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Wender-Zeichen bei ADHS

Neue Woche, neue Patientin.

Heute habe ich in der Gruppe eine Patientin neu kennengelernt, die wegen der Behandlung ihrer Essstörung in die Klinik kommt. Nachdem wir ein wenig in der Vorstellungsrunde waren, fiel mir ihr Wippen des Beins auf. Das war irgendwie ansteckend, weil auch bei einer weiteren Patientin das Bein heftig an zu wippen anfing.

Aus einer Laune heraus musste ich an das sog. Wender-Zeichen als Hinweis auf eine ADHS-Konstitution denken. Ich sprach es offen an: Tatsächlich, bei ihr war im Alter von 8-9 Jahren ein ADS (vom unaufmerksamen Subtyp) diagnostiziert und dann bis zur Pubertät auch medikamentös behandelt worden.

Das Wender-Zeichen bei ADHS: Ein deutlicher Hinweis für neurodivergente Kinder

Einleitung Das Wender-Zeichen, benannt nach dem Psychiater Paul Wender, ist ein auffälliges Verhaltensmerkmal, das insbesondere bei Kindern mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) beobachtet wird. Dieses Zeichen, das sich in einer charakteristischen Bewegung der Knie und Unterschenkel äußert, kann ein früher Hinweis auf ADHS sein und ist von besonderem Interesse für neurodivergente Kinder und deren Betreuungspersonen.

Was genau ist das Wender-Zeichen? Das Wender-Zeichen zeigt sich in einer unwillkürlichen, rhythmisierenden Bewegung der Beine, insbesondere der Knie und Unterschenkel. Kinder mit ADHS neigen dazu, diese Bewegungen zu machen, besonders in Momenten der Konzentration oder wenn sie versuchen, ruhig zu sitzen. Diese Bewegungen können von leichten Zuckungen bis hin zu auffälligerem Schaukeln reichen.

Weitere sichtbare Anzeichen von ADHS Neben dem Wender-Zeichen gibt es weitere Verhaltensweisen und Merkmale, die auf ADHS hindeuten können:

  1. Hyperaktivität: Ständiges Zappeln, nicht stillsitzen können und ein generell hohes Aktivitätsniveau.
  2. Konzentrationsschwierigkeiten: Probleme, Aufmerksamkeit über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten oder häufige Ablenkbarkeit.
  3. Impulsivität: Spontane Handlungen ohne Berücksichtigung von Konsequenzen, Schwierigkeiten, Gedanken und Antworten zu kontrollieren.
  4. Organisationsprobleme: Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren oder zu strukturieren.
  5. Soziale Herausforderungen: Probleme bei der Interaktion mit Gleichaltrigen und Erwachsenen, mögliche Missverständnisse in sozialen Situationen.
Bedeutung der Früherkennung

Bedeutung der Früherkennung und Unterstützung Die frühzeitige Erkennung von ADHS und eine entsprechende Unterstützung können entscheidend sein, um Kindern zu helfen, ihre Potenziale voll auszuschöpfen. Anpassungsstrategien umfassen Verhaltenstherapie, pädagogische Unterstützung, möglicherweise Medikamente und Techniken zur Verbesserung der Konzentration und Organisationsfähigkeit.

Fazit Das Erkennen des Wender-Zeichens und anderer ADHS-spezifischer Verhaltensweisen kann für Eltern, Lehrer und Betreuungspersonen von neurodivergenten Kindern ein wichtiger Schritt sein, um angemessene Unterstützung und Interventionen bereitzustellen. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass jedes Kind einzigartig ist und dass eine professionelle Diagnose und individuell angepasste Behandlungspläne entscheidend sind. Durch das Verständnis und die Akzeptanz dieser Verhaltensweisen können wir eine unterstützende Umgebung schaffen, die es Kindern mit ADHS ermöglicht, zu gedeihen und ihre Stärken voll zu entfalten.

6 Gedanken zu „Wender-Zeichen bei ADHS

  • Give Adam

    Betrifft diese Essstörung Untergewicht bzw. gibt es Erfahrungen für das Vorkommen und die Behandlung einer stark ausgeprägten Appetitlosigkeit durch ADHS?

    Antwort
    • Das kann man so nicht pauschal sagen. Es gibt häufiger Probleme mit dem Appetit bzw. der Regulation von Spannungen und Emotionen über Nicht-Essen. Andererseits (seltener) auch Probleme durch Appetitmangel durch die Stimulanzienmedikation.

      Antwort
      • Give Adam

        Vielen Dank für Ihre Antwort!

        Haben Sie in der Praxis positive Erfahrungen mit möglichen Maßnahmen gemacht, um gegen diese Form der Appetitlosigkeit und Mangelernährung vorzugehen bzw. hatten Sie Patienten, die dieses schwerwiegende Problem lösen konnten? Haben Sie vielleicht Tipps, wo ich da am besten ansetzen kann? Vor der Medikamention mit Stimulanzien scheue ich aus genau diesem Grund zurück, da die Mangelernährung in meinem Fall ein wirklich sehr großes Problem darstellt. Ich nehme Mirtazapin in einer sehr geringen Dosis ein, was bei dem ähnlich gearteten Schlafproblem hilft, aber den Appetit leider nur unzureichend anregt.

      • Ich finde, das kann man schlecht online allgemein beantworten. Hier wäre eine Ernährungsberatung durch eine Ökotrophologin sinnvoll. Notfalls eben auch „Astronautennahrung“ bzw. ein gezielter Plan zur Wiederernährung mit 5 bis 6 Mahlzeiten über den Tag und einen Wiederernährungsplan, der dann ggf. um 500 kcal bzw. erhöhten Fettanteil angepasst wird.

  • und wie muss man exessives in-ein-drumset-verwandeln des schultisches deuten? 😀

    Antwort
  • Das mit dem Bein-Wippen ist mir garnicht so bewusst gewesen, aber es stimmt. Ich wippe viel mit dem Bein, auch wenn ich es inzwischen soweit kompensiert habe, dass nur noch die Zehen oder der Fuß wippt und es für mein Gegenüber nicht mehr sichtbar ist.

    Antwort

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