Lesen- und Schreiben Analytische Silbenmethode

Ra re Ri ro Ru ra

Kommt Ihnen unverständlich vor? Mir auch. Das ist die erste Zeile auf Seite 17 vom Lese- und Schreiblernbuch meines Sohnes. Es gibt ja offenbar etliche Methoden zum Erlernen des Lesens. Bei unserem „Ältesten“ war es nun total anders. Ein paar hundert Kilometer weiter bei Freunden wird wiederum ganz anders in Schreibschrift Schreiben und Lesen beigebracht. Und schon die 2. Klasse der gleichen Grundschule bzw. die Parallelklasse wird in einer ganz anderen Methode unterrichtet, so dass „Sitzenbleiben“ quasi gar nicht geht.

Zweite Zeile:
Ta re Mi lo ru me
und nochmal gelesen …
Ta re Mi lo ru me

Aufgrund seiner allgemeinen Entwicklungsverzögerung bzw. seiner Sprachentwicklungsstörung ist schon das Sprechen für ihn noch schwierig. Der sicherlich vorhandene sonderpädagogische Förderbedarf erfordert „Drill“. Wir müssen also immer wieder die Silben wiederholen. Was dann zu einer Belohnung wie Verstecken führt. Und es macht ihm Spass, abends oder wie jetzt am Nachmittag mit Papa zu lesen. Noch.

Man kann sehr unterschiedliche Dinge über die verschiedenen Methoden des Spracherwerbs lesen. Offensichtlich ist die Silbenmethode durchaus für „lernschwache“ Kinder bzw. auch bei Legasthenie gar nicht so schlecht bzw. eben eine von möglichen Methoden (siehe hier in einem Lehrerforum).
Das folgende Video vom „Anbieter“ finde ich durchaus sehenswert bzw. diskussionswürdig:

Es ist auch für mich spannend zu sehen, wie sein Gehirn lernt. Wie das „lo“ immer mal wieder falsch ist, wie es dann aber insgesamt auch besser wird, wenn man es wirklich regelmässiger macht.

Bei ihm ist es so, dass er halt häufig „daneben sucht“ wie beispielweise beim „lo“, das dann mal zum „ro“ wird. Oder eben nicht erinnert wird. Dann kommt er in eine Art „Luftloch“ der Irritation bzw. des Suchens und sucht halt häufig vergeblich. Dann hilft nicht darauf zu warten, dass er es sich herleitet. Dann sage ich es vor. Und wir wiederholen. Und wiederholen in Variationen.

Dann steigt er innerlich aus und fängt an zu „raten“. Dann hilft nur ihn wieder zurückzuholen zu den Buchstaben-Unverständlichkeiten und die Silben wieder herzuleiten. Was er durchaus kann.

Eigentlich müsste es für Kinder wohl leichter sein, in Bildern zu lernen bzw. mit den Wörtern einen Sinn zu verknüpfen. Und wie bei unserem „Grossen“ dann die Buchstaben in verschiedenen Submodalitäten zu „begreifen“, sie als Seil zu legen bzw. überhaupt erfassbar zu machen. Wobei mein „Kleiner“ die meisten Buchstaben ja schon kann. Das wird in der Silbenmethode dann auch gemacht, wobei sich die „Kleinen“ eben die Wörter dann bildlich vorstellen sollen und mit dem „Wortbild“ verknüpfen. (Mein Tip: Tippen sie abwechselnd auf die rechte und linke Schulter dabei bzw. machen sie eine andere Form der Rechts-Links-Aktivierung zum Fördern des Lernprozesses wie bei der Traumverarbeitung von Lernstoff im Schlaf …).

Hauptarbeit ist die ständige Motivationsarbeit und dabei selber motiviert zu bleiben. Es ist ja schön gesagt, dass die Kinder in der Grundschule insgesamt 20 -30 Min Hausaufgaben machen sollen. Dieses Üben ist ein Drill. Und mir ist klar, dass er für meinen Sohn vermutlich die beste Lösung ist. Denn die Lernmethode konnten wir uns ja nicht aussuchen.

Aber es ist eben auch deutlich, dass gerade „lernschwache“ Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf nicht allein von Schule gefördert werden können. Sie brauchen eben mehr Zeit, mehr Übung und mehr Eltern. Ruhige Eltern, die sich auch darauf einstellen können. Eltern, denen sich auch der Sinn im Unsinn solcher verschiedenen Methoden erschliesst.

5 Gedanken zu „Lesen- und Schreiben Analytische Silbenmethode

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