ADHS Blutdruck und Dysregulation

Bildschirmfoto 2016-05-22 um 16.01.14Heute ist bei mir wieder einer dieser Tage, bei denen mein „Kreislauf“ irgendwie nicht so will, wie ich es will. Eine Mischung aus Müdigkeit, Kopfschmerzen und dem Gefühl, dass ich eine Unmenge an Kaffee trinken müsste, damit „der“ Kreislauf irgendwie in die Gänge kommt.

Ich kenne diese Situation seit der frühesten Kindheit. Und ich kann ganz gut nachempfinden, wie es meinem ältesten Sohn jetzt in der Pubertät geht. Immer wieder eine Mischung aus Kopfschmerzen, Schwäche, Müdigkeit und alle möglichen und unmöglichen weiteren Probleme, die man im weitesten Sinne als Kreislauf-Dysregulation bezeichnen könnte.

Nun haben sich in den vergangenen Wochen einige schlaue Leute Gedanken über Blutdruck und ADHS gemacht. Meist wurde diskutiert, dass ja ADHS-Medikamente den Blutdruck erhöhen. Und andere wiederum haben gemeint, dass die innere Anspannung bei einem erhöhten psycho-physiologischem Anspannungsniveau den Blutdruck in die Höhe treiben.

Eine neue Studie kommt nun zu dem  aus meiner Sicht weit plausibleren  Ergebnis, dass viele ADHS-Kinder und Jugendliche eher einen zu niedrigen Blutdruck und zudem noch erniedrigte Vitamin-D-Spiegel haben als Gleichaltrige.

Mit dem Vitamin-D-Spiegel haben wir wohl weniger Probleme, da wir häufig im Winter bzw. in der trüberen Jahreszeit nach Ägypten „abhauen“. Was aber auch nicht immer geht. Daher ist aus meiner Sicht die Gabe von Vitamin D3 sehr zu überlegen (Dekristol).

Was den Blutdruck angeht, haben ja ADHS-Kinder den Vorteil, dass sie in ärztlicher Kontrolle sind. Wobei meist halt der zu hohe Blutdruck auffallen wird. Ehrlich gesagt habe ich mir früher nie darüber Gedanken gemacht, ob ein Kind einen zu hohen Blutdruck haben könnte.

Weit schwieriger finde ich aber, mit einem zu niedrigen bzw. fehlangepassten Blutdruck zu leben. Das mag zwar nicht gefährlich sein, aber es hemmt doch ungemein. Und die guten Ratschläge von Sport über Betablocker haben irgendwie wenig geholfen.

Ich kann es zwar nicht belegen, aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass hier ADHS-Medikamente nicht nur auf die Konzentration, sondern eben auch auf die körpereigene Dysregulation einen stabilisierenden und damit positiven Einfluss haben.

Wichtiger aber dabei ist eben, dass die ADHS-Konstitution insgesamt mit einer anderen (sagen wir hier ruhig : gestörten) Regulationsfähigkeit im Bereich des vegetativen Nervensystems einhergeht. Das bezieht sich nicht nur auf den Kreislauf sondern auch auf Blutzucker, vermutlich die Hormonregulation (Schilddrüse., Wachstumshormone), Schlaf. Alles anders.

Hier geht es zum Abstract der Studie

Attention deficithyperactivity disorder is associated with reduced blood pressure and serum vitamin D levels: results from the nationwide German Health Interview and Examination Survey for Children and Adolescents (KiGGS).

 

2 Gedanken zu „ADHS Blutdruck und Dysregulation

  • 23.05.2016 um 16:27
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    Der Blutdruck steigt mit ADHS Medikamenten eher sehr moderat. Wir reden hier über 1-2 mmhg. Das ist das, was ich aus diversem Material herausfilterte und auch das, was ich bei mir selbst mit sehr aufwändigem Meßverhalten über 4 Wochen herausfinden konnte.
    Selbst wenn das bei einem GESUNDEN Patienten mal 4-8 mmhg sein sollten, ist das unwichtig. Denn nur wer sowieso Probleme mit dem Blutdruck hat, hat auch ein etwaiges Risiko. Man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen: Präventivmedizin ist ein Riesengeschäft. Für die Pharmabranche und Ärzte, Apotheken und mehr. Wieweit das wirklich für die Patienten nützlich ist, 1-2 mmhg runter zu bekommen, noch dazu im jugendlichen Alter wird man nur durch erhebliche Datenmassage, Annahmen, Theorienbildung und Behauptungen zusammenkratzen können.

