wenig Forschung auf andere potenziell sich überschneidende Schwachstellen konzentriert, obwohl Defizite in der Emotionsregulierung als zusätzliche gemeinsame Schwachstelle eigentlich ja nahe liegen.

Die aktuelle Studie (N = 306 Studenten) untersucht anhand einer Pfadanalyse, ob Emotionsregulationsschwierigkeiten und negative Dringlichkeit bzw. unmittelbares Verlangen, den Gefühlszustand zu beenden (d.h. Impulsivität im negativen Stimmungszustand) alleinige oder gemeinsame Schwachstellen für ADHS-Symptome (Unachtsamkeit, Hyperaktivitäts-Impulsivität) und Essstörungen (bulimische Symptome, Magersucht) sind.

Emotionsregulationsschwierigkeiten waren eindeutig mit allen Dimensionen von ADHS und Essstörungen verbunden, und negative Dringlichkeit (Urgency) war eindeutig mit globalen Essstörungen, bulimischen Symptomen und dem Drang nach Dünnheit verbunden.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Emotionsregulierungsprobleme ein gemeinsamer Riskofaktor für die Entwicklung verschiedener Präsentationen von ADHS- und Essstörungen sind und ein wichtiges Präventionsziel sein können.

Darüber hinaus unterstützen die Ergebnisse eine besondere Beziehung zwischen negativer Dringlichkeit und dem Drang nach Dünnsein bzw. Kontrolle über die eigenen aversiven = negativen Gefühlszustände

Quelle :

Eat Behav 36, 101344  2019 Nov 13
Caroline ChristianMichelle M MartelCheri A Levinson

Emotion Regulation Difficulties, but Not Negative Urgency, Are Associated With Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder and Eating Disorder Symptoms in Undergraduate Students
DOI: 10.1016/j.eatbeh.2019.101344

6 Gedanken zu “ADHS, negative Gefühle und Essstörungen (Anorexie, Bulimie, Binge Eating)

  1. Häufig geht es darum, dass Menschen mit AD(H)S oder Autismus – insbesondere auch Frauen – immer für ihr „Anderssein“ gehänselt (oder zumindest selten richtig verstanden) werden und infolgedessen – eventuell noch gepaart mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten – solche Symptome entwickeln.

    Dazu kommt das gängige „Schönheits“ideal; und wenn Frau eh schon unbeliebt ist wegen unerkanntem AD(H)S/Autismus; treten solche Symptome logischerweise gehäuft auf.

    Ich rate also dringend dazu, das in jeder Klinik für Essgestörte auch auf Autismus oder AD(H)S getestet wird!!

    Grüße
    Katharina

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    • Nur zu wahr, aber ganz selten der Fall. Gerade bei der „purging-Symptomatik“ bei der Binge-Eating-Störung oder Bulimie bzw. eben der multi-impulsive Type Variante der Anorexie ist es doch eigentlich „Pflicht“. Aber täglich erlebe ich es anders….

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      • Aber nachdem Sie schreiben, dass das Kind sein Kuscheltier hat liegen lassen, kommt das Kind in dem Post nicht mehr vor. Fehlt da ein Stück Text?

        Gefällt 1 Person

      • Jein. Ich wollte da eigentlich zum Abschluss noch mal drauf eingehen, das stimmt. Vielleicht überarbeite ich den Text nochmal. Aber so entscheidend wichtig fand ich es dann nicht. Ich wollte eher einen Aufhänger nutzen, der sich dann auf den Fachartikel bezieht

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