Kopfschmerzen bei ADHS
Spannungskopfschmerz und Migräne bei ADHS

Kopfschmerzen sind ein häufiges Problem, das sowohl Kinder als auch Erwachsene mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) betrifft. Dieser Artikel gibt einen Einblick in die aktuelle Forschung über Kopfschmerzen bei ADHS und bietet praktische Ratschläge für Betroffene und ihre Familien.
Als Psychiater in einer psychosomatischen Akutklinik sind Kopfschmerzen ein sehr häufiges Phänomen. Aus eigenem Interesse (und weil es einen hohen Anteil unserer PatientInnen betrifft) habe ich daher Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema gesammelt.
Die Verbindung zwischen ADHS und Kopfschmerzen
Häufigkeit und Arten von Kopfschmerzen
Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS doppelt so häufig unter Kopfschmerzen leiden wie ihre Altersgenossen ohne ADHS. Bei Erwachsenen bleibt diese Tendenz bestehen. Die häufigsten Kopfschmerzarten bei ADHS sind Migräne und Spannungskopfschmerzen.
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen für die erhöhte Kopfschmerzneigung bei ADHS sind noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden unter anderem genetische Faktoren und die gemeinsame Dysfunktion in bestimmten Gehirnregionen. Auch Stress, Schlafmangel und sensorische Überempfindlichkeit, die oft mit ADHS einhergehen, können Kopfschmerzen auslösen oder verschlimmern.
ADHS-Medikamente und Kopfschmerzen
Einige Standardmedikamente zur Behandlung von ADHS, wie Atomoxetin, Guanfacin und Methylphenidat, können Kopfschmerzen als Nebenwirkung haben. Dies stellt eine Herausforderung für die Behandlung dar, da diese Nebenwirkung die Therapietreue beeinträchtigen kann.
Tipps zur Medikamentenauswahl und Dosierung
- Individuelle Anpassung: Nicht alle ADHS-Medikamente wirken bei jedem Patienten gleich. Eine individuelle Anpassung der Medikation ist entscheidend.
- Langsame Dosierungserhöhung: Eine langsame Steigerung der Dosierung kann helfen, das Risiko von Kopfschmerzen zu verringern.
- Regelmäßige Überprüfung: Die Medikation sollte regelmäßig mit einem Arzt überprüft werden, insbesondere wenn Kopfschmerzen ein Problem darstellen.
Strategien zur Bewältigung von Kopfschmerzen bei ADHS
Lebensstiländerungen
- Regelmäßiger Schlaf: Ein stabiler Schlafrhythmus kann helfen, Kopfschmerzen zu reduzieren.
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Meditation oder leichte körperliche Aktivitäten können stressbedingte Kopfschmerzen lindern.
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind wichtig.
Nicht-medikamentöse Behandlungen
- Physiotherapie: Bei Spannungskopfschmerzen kann Physiotherapie hilfreich sein.
- Psychotherapie: Verhaltenstherapeutische Ansätze können dabei helfen, Stressoren zu bewältigen, die Kopfschmerzen auslösen.
Medikamentöse Behandlung von Kopfschmerzen
- Schmerzmittel: In Absprache mit dem Arzt können gelegentlich Schmerzmittel eingesetzt werden.
- Prophylaktische Medikamente: Bei häufigen Migräneanfällen können vorbeugende Medikamente sinnvoll sein.
Fallbeispiel: „Marias Weg zur Bewältigung von ADHS und Kopfschmerzen“
Hintergrund: Maria, eine 32-jährige Grafikdesignerin, leidet seit ihrer Kindheit unter ADHS. In den letzten Jahren hat sie zunehmend mit Migräne und Spannungskopfschmerzen zu kämpfen.
Herausforderung: Ihre Arbeit erfordert hohe Konzentration und Kreativität, was oft zu Stress führt. Stress ist ein bekannter Trigger für Marias Kopfschmerzen. Zudem fällt es ihr schwer, einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten – eine weitere Herausforderung für ihre Gesundheit.
Behandlung und Anpassungen: Maria entschied sich für eine Kombination aus medikamentöser Behandlung mit dem Psychostimulans Lisdexamphetamin und Lebensstiländerungen. Sie arbeitete eng mit ihrem Arzt zusammen, um die richtige Medikation für ihre ADHS zu finden, die ihre Kopfschmerzen nicht verschlimmerte. Sie begann auch, ihre Schlafgewohnheiten zu überwachen und setzte sich das Ziel, jede Nacht zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen. Unter der Medikation konnte sie eigene Grenzen wesentlich besser wahrnehmen und dann auch Pausen und Selbstfürsorgezeiten planen und tatsächlich umsetzen und einhalten!
Ergänzende Maßnahmen: Zusätzlich zur medizinischen Behandlung nahm Maria an einem Stressbewältigungskurs teil und integrierte regelmäßige Pausen in ihren Arbeitsalltag. Sie fand heraus, dass leichte körperliche Aktivität, wie Spaziergänge oder Yoga, positiv auf ihre Kopfschmerzen wirkte.
Ergebnis: Nach einigen Monaten stellte Maria fest, dass ihre Kopfschmerzen seltener wurden und sie sich insgesamt besser fühlte. Sie lernte, die Signale ihres Körpers besser zu deuten und entsprechend zu reagieren.
Schlussfolgerung: Dieses Fallbeispiel zeigt, wie wichtig eine ganzheitliche Herangehensweise bei der Behandlung von ADHS und begleitenden Kopfschmerzen ist. Die Kombination aus angepasster Medikation, Lebensstiländerungen und Stressmanagement kann signifikant zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.
Dieses Fallbeispiel bietet Ihren Lesern eine realistische und relatable Perspektive, die sowohl die Herausforderungen als auch die effektiven Strategien zur Bewältigung von Kopfschmerzen bei ADHS verdeutlicht.
Fazit und Ausblick
Kopfschmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung von ADHS, sowohl als Teil der Störung selbst als auch als Nebenwirkung der Medikation. Eine umfassende Behandlungsstrategie, die sowohl auf die ADHS als auch auf die Kopfschmerzen eingeht, kann helfen, die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern. Wichtig ist dabei eine enge Zusammenarbeit zwischen Patienten, Familien und Fachpersonal.
Für eine detailliertere Beratung und Behandlung sollten Betroffene sich an einen Facharzt wenden, der Erfahrung mit ADHS und komorbiden Erkrankungen hat.
Quelle ; Pan PY, Jonsson U, Şahpazoğlu Çakmak SS, Häge A, Hohmann S, Nobel Norrman H, Buitelaar JK, Banaschewski T, Cortese S, Coghill D, Bölte S. Headache in ADHD as comorbidity and a side effect of medications: a systematic review and meta-analysis. Psychol Med. 2022 Jan;52(1):14-25. doi: 10.1017/S0033291721004141. Epub 2021 Oct 12. PMID: 34635194; PMCID: PMC8711104.



Trotz meines kritischen – vielleicht sogar bissig zu nennenden – anderen Kommentars, finde ich den Artikel wieder einmal sehr gut und nachvollziehbar.
Weiter so!
Was den anderen Kommentar von mir betrifft: inhaltlich passt er für mich. Emotionale Formulierung beweist meine Diagnose wahrscheinlich sehr gut.
Regelmäßig ausdauernder Schlaf kann helfen.
Und welchen Wert hat dieses Wissen für ADHS-Menschen? Dass man sich noch mehr selbst geißelt, weil es das einfach nicht spielt für die meisten von uns. Meist gar nicht spielen kann.
Wenn zu mir jemand kommt und sagt er habe ADHS und er schlafe regelmäßig bald und lange, dann garantiere ich dem, dass die Diagnose falsch ist.
#overthinking #melaninausschüttung etc.