Ritalin wirkt nicht – Warum ?
🎯 Warum Ritalin nicht bei allen wirkt – und was D1/D2-Rezeptoren damit zu tun haben
Neue Studie erklärt individuelle Unterschiede in der Ritalin-Wirkung
Ritalin (Methylphenidat) gilt als eines der bekanntesten Medikamente zur Behandlung von ADHS – aber nicht jeder profitiert davon. Warum hilft es manchen Betroffenen deutlich, während andere kaum eine Verbesserung spüren?
Eine aktuelle Studie aus den USA bringt Licht ins Dunkel: Es sind nicht nur die Dopaminwerte entscheidend, sondern auch die Art der Dopamin-Rezeptoren im Gehirn – insbesondere das Verhältnis von D1- zu D2-Rezeptoren.
🧠 Was wurde untersucht?
Das Forscherteam um Dr. Peter Manza (University of Maryland) und Dr. Nora Volkow (NIH) untersuchte 37 gesunde Erwachsene ohne ADHS, die an zwei Tagen Konzentrations- und Gedächtnisaufgaben durchführten – einmal unter Placebo, einmal nach Einnahme von Ritalin.
Mit PET-Scans wurde die Verteilung der Dopaminrezeptoren im Gehirn gemessen, während fMRTs die Aktivierung bestimmter Hirnareale zeigten. Dabei ging es besonders um zwei Rezeptortypen:
- D1-Rezeptoren: fördern Fokus, Zielgerichtetheit, Stabilität
- D2-Rezeptoren: fördern Flexibilität, Offenheit für Reize, können aber mit Ablenkbarkeit einhergehen
🔄 Die entscheidende Rolle des D1/D2-Verhältnisses
Die Ergebnisse waren überraschend:
| Rezeptorprofil | Grundregulation (ohne Ritalin) | Reaktion auf Ritalin |
|---|---|---|
| Mehr D1 als D2 | Gute Aufmerksamkeit & Gedächtnis | Kaum Verbesserung |
| Mehr D2 als D1 | Schwächere Grundregulation | Deutliche Verbesserung |
Mit anderen Worten:
👉 Menschen mit mehr D2-Rezeptoren profitieren stärker von Ritalin.
👉 Menschen mit mehr D1-Rezeptoren haben schon eine stabile Hirnaktivität – und profitieren kaum zusätzlich.
⚠️ Was bedeutet das für ADHS-Betroffene?
Obwohl die Studie an gesunden Personen durchgeführt wurde, ist sie für ADHS besonders spannend. Denn:
👉 Viele ADHS-Betroffene berichten, dass Stimulanzien wie Ritalin nicht helfen – oder sogar verschlechtern.
👉 Es könnte sein, dass diese Menschen ein D1-dominantes Profil haben.
Die Forscher planen nun eine Folge-Studie mit echten ADHS-Diagnosen, um zu prüfen, ob diese Hypothese zutrifft. Das wäre ein Schritt hin zu einer individualisierten ADHS-Medikation.
💬 Gilt das auch für Amphetamine?
Ja, möglicherweise.
Auch Amphetamine wie Elvanse (Lisdexamfetamin) oder Adderall wirken primär über das Dopamin-System – allerdings mit einer anderen Mechanik als Methylphenidat (Ritalin):
- Ritalin hemmt primär die Wiederaufnahme von Dopamin.
- Amphetamine setzen aktiv mehr Dopamin frei in den Synapsen.
Aber: Die Wirkung hängt trotzdem davon ab, an welche Rezeptoren das Dopamin andockt.
➡️ Auch bei Amphetaminen könnte also das Verhältnis von D1 zu D2 eine Rolle spielen, wenn es um Wirkung und Nebenwirkungen geht.
➡️ Studien mit Amphetamin-Typen sind noch rar, aber das Prinzip dürfte ähnlich gelten.

🧭 Fazit: Ritalin wirkt nicht bei allen – und das ist (neuro-)logisch
Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll: ADHS ist keine Dopaminmangelkrankheit, sondern eine Regulationsstörung im Dopamin-System, die individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt ist.
Wenn Ritalin oder andere Medikamente „nicht wirken“, heißt das also nicht, dass die Diagnose falsch ist – sondern dass vielleicht das Rezeptorprofil nicht passt.



Hallo! Vielen Dank für den spannenden Artikel. Gibt es in einem solchen Fall andere wirksame Medikamente oder wäre die Funktionsweise dieselbe?