ADHS grenzenlos

Ich habe mich geärgert. Einerseits über eine ehemalige Patientin, dann aber noch mehr über einen „Arzt“, der sich nun als völlig unbeteiligter „Freund“ der Patientin einmischt.

Ich soll eine Bescheinigung ausstellen, die sich in einem Sorgerechtsverfahren bzw. Umgang mit dem Jugendamt positiv auswirkt. Was ich aber nicht wollte und in der mir von diesem „Kollegen“ vorgeschriebenen Art und Weise nicht tun will.

So weit, so gut. Lassen wir mal aussen vor, dass er mich bei meinem neuen Chef anschwärzte bzw. mich erpressen wollte. Ich zumindest schreibe diese Bescheinigung so nicht.

Mir geht es aber darum, dass einige ADHSler die Regeln des normalen Anstandes total verlieren. Es ist eine Form der Scham- und Grenzenlosigkeit, die weit über die egozentrische Sicht mit der Unfähigkeit zum Perspektivenwechsel hinausgeht. Man wird quasi als Therapeut oder Angehöriger manipuliert und/oder instrumentalisiert und soll die Welt so verändern, dass sie in den unbegrenzten Welt-Rahmen dieser Personen passt.

Wenn man dann aufzeigt, das Grenzen sinnvoll und richtig sind, wird dies aber nicht akzeptiert. Und die eigenen Worte im Mund verdreht.

Damit kann man als Psychotherapeut nun mehr oder weniger gut umgehen, da sog. „frühe Störungen“ bzw. Persönlichkeitsstörungen auf einem sehr frühen Niveau (auch Borderline-Syndrom ähnliche Probleme) halt zum Tagesgeschäft gehören. Die Wut und Abwertung, die dann resultiert, mag ja berechtigt oder unberechtigt sein.

Diese Patientin instrumentalisiert aber gleichzeitig mehrere Männer und schon etliche Therapeuten vor mir. Sie hat sowohl Aktive einer Selbsthilfeorganisation wie auch schon mehrere mir gut bekannte Therapeuten verschlissen.

Einer eigenen Veränderung ist sie nicht zugänglich. Sie ist in einer Art „Kampfmodus“, der keine Rücksicht auf Freund oder Feind macht.

Interessant finde ich, dass diese Personen dann aber immer wieder Verbündete finden. Die sich dann in diesen blinden Kampf verwickeln lassen und weit über ihre Kompetenzen gehen bzw. sich in Dinge und Vorgänge einmischen, aus denen sie sich besser heraushalten würden.

Warum schreibe ich das so? Einerseits sicher, um mir den Frust von der Seele zu schreiben. Aber auch deshalb, weil ich eine Warnung vor dieser Art von ADHSlern aussprechen möchte. Reicht man ihnen den kleinen Finger, möchten sie einen mit Haut und Haar auffressen. Und wandern dann weiter wie Wanderheuschrecken.

Hier gilt es in Selbsthilfegruppen und auch im persönlichen und familiären Umfeld sehr vorsichtig zu sein.

Wer persönlichkeitsbedingt nicht in der Lage ist, die Grenzen von anderen Menschen zu akzeptieren und mit verbaler Gewalt und/oder Manipulation vorgeht oder andere Menschen zur Durchsetzung von unberechtigten Interessen missbraucht, der verdient keine Hilfe. Dann muss man sich zum Selbstschutz abgrenzen und nach Möglichkeit auch andere Personen vor dieser Person warnen.

Denn sich selber ändern werden sie nicht.

7 Gedanken zu „ADHS grenzenlos

  • 13.01.2014 um 13:25
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    Hat die Patientin nicht vielleicht eher ein Borderline Syndrom/Kombi (wissen kann ich es natürlich nicht und will damit auch niemandem zu nahe treten!) ?
    Ich selbst bin auch von ADHS betroffen, allerdings bin ich weder grundsätzlich unfreundlich (habe aber inzwischen auch gelernt erste Grenzen zu setzen), noch manipulativ.
    Eher eigentlich habe ich mich lange Jahre zum Depp vom Dienst machen lassen.
    Gut, vielleicht kann man das Ganze auch einfach unabhängig von der ADHS betrachten und das ist schlicht und einfach nur Charaktersache/Persönlichkeit.
    Gefallen lassen würde ich mir das allerdings auch nicht, klare Grenzen können da nicht schaden.
    Ich bin auch immer wieder darüber verwundert, wie unterschiedlich ausgeprägt ADHS doch sein kann und manches kann ich beim Besten Willen auch nicht mit ADHS gleichsetzen (zumindest gefühlstechnisch) und dies hinterläßt bei mir auch manchmal das Gefühl von Fehldiagnosen.
    Ja ich bin sehr emotional und habe ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, das aber andere sehr wohl miteinschließt und vielleicht auch eine überfordernde Ehrlichkeit, mit der ich aber eigentlich niemand schaden möchte – im Gegenteil.
    Meine Therapeutin meinte mal, das einige Diagnosen eher Fehlbesetzungen gleichen, als ich sie auf meine Irritationen ansprach (also Verhalten versus Kranheitsbild usw.).

    Antwort
  • 31.10.2013 um 12:17
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    Guten Tag Herr Winkler
    ich kann Sie sehr gut verstehen! Gerade das Anschwärzen bei Ihrem neuen Arbeitgeber ist wirklich absolut daneben. Aber es gibt wirklich Leute die zum Eigennutz keine Grenzen kennen.

    Ein solches Verhalten darf man auf keinen Fall mit ADHS oder ähnlichem entschuldigen.

