Hyperaktivität und Dopamin: Sich richtig machen

Wenn man sich mit dem Thema ADHS beschäftigt, wird von Laien gerne die motorische Unruhe = Hyperaktivität beziehungsweise das hyperkinetische Syndrom als Hauptproblem gesehen. Was natürlich ziemlicher Quatsch ist, weil kaum ein Kind unter der Unruhe leiden wird.

Klar, die innere Nervosität kann ein Problem sein. Die Ablenkbarkeit vielleicht auch, eher aber doch das „Chaos“ im Kopf und die Unfähigkeit nun einen wichtigen Gedanken „fangen“ und festhalten zu können, wenn man ihn gerade braucht. „Leiden“ tun Kinder und Jugendliche aber erst dann, wenn sie an sie gestellte Erwartungen nicht mehr erfüllen können. Und das hat eben auch mit der fehlenden Verfügbarkeit eines wichtigen Botenstoffes im Gehirn, dem Dopamin, zu tun. Dopamin wird immer dann ausgeschüttet, wenn etwas „besser als erwartet“ ist. Wenn man einen Erfolg hat, wenn man eine neue Erkenntnis gelernt hat, wenn eine schöne Sache passiert. Und wenn man gelobt wird.

Klar, ADHSler werden leider seltener gelobt als kritisiert. Schlimmer aber noch: Sie können diese „Erfolge“, die zum Ausschütten des Dopamins führen, eben viel kürzer halten als „Stinos“. Das Dopamin wird zwar gebildet und ausgeschüttet, dann aber von einem inneren „Dopaminstaubsauger“ = Wiederaufnahme-Transporter sofort wieder aufgesaugt. Es steht also nicht ausreichend für die Signalübertragung des Erfolgs als Überträger der „guten Nachricht“ zur Verfügung.

Wie der Hannover Georg Wolff richtig darstellt, sind ein Teil der ADHS-Symptome wie eben die motorische Unruhe auch (oder vielleicht sogar primär) nicht Symptom, sondern eine Art Versuch der „Selbsttherapie“. Mit der Hyperkinesie und Unruhe wird eben auch Dopamin freigesetzt und so etwas wie eine innere Grundspannung (Arousal) aufgebaut, die es den Kinder ermöglicht, Aufmerksamkeit zu halten. Klar, sie fallen damit „störend“ auf. Aber eigentlich geht es darum, eine innere Homöostase = Gleichgewicht beziehungsweise Wiederherstellung der inneren Regulationsfähigkeit herzustellen.

Wenn in der Presse dann Unruhe bei Hyperaktivität als fehlende Toleranz für lebhafte Kinder gesehen wird, ist das ja ganz nett. Geht aber völlig am Thema vorbei. Hyperaktive Kinder würden gerne auf ihre Unruhe verzichen und eben selber frei entscheiden können, wann sie toben und „Kind sein dürfen“ und wann sie sich eben auch mal bei einer Stillarbeit konzentrieren oder mit sich allein beschäftigen können. Das aber setzt eine normale Regulation und Verfügbarkeit von Dopamin voraus.

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