    Da wird viel Propaganda betrieben. Es sollte nicht vergessen werden, das in den Prüfungsverfahren bei den Todesfällen von Kindern diese wenigen Vorfälle afaik nur! bei denen vorkamen, die auch eine Schädigung des Herzens hatten.

    Ausserdem gehört der Gang zum Kardiologen um das auszuschließen zum Standart.

    Zum Topic möchte ich noch sagen:

    Man liest und hört allenthalben das die Stoffwechsellage im Gehirn und auch Sauerstoffmangel in bestimmten Hirnregionen ein wichtiges auch ursächliches Symptom bei der ADHS ist.

    Da komme ich dann zu den Schlafapnoepatienten und zu denen, mit einer vielleicht nicht behandelten Schlafstörung, die weniger auffällig ist als die Apnoe. Und dem Link zur ADHS bzgl. Schlafproblemen, die oft mit verminderter Sauerstoffsättigung einher gehen.
    Die Beschreibung eines besonders müden Tages fällt mir als eine besonders häufig gehörte im Kontext der Schlafproplematik auf. Da müsste man nachhaken, ob man mit einer Prophylaxe gegen Rückliegen o.ä. nicht besser klar kommt oder besser gleich das Schlaflabor aufsuchen, mehrere Tage vielleicht checken lassen. Auch eine Prüfung der anatomischen Besonderheiten am Kiefer, HNO also alles was den Schlaf / die Atmung und damit die Sauerstoffsättigung im Blut reduzieren kann.
    Es gibt hierfür preiswerte Messgeräte zur Sauerstoffsättigungsmessung mit PCSChnittstelle zur späteren Auswertung. Vielleicht hilft das den Ursachen für die müden Tage auf der Spur zu kommen Herr Dr. Winkler? Ich weiß das die ADHS Symptome und die Müdigkeit oft eng zusammenkommen.
    Ich weiß auch um den Effekt von Bewegung an der frischen Luft, also ausgiebig den Körper auf Touren bringen und ihm Sauerstoff reinpumpen. Das hilft übrigens als einziges gegen solche Tage Herr Dr. Winkler! Probieren Sies aus, auch wenn das gerade DIE Tage sind, an denen man auf gar keinen Fall irgendetwas tun möchte …
    Vielleicht sollte man die Verbindung zwischen Hirn / Sauerstoffsättigung im Blut nochmal checken? Auch ob da genug im Hirn ankommt?

    Grüße

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  • 23.05.2016 um 02:09
    Permalink

    Hallo Martin,

    ein sehr heikles Thema, denn die bisher empfohlenen Blutdruckwerte schwanken und sind noch noch immer nicht gut genug erforscht. Aber bisheriger erforschter Fakt ist, dass eher erhöhte Blutdruckwerte mal gefährlich werden können als zu niedrige. Ich würde deshalb die Kontrolle des Blutdruckes bei einer ADHS-Medikation nicht auf die leichte Schulter nehmen und finde sie sehr gerechtfertigt. Ein anderer Fakt ist, dass sich manche Ärztekreise noch immer nicht darüber einigen können, wwas nun als idealer Blutdruck für einen Menschen gelten soll, ebenso wie die Tatsache, dass es auch hier wieder wie immer und überall Ausnahmen gibt: manche leben sehr gut mit in medizinischen Kreisen eigentlich als überhöhten geltende Blutdruckwerten, andere ebenso gut mit eigentlich zu niedrigen Werten.

    Im Gegensatz zu dir, finde ich es nicht schwieriger, mit einem niedrigen Bludtdruck leben, man hat hier viel mehr und auch öfter die Möglichkeit, den zu puschen, mit Kaffée oder Cola etc. Einen grundsätzlich erhöhten Blutdruck wieder runterzubekommen, ist erheblich schwieriger und komplizierter!
    Wenn ADHS-Kinder nun durch die Medikation dann aber oft einen erhöhten Blutdruck aufweisen, stimmt das wiederum nicht mit deiner Hypothese, dass die meisten ADHS-Kinder einen eher niedrigen Blutdruck haben, denn durch Studien ist es erwiesen, dass ADHS-Medikamente (nicht immer), aber zumindest oft den Blutdruck zumindest über den bisherigen Standard hinaus erhöhen. Der Idealfall wäre hier, dass die ADHS-Medikamente den niedrigen Blutdruck nur soweit erhöhen, dass es noch Standard ist und nicht auffällig.

    Ich finde es sehr schwierig, deine Hypothese zu verallgemeinern und wäre sehr vorsichtig damit.

    Viele Grüsse, Chris G.

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