    Ich hoffe Sie konnten Ihrem Arbeitgeber die Situation gut darlegen. Eine Anzeige wegen Verleumdung gegen die Dame würde wohl noch mehr Oel ins Feuer giessen. Aber irgendwann muss die doch einmal starke Konsequenzen spüren?

    Und richtig, wie von Ihnen erwähnt, muss man sich klar von so Leuten abgrenzen!

    Antwort
  • 31.10.2013 um 09:59
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    Hallo Martin! Hallo Angela!

    Grundsätzlich finde ich das Thema Abgrenzung bei ADSlern besonders wichtig. Sicherlich gibt es Menschen, die immer wieder andere vor ihren Karren spannen. Aber umso wichtiger ist es, sich abzugrenzen. Wie oft im meinem Leben habe ich mehr unter der Ausgrenzung von anderen gelitten als unter meiner eigenen (ADS und FETT). Aber ich lerne auch immer mehr was sind meine Probleme und was sind die Probleme der Anderen.
    Auch zu lernen zu den eignen Entscheidungen zu stehen und sich nicht verunsichern zu lassen ist eine Eigenschaft die ADSler sicherlich mehr erarbeiten müssen als ’normale‘ Menschen – wenn es sie gibt.
    Ich schätze an meinem Therapeuten, dass er mir Grenzen – auch meine eignen Grenzen- aufzeigt und somit mein Weltbild korrigiert. Als Betroffene habe ich ausserdem gute Erfahungen mit Gruppentherapie in sozialer Kompetenz und mir auch entsprechende Bücher aus dem Buchhandel unter dem Thema: „Wie wehrt man sich gegen dumme Sprüche“.
    Herr Martin Winkler machen Sie weiter so und ich freue mich über jeden neuen Blogeintrag von Ihnen. Eine Rückmeldung möchte ich Ihnen geben: Es hat mich etwas erschreckt, wie sie über eine ehemaligen Patientin geredet haben aber andererseits habe sie mir auch wieder klar gemacht, dass auch Therapeuten nur mit heissen Wasser kochen und man nur in der konstruktiven Auseinandersetzung mit Problemen eine gemeinsame Lösung findet.

    Liebe Grüsse
    Myriam

    Antwort
  • 30.10.2013 um 21:51
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    Guten Abend Herr Winkler.

    Ich habe eine derartige „Schauspielerin“ als Nachbarin! Mit oder ohne ADHS ist mir mittlerweile völig wurscht! Nach sehr viel Veständnis für ihre „Lebensgeschichte“ etc. langt es nun! Ein fürchterlicher Mensch! Grundsätzlich sind immer die anderen schuld. Sie ist stets das Opfer. Tatsachen werden grundsätzlich falsch weitererzählt, die wiederum andere naive Nachbarn und andere glauben und mich als z.B. Herzlose darstellen. Natürlich – nicht jeder kann weiterdenken, um die Ecke denken, reflektieren und an sich arbeiten. Doch unmittelbar mit solch einer Person, die auch ihre Kinder so „erzieht“ bzw. vernachlässigt, konfrontiert zu sein und keine Lebensqualtät mehr zu haben, zehrt sehr an meinen Nerven und bringt Veränderungen an mir hervor, die ich mit steter Kontrolle natürlich nicht in die Tat umsetzen werde.

    Ich frage mich oft, wer hat nun den entscheideren Vorteil? Ein intelligenter oder eher naiver, gemeiner Mensch? Ja, ich hege zum Teil böse Gedanken, spüre Gefühle wie „ich bin über ihnen“, bin besser, etc. Ich weiß auch, was solche Art Menschen denken… … Doch es ist nicht immer leicht, seine eigene Balance wieder in Einklang zu bringen. Handeln hilft statt zu lange zu warten und zuzusehen.

    Man muss sich einfach treu bleiben. PAuthentisch und es nicht jedem recht machen wollen. Mich muss ja nicht jeder mögen. Ich mag ja auch nicht jeden.

    Wir schaffen das, Herr Winker! Immer wieder!

    Alles Gute und gute Nerven und ganz viel Gelassenheit!!

    Simone

    Antwort
  • 30.10.2013 um 18:30
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    Zu sagen, dass jemand keine Hilfe verdient, finde ich hart.
    Ich denke, dass es Menschen gibt, die auf eine Art toxisch auf Helfer wirken. Ja. Und dass die Helfer sich dann schützen müssen, unbedingt! Aber dass diese Menschen dann keine Hilfe verdienen, sollte man nicht sagen.
    Immerhin gibt es Klinik- und Ambulanz-Teams, die relativ erfolgreich Borderlinern helfen. Sie sind dann im besten Falle in einem speziellen Setting geschützt. Dieses Setting sollten wir halt versuchen aufzustellen.
    Hilfe verdient aber hat jeder Mensch. Das möchte ich gerne einmal betonen und wie ich Dich kenne, wirst Du mir nach dem Abklingen der ersten Erschütterung wohl darin zustimmen.
    Johannes

    Antwort
  • 30.10.2013 um 18:21
    Permalink

    Antwort an User: Michael
    Hallo Michael;
    Zitat: “ Bei denen hatte ich sehr schnell das Gefühl, dass das “ADS-Gefüge” eine groß angelegte Tarnung war, um sich auf diesem Wege einen Zugang zu einer bestimmten Personengruppe zu ermöglichen….viele ADSler sind hilfsbereit, und lassen sich dann schnell vor einen Karren spannen, um diesen dann aus dem Dreck zu ziehen, und dabei merken sie gar nicht, wie der Kutscher sie “mit der vorgehaltenen Karotte” “von einem Shice in den nächsten” schickt.
    Am Ende bleibt dann nur das Gefühl eