ADHS und Neurofibromatose

Zugegeben: Eigentlich sollte ich längst den Entlassungsbrief von Frau K schreiben bzw. korrigieren. Sie war wegen ADHS bei gleichzeitiger Neurofibromatose Typ 1 (Morbus Recklinghausen) bei uns.

Ich finde es schon interessant, dass es somatische Erkrankungen gibt, die gehäuft mit ADHS auftreten. Im Internet bin ich auf den Artikel eines Kindes bzw. der Eltern mit dieser Komorbidität gestossen (als Erinnerungshilfe für den Brief…). Als Aufschieberitisgrund zur Vermeidung des Briefeschreibens führte mein Weg dann zu einer lesenswerten Dissertation (Doktorarbeit) zu ADHS und Fibromatose bei Erwachsenen.

So genug der Ablenkung vom eigentlichen Thema… Was wollte ich gerade noch machen?

2 Gedanken zu „ADHS und Neurofibromatose

  • 09.07.2016 um 12:34
    Permalink

    Auch wenn ich noch gar nicht weiß, ob mein gestriger Kommentar überhaupt ankommt, möchte ich noch ein konkretes Beispiel geben, um den Zusammenhang von NF1 und adhs deutlich zu machen:
    Gibt man z. Bsp.. bei Google „mph nf1 camp“ ein und geht dann auf die Bildersuche, kommt man auf folgende „Trefferseite“:
    https://www.google.de/search?q=nph+nf1&biw=1366&bih=520&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwi66qG3jubNAhWLXhQKHbzuA_4Q_AUIBigB#tbm=isch&q=mph+nf1+camp

    Eines der angeklickten Bilder ist dieses:
    http://www.cell.com/cms/attachment/2007951353/2030487706/gr3.jpg
    Der Text dazu dann:
    http://www.cell.com/trends/neurosciences/fulltext/S0166-2236(12)00217-2

    Ich als Nicht-Wissenschaftler vermute mal, dass der Dopamin-Mangel bei NF1-Patienten am reduzierten cAMP liegen könnte, das wiederum möglicherweise eine reduzierte Tyrosine hydroxylase zur Folge hat.

    Jedenfalls scheint MPH ein vielversprechendes Medikament zu sein, das final nicht nur den Aufmerksamkeitsschwierigkeiten entgegenwirkt, sondern vermutlich auch im Bereich Lernen und IQ langanhaltende Erfolge versprechen könnte. Hoffnung.
    Nun doch noch ein Bild, der zu diesem Gedanke evtl. passen könnte:
    http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.cell.com%2Fcms%2Fattachment%2F2027778449%2F2046153743%2Ffx1.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.cell.com%2Fcell-reports%2Fabstract%2FS2211-1247(14)00638-X&h=375&w=375&tbnid=cy_vzrbfgemq1M%3A&docid=zWuXzGWHPr8AnM&ei=0NGAV7XNG4TXUauXmxA&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=247&page=1&start=0&ndsp=12&ved=0ahUKEwi19YuMlubNAhWEaxQKHavLBgIQMwggKAIwAg&bih=492&biw=1366

    Antwort
  • 08.07.2016 um 22:23
    Permalink

    Sehr geehrter Herr Dr. Winkler,
    Hallo liebe Leserinnen und Leser,

    in der Tat, überzufällig häufig trifft man bei NF1-lern auch auf eine ad(h)s oder/ und Autismus-Symptomatik. Die exekutiven Dysfunktionen bilden hier m.E. eine beachtliche gemeinsame Schnittmenge; die Symptomüberlappung ist groß.
    Neurofibromatose NF1 ist mittlerweile sogar zur Modellerkrankung geworden, an der neben Humangenetikern nicht nur die Onkologen (Neurofibromatose gehört zu den Rasopathien), sondern auch Psychiater forschen. So wird bei recht vielen NF1-Patienten eine Dysthymie oder Angsterkrankungen mit diagnostiziert.
    Das größte Interesse liegt hinsichtlich der neuropsychologischen Komponente allerdings nach wie vor bei der Kombination NF1 in Verbindung mit adhs. Mittlerweile existieren zahlreiche Studien zu dem Thema, die aktuellste bei der es u.a. um die Wirksamkeit von MPH bei NF1.Kids mit adhs-Symptomatik geht, ist derzeit noch nicht veröffentlicht.
    Es gibt bereits wirklich unendlich viele Fachartikel, die sich mit der NF1 auf neuropsychologischer Ebene beschäftigen (nature, ncbi-publmed, medline usw.)


    Bei gesunden Menschen agiert das intakte NF1-Protein als negativer Regulator des ras, ein kleines G-Protein. Bei NF1-Patienten ist der Ras-Signalweg folglich hyperaktiv.
    Ferner trägt das NF1-Proteins zur Aktivierung der Adenylatzyklase bei und erhöht somit cAMP (zyklisches Adenosinmonophosphat). Bei NF1-Patietnten ist cAMP somit reduziert.

    Ist das NF1-Gen mutiert, so geht die NF1-Erkrankung zwar mit 100%-iger Penetranz, allerdings mit sehr variabler Expressivität einher.
    Man ist sich sicher, dass es Kandidatengene geben muss, die NF1 modifizieren.
    Klar, das Zusammenspiel von Proteinen, Enzymen und Botenstoffen ist hochkomplex. Crosstalk gibt es überall zwischen den verschiedenen Signalkaskaden (Stichworte: z.B. Wechselwirkungen und positive wie auch negative Rückkopplungen untereinander).

    Beschäftigt man sich intensiver mit NF1 und adhs, so stößt man häufig auch auf Folgendes, hier nur stichpunktartig erwähnt:
    – verstärkte gaba-erge Hemmung
    – glutamaterge System, NMDA-Rezeptoren
    – verringerte Langzeitpotenzierung ltp und synaptische Plastizität
    – Dopamin-Mangel
    – cAMP und creb-Bindeprotein
    – präfrontaler Kortex
    – signifikanter Vitamin D-Mangel (den meisten NF1-Patienten wird hochdosiertes Colicaliferol verordnet)
    – HPA-Achse ( –> a la zur schnellen Erschöpfung neigend; diffuse Fybromyalgie-Symptome)
    …diese brockenartigen Anstriche sind nur ein Sandkorn in der Wüste der nennenswerten potentiellen Zusammenhänge zwischen NF1 und adhs

    Wenn man zum Querdenken neigt und dazu noch leicht vom Hundertsten ins Tausendstel kommt, reimt man sich viel Stuss zusammen; dessen bin ich mir durchaus bewusst…
    So fragte ich mich bereits, warum man die neuropsychologisch spezifischen Symptome der NF1 nicht auch mit Modafinil oder Guanofacin oder Forskolin (=aktiviert auch cAMP wie NF1) behandelt. Logo, mit einer Forskolin-Einnahme gänge man viel zu viele Nebenwirkungen ein. MPH ist dem Guanfacin überlegen. Trotzdem schade, dass ständig aufploppende Hoffnungsschimmer zu schnell wieder verpuffen.
    Auch über die bei NF1-typischen Café-au-lait-Flecken grüble ich immer wieder nach. Die anfängliche Hypothese, dass die Milchkaffeeflecken aus einem Melatonin-Mangel resultieren, hat sich zerschlagen (obwohl es so schön zu adhs gepasst hätte). Nichts desto trotz kommen Schlafstörungen häufig bei NF1 vor. Nunmehr denke ich allerdings., dass die Milchkaffeeflecken im Zusammenhang mit der tyrosinhydroxylase (–>melanin) stehen. Wieder quergedacht: Tyrosin als Vorstufe des Dopamin würde ja zumindest wieder zum adhs passen.
    Letztere wissenschaftliche Untersuchungen hatten bspw. auch die Frage in den Raum geworfen, ob die verminderte ltp bei NF1 mit Lovastatin behandelbar wäre. Ich fragte mich ein Cholesterinsenker -äh? Ich grübelte und hab mich erinnert, dass doch auch Omega 3-Fettsäuren u.a. v.a. propagiert werden, das LDL-Cholesterin zu senken und die Aufmerksamkeit und Konzentration zu steigen vermögen. So recherchierte ich weiter und bin auf ein Nahrungsergänzungsmittelgestoßen, dass für adhs-Kinder hergestellt wird. Es enthält neben Fischöl auch Zink und Magnesium als weitere Bestandteile. Zink fungiert wohl auch als Dopaminwiederaufnahmehemmer und dockt nämlich am Dopamin-Transporter an. Aber gut, die Mengen an Zink sind m.E. gar nicht zu schluckbar, um eine signifikante Wirkung zu verspüren.

    Letzter Gedankenbrocken im Zusammenhang NF1 und ad(h)s: Da es tatsächlich meist die Hypoaktiven sind und z.T. mit Blockaden zu kämpfen haben, könnte für den einen oder anderen EFT (emotional freedom techniques) eine interessante körperorientierte Methode sein, um Blockaden zu lösen.

    Antwort

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: