Machen Antidepressiva abhängig ?

Der folgende Youtube-Beitrag meiner derzeitigen Kollegen erklären kurz und knapp warum Antidepressiva nicht abhängig machen. Ich hoffe, ich verrate also nicht zu viel vom Film 🙂

Ich finde den ganz neuen FacharztTV-Kanal von Jan Reuter aber einfach prima und kann die weiteren Videos nur empfehlen. Geplant sind nicht weniger als 100..

Die Idee ist eigentlich für die Assistenzärzte in unserer Klinik entstanden, damit die sich kurz und knapp an das Facharztwissen herantasten / bilden können. Andere Ärzte und natürlich auch Patienten und Angehörige werden aber nicht dümmer oder blind, wenn sie die Videos anschauen. Und unterhaltsam sind sie auch.

Jan Reuter hat ein Fachbuch geschrieben, das jetzt quasi verfilmt wird. Und das ganz und gar nicht staubtrocken (aber vielleicht mit etwas zu wenig Corona-Abstand aktuell noch…). Sehr coole Idee, finde ich.

Antidepressiva machen nicht abhängig- aber können Absetzphänomene erzeugen

Wichtig zum Verständnis ist, dass es durchaus (wenn auch nicht häufig) Absetztphänomene z.B. bei den SSRI (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern) bzw. Venlafaxin geben kann. Gerade dann, wenn man abrupt die Medikation selber nicht mehr nimmt. Das sind aber eben keine Zeichen davon, dass nun diese Antidepressiva abhängig machen. Warum erklärt das Video. Also anschauen.

Und teilen, weil es noch genug Unwissenheit zu dem Thema unter Patienten und Ärzten gibt.

Auch wenn es knapp am Thema ADHS vorbei führt, sind die Infos zu Antidepressiva bzw. pflanzlichen Antidepressiva wie Johanniskraut ganz wichtig. Und die Frage : „Machen Antidepressiva abhängig“ müssen wir den Patienten und ihren Angehörigen immer und immer wieder erklären.

Und auch bei ADHS ist die Frage keinesfalls trivial.

Einmal, weil die häufiger bei ADHS eingesetzten ADHS-Medikamente wie Strattera (Atomoxetin) bzw. Elontril (Buproprion) eben auch Antidepressiva sind. Und gerade dann verordnet bzw. empfohlen werden, wenn die Patienten und / oder ihre Angehörige suchtgefährdet sind oder aber eine Suchtvergangenheit haben.

Und dann ist ja einfach so, dass viele ADHSler eben auch zusätzlich Depressionen, Angststörungen, Schmerzstörungen etc haben, bei denen dann Antidepressiva als Teil der Gesamtbehandlungsstrategie empfohlen werden.

Dann aber eben auch, weil eben Vorbehalte gegen Medikamente allgemein dazu führen, dass sie nicht eingenommen werden. Und damit auch nicht helfen können.

Übrigens führen auch Psychostimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetamine wie Attentin oder Elvanse bei ärztlicher Verordnung NICHT zur Abhängigkeit… Das könnte man in dem Video vielleicht missverstehen.

Also nochmal zum MITSCHREIBEN :

Antidepressiva machen nicht abhängig. Und Psychostimulanzien auch nicht.

6 Gedanken zu „Machen Antidepressiva abhängig ?

  • 13.05.2020 um 20:54
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    Doch Sie machen abhängig !… bei einigen…..und dann ist es ein Indiz, dass sehr wahrscheinlich die Diagnose ADHS gar nicht gestimmt hat 😉

    und da liegt wahrscheinlich das „Drama“ in der Entwicklung der ADHS Therapie… möglicherweise wurden nicht genau genug „Betroffene“ von „Erkrankten“ getrennt. Die „Betroffenen“ wären vielleicht mit anderen oder nur vorübergehenden Medikamenten besser gefahren.

    Das Thema ist schwierig, vor allem da sich über die Jahre teilweise täglich der „Bedarf“ wechselt.

    Vor allem gilt es sauber zu diagnostizieren.

    Und allen Kritikern wie auch „Misaki“ sei gesagt : dass es UNBEDINGT immer zu prüfen ist “ bringt uns diese Medikation noch etwas“….

    Allerdings bedeutet eine absolute „Nichtgabe“ dass ADHS Menschen mit einer 8fach höheren Sterblichkeit leben müssen , also eine geringere Lebenserwartung.

    Und diese lässt sich auf „normales Durchschnittsniveau“ Senken mit Medikation !!! ( Longitudinalstudien Neuseeland / Dänemark).

    Letztendlich ist Parkinsonmedikation auch ein dauerhafter Eingriff in den Hirnstoffwechsel, der biochemisch sehr verwandt ist mit manchen Neurodiversen Gehirnen.

    Dass es falsch und übertriebene Medikamente gibt ist natürlich (leider) richtig…

    Dass es fragwürdige Markteinführungen von Medikamenten gibt (leider) auch…

    Also lasst uns sachlich weiter uns austauschen, dann bringt es hoffentlich alle weiter

    Antwort
    • 13.05.2020 um 21:10
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      Nur nochmal zur Klarstellung : Deine Meinung, dass sie abhängig machen steht im Widerspruch zur klinischen Wissenschaft. Ist also eine Einzelmeinung.

      Antwort
      • 13.05.2020 um 22:17
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        Der Smiley ist zu klein…Es war ironisch gemeint…

        WENN es ADHSler, gibt die durch Amphetamine abhängig werden, müsste es so sein, dass die Diagnose nicht stimmt … so hatte ich es gemeint…

        Und wenn wir keine Bremse haben … könnten andere kritischer Meinungen uns erinnern und vor „Überschwang“ schützen…

  • 11.05.2020 um 21:11
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    Die Idee mit den Videos ist keine schlechte. Trotzdem fällt mir immer wieder auf, dass es heutzutage völlig normal zu sein scheint, dass Psychopharmaka ganz selbstverständlich zur Behandlung verschrieben werden. Die Möglichkeit einer Therapie, zum Erlangen psychischer Disziplin, sowie gesünderer Denkstrukturen und Verhaltensweisen wird offenbar nicht mal in Betracht gezogen. Mit Pillen kann man es sich natürlich einfach machen, aber es löst keine Probleme, sondern überspielt diese nur. Nichts desto Trotz ist der etwas anstrengendere Weg weitaus nachhaltiger, ohne unerwünschte Nebenwirkungen die den Körper in Mitleidenschaft ziehen. Mit Grundlagen übers Bewusstsein und dem Buddhismus lernt jeder auf eigenen Beinen zu stehen, insbesondere ADHS’ler.

    Ganz nach Konfuzius: „Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einem Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“ Gib‘ die Mühe und lerne, dann erntest du die Früchte deiner Arbeit oder mach’s dir leicht, nimm‘ Anti-Depressiva und eines Tages zahlst du den Preis. Das Prinzip von Geben und Nehmen für ein gesundes Gleichgewicht ist allgegenwärtig, was dem menschlichen Verstand sowieso schon weitläufig entglitten ist. Ganz groß im maßlosem Nehmen, aber keine Intentionen entsprechend zu danken und mal was zurück zu geben.

    Antwort
    • 11.05.2020 um 21:23
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      Das sehe ich nicht ganz so. Gerade Psychotherapie und das von mir propagierte Coaching funktionieren eben besser – und teilweise überhaupt erst – wenn man multimodal arbeitet. Also auch Medikamente mit einsetzt. Antidepressiva setzen keine rosa Brille auf über die Probleme. Sie machen sie häufig aber erst bearbeitbar.

      Antwort
      • 11.05.2020 um 21:51
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        Auf jeden Fall einfacher und umsatzstärker, ganz entsprechend dem zeitgenössisch-geprägten Bild der Menschheit. Ob Ihre Therapie und das Coaching besser ist, kann ich nicht beurteilen und es war auch nicht meine Absicht dies schlecht zu reden. Schließlich liegt richtig und falsch oder gut und schlecht im Auge des Betrachters. Meiner Ansicht nach ist es eben nicht der beste Weg, über Jahre-, gar Jahrzehnte hinweg dauerhaft den Botenstoffhaushalt zu beeinflussen. Der eh schon verkorkste Zustand der menschlichen Psyche heute, sollte nicht weiter geschwächt, sondern gestärkt werden.

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