Langzeitfolgen von ADHS-Medikamenten wie Ritalin

Na ja. Ich finde die Übertragbarkeit von tierexperimentellen Untersuchungen auf die Realität von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen problematisch. Ganz klar, ADHS-Kindern sind weder Mäuse, Ratten oder Affen. Und zudem sollte man sich überlegen, in welchem Rahmen man dafür überhaupt Tierversuche braucht.

Aber andererseits: Alle Welt fordert Untersuchungen, die sich mit den „Langzeitfolgen“ einer Medikation auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns bzw. auch etwaigen Suchtneigungen beschäftigt. Ethisch ist es da sicher noch problematischer, dies am Menschen zu untersuchen. Schlicht, weil man dafür über einen Zeitraum von mehreren Jahren Kinder mit ADHS unbehandelt lassen würde.

Worum geht es also: In zwei aktuellen Studien wurde die Auswirkung von MPH auf die Gehirne bzw. auch das Suchtverhalten (Cocain-Craving) über einen Zeitraum von einem Jahr tierexperimentell untersucht. Übertragen auf die Spezies Mensch würde dies vier Jahre Dauertherapie mit Methylphenidat entsprechen.

Ist das gefährlich? Nein.
Ist das immer sinnvoll: Sicher auch nicht.

Aber: In den Untersuchungen konnte die immer wieder von unseren lieben Anti-Psychiatrie-Freunden propagierte Horrorbehauptung einer physischen Abhängigkeitsentwicklung oder ungünstigen Hirnreifung entkräftet werden.

„After one year of drug therapy, we found no long-lasting effects on the neurochemistry of the brain, no changes in the structure of the developing brain. There was also no increase in the susceptibility for drug abuse later in adolescence,“ Porrino said. „We were very careful to give the drugs in the same doses that would be given to children. That’s one of the great advantages of our study is that it’s directly translatable to children.“

Übrigens bestätigte sich auch gerade, dass die ADHS-Medikation auch kein erhöhtes Risiko am Herz oder hinsichtlich Schlaganfällen bedeutet. War schon bekannt, ist jetzt aber laut Ärzteblatt nochmal in einer neuen Studie belegt.

3 Gedanken zu „Langzeitfolgen von ADHS-Medikamenten wie Ritalin

  • 29.07.2012 um 16:35
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    Nehme jetzt 2,5 Jahre Concerta 27 mg 2x am Tag (ja, ihr habt mich nicht überzeugen können dass es schädlich ist das 2x einzunehmen – ev. müsst ihr euch bessere Argumente einfallen lassen als das ominöse: das tut man doch nicht) und ich fühle mich wohl und gut damit.
    OK, ich bin kein Kind mehr sondern eine alte Frau und da ist es egal.. aber ich stehe noch im Arbeitsprozess und muss funktionieren.
    Ich kann also in meinem Fall bestätigen, dass es funktioniert, dass ich nicht süchtig bin (ich vergesse das „Hammermedikament“ (O-Ton gewisser radikaler Stimmen) immer noch hie und wieder).

    Falls gewünscht kann ich ja alle Jahre mal wieder ein Statement abgeben, denn ich gedenke mein Concerta auf unbestimmte Zeit weiter einzunehmen.
    Warum? Weil ich mich daran gewöhnt habe ICH zu sein. Sehr angenehm. Nicht mehr ferngesteuert… so wie jeder Diabetiker das auch schätzt Insulin zugeben zu können, wenn der Körper nicht passend liefert.

    Antwort
    • 29.07.2012 um 20:56
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      Es bleibt nicht richtig. Aber wenn es unverändert so funktioniert, kann man ja auch mal eine falsche Therapie als Therapie durchgehen lassen. Da bin ich recht entspannt grosszügig. Unlustig finde ich, wenn die Dosis dann immer weiter erhöht werden muss.

      Antwort
      • 29.07.2012 um 21:10
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        Nein, von erhöhen war nie die Rede. Es passt genau wie es ist.
        Habe auch mal versucht zu ändern, mal versucht wegzulassen, hat nicht gepasst. Deshalb lasse ich es so wie es jetzt ist.

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