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Sprachenentwicklungsstörungen und ADHS

Neue Studie: Viele Kinder mit Sprachentwicklungsstörung zeigen schon im Vorschulalter deutliche ADHS-Anzeichen – Eltern sollten diese Warnsignale kennen


Eine große Untersuchung an 181 Kindern zwischen 2 und 5 Jahren zeigt: Sprachentwicklungsstörung (DLD) betrifft oft weit mehr als nur die Sprache. Viele Kinder zeigen zusätzlich bereits im Kindergartenalter typische ADHS-Muster, die Eltern häufig nicht als solche erkennen.

Kinder mit DLD und gleichzeitigen ADHS-Auffälligkeiten hatten im Vergleich zu Kindern mit „reiner“ Sprachentwicklungsstörung deutlich häufiger:

  • Schlafprobleme (Einschlafschwierigkeiten, Einschlafwiderstand, nächtliches Aufwachen)
  • Magen-Darm-Beschwerden (häufige Verstopfung, wiederkehrende Durchfälle)
  • stärkere Impulsivität, Ablenkbarkeit und emotionale Reizbarkeit
  • sensorische Überempfindlichkeiten oder Reizsuche
  • schwächere Feinmotorik (Zeichnen, Schneiden, Bauen)
  • schlechtere expressive Sprache (aktives Sprechen)

Besonders spannend: Drei Bereiche sagten erstaunlich zuverlässig vorher, ob ein Kind zusätzlich ADHS hat:

  1. Auffällige Feinmotorik
  2. deutlichere soziale Auffälligkeiten
  3. mehr Verhaltensprobleme


Was bedeutet das für Eltern?

Eine Sprachentwicklungsstörung ist selten ein „Einzelproblem“. Die Studie zeigt deutlich, dass die Sprache oft nur das sichtbare Symptom eines breiteren neurodivergenten Profils ist.

Gerade im frühen Alter lohnt sich ein genauer Blick, denn ADHS zeigt sich im Vorschulalter anders als später in der Schule – leiser, chaotischer, emotionaler, oft missverständlich.


Frühe Warnsignale, auf die Eltern achten sollten

Wenn ein Kind eine Sprachentwicklungsstörung hat und zusätzlich eines der folgenden Muster zeigt, sollte eine weiterführende Diagnostik erwogen werden:

1. Schlafverhalten

  • sehr langes Einschlafen
  • großer Widerstand abends
  • häufiges nächtliches Erwachen

2. Verhalten & Aufmerksamkeit

  • impulsive Ausbrüche
  • sehr schnelle Ablenkbarkeit
  • Schwierigkeiten, ruhig zu spielen
  • stark schwankende Frustrationstoleranz

3. Motorik

  • Probleme beim Malen, Schneiden, Bauen
  • Schwierigkeiten, Bewegungen zu koordinieren
  • auffällige Ungeschicklichkeit im Alltag

4. Sinneswahrnehmung

  • Überempfindlichkeit bei Geräuschen, Kleidung, Berührungen
  • sucht starke Reize (rennen, springen, crashen)
  • schnelle Überforderung in neuen Umgebungen

5. Verdauung

  • wiederkehrende Verstopfung
  • häufige Durchfälle
  • Bauchschmerzen ohne klare Ursache

Je mehr dieser Bereiche betroffen sind, desto wahrscheinlicher ist ein mehrdimensionaler Förderbedarf.


Was Eltern zu Hause konkret tun können

Viele hilfreiche Maßnahmen lassen sich unkompliziert in den Alltag integrieren:

Struktur & Orientierung

  • klare Routinen am Morgen, Abend und vor dem Schlafengehen
  • weniger Reize, mehr Vorhersehbarkeit

Sprache sanft fördern

  • kurze klare Sätze
  • mit dem Kind „auf Augenhöhe“ spielen
  • viel zeigen, benennen, kommentieren statt abfragen

Feinmotorik stärken – ohne Druck

  • Knete
  • Bausteine
  • Wäscheklammern
  • Stifte, die gut in der Hand liegen

Sensorik regulieren

  • Bewegungspausen („Heavy Work“)
  • Schaukeln, Trampolin, Rutschen
  • ruhige Rückzugsorte

Schlaf & Bauch im Blick behalten

  • ruhige Abendroutine
  • Bildschirmzeiten reduzieren
  • bei wiederkehrenden Beschwerden früh mit Kinderärzt:innen sprechen

Warum eine frühe Abklärung so wichtig ist

Je früher erkannt wird, dass ein Kind mehr braucht als reine Sprachtherapie, desto besser können Eltern, Kita und Logopädie gemeinsam fördern. Die Studie zeigt: Kinder profitieren besonders dann, wenn Sprache, Verhalten, Motorik und Sinnesverarbeitung gemeinsam betrachtet werden.

Eine ganzheitliche Diagnostik hilft nicht nur dem Kind – sie erleichtert auch den Familienalltag, weil Eltern endlich verstehen, warum ihr Kind so reagiert, wie es reagiert, und was es eigentlich braucht.


Quelle

Öksüzoğlu M. E., Günal Okumuş H. (2025). ADHD comorbidity in preschoolers with developmental language disorder: comparative neurodevelopmental profiles and associated risk factors. BMC Psychiatry.
Datei: /mnt/data/s12888-025-07638-x_reference.pdf

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