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DMDD – Eine notwendige Diagnose?

Eine notwendige Diagnose zur Abgrenzung bei ADHS und / oder Bipolarer Störung ?

Einleitung: Was ist DMDD?
Disruptive Mood Dysregulation Disorder (DMDD) ist eine relativ neue Diagnose, eingeführt im DSM-5, mit dem Ziel, die Fehldiagnose von bipolaren Störungen im Kindes- und Jugendalter zu reduzieren. Man könnte auch provozierend behaupten : Damit nicht so viele ADHS-Diagnosen gestellt werden, die eben auch wesentliche Merkmale der affektiven Labilität bzw. emotionalen Impulsivität aufweisen.

DMDD zeichnet sich durch anhaltende Reizbarkeit und häufige, intensive Wutanfälle aus. Diese Diagnose wird oft in Verbindung mit anderen Verhaltens- und Entwicklungsstörungen wie ADHS, ODD, CD und ASD gebracht.

Abgrenzung zur affektiven Labilität bei ADHS

DMDD unterscheidet sich von der affektiven Labilität bei ADHS durch eine konstante und schwere Reizbarkeit, die über die typischen Stimmungsschwankungen bei ADHS hinausgeht. Kinder mit DMDD zeigen eine anhaltende Unzufriedenheit und Wut, die bei ADHS in dieser Form nicht zu beobachten ist.

Früher hat man auch von ADHS plus gesprochen und damit eine Gruppe von Kindern mit ziemlich schlechter Prognose hinsichtlich der späteren Entwicklung von schwereren psychiatrischen Störungen wie eben Bipolare Störung oder Schizoaffektive Störungen gemeint.

Herausforderungen in der Behandlung
Trotz ihrer Anerkennung fehlen standardisierte Behandlungsrichtlinien für DMDD, was individuell angepasste Therapieansätze erfordert.

Die Notwendigkeit der DMDD-Diagnose: Eine kritische Betrachtung
Die Einführung von DMDD hat eine wichtige Debatte über die Klassifizierung und Behandlung von Stimmungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen angestoßen. Kritiker der DMDD-Diagnose argumentieren, dass sie möglicherweise nur eine „Etikettierung“ normaler kindlicher Verhaltensweisen darstellt, die durch Umweltfaktoren oder andere psychische Störungen bedingt sind. Die Sorge besteht, dass DMDD zu einer Überdiagnose und Übermedikation führen könnte, ähnlich den Bedenken, die bereits bei ADHS geäußert werden. Aus ADHS Sicht könnte man aber auch argumentieren, dass damit eine ADHS-Konstitution übersehen wird (ähnlich wie es mit der unsäglichen Diagnose Störung der Emotionen und Sozialverhaltens im Kindesalter häufig passert).

Die Bedeutung von DMDD in der klinischen Praxis
Befürworter der DMDD-Diagnose betonen jedoch, dass sie eine wichtige Lücke in der Diagnose von Stimmungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen schließt. Sie argumentieren, dass DMDD eine spezifische Gruppe von Symptomen identifiziert, die nicht vollständig durch andere Diagnosen abgedeckt werden. Dies kann zu gezielteren und wirksameren Behandlungsstrategien führen.

Psychopharmakologische Interventionen

Wenn verhaltenstherapeutische und psychosoziale Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine psychopharmakologische Intervention empfohlen werden. Unsere Empfehlung ist, zunächst mit der Behandlung assoziierter Komorbiditäten zu beginnen:

  1. Bei ADHS: Psychostimulanzien können eingesetzt werden. Wenn diese nicht ausreichen, um die Symptome zu managen, können atypische Antipsychotika wie Risperidon oder Aripiprazol ergänzt werden.
  2. Bei Angst- und/oder depressiven Störungen: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) wie Citalopram können empfohlen werden.
  3. Bei komorbider ASD: Risperidon kann für das Management von aggressivem Verhalten und Reizbarkeit empfohlen werden.

Lithium als mögliche Behandlungsstrategie

Lithium, insbesondere in Form von Sulfat, könnte eine gut verträgliche und wertvolle pharmakologische Strategie darstellen, die in randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) und realweltlichen Beobachtungsstudien weiter erforscht werden könnte.

Fazit

Die Behandlung von DMDD erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der sowohl psychosoziale als auch pharmakologische Strategien integriert. Da die Störung relativ neu ist, sind weitere Forschungen erforderlich, um die besten Behandlungsansätze zu identifizieren. Es ist wichtig, dass Kliniker auf dem neuesten Stand der Forschung bleiben und individuelle Behandlungspläne für ihre Patienten entwickeln.

Zukünftige Forschung und Entwicklung
Zukünftige Forschungen zur DMDD sind entscheidend, um ihre Validität und den besten Behandlungsansatz zu bestimmen. Es ist wichtig, die Entwicklung von DMDD-Patienten langfristig zu beobachten, um mehr über die Störung und ihre Auswirkungen im Erwachsenenalter zu erfahren.

Quelle : https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14656566.2024.2303422
Orsolini L, Longo G, Cicolini A, Volpe U. An expert opinion on the pharmacological interventions for Disruptive Mood Dysregulation Disorder (DMDD). Expert Opin Pharmacother. 2024 Jan 8. doi: 10.1080/14656566.2024.2303422. Epub ahead of print. PMID: 38186365.

Ein Gedanke zu „DMDD – Eine notwendige Diagnose?

  • Jeder Kritiker, der DMDD nicht ernst nimmt und was weiß ich befürchtet, sollte mal meine Mutter und ganz besonders meine Schwester kennenlernen. Die Hölle.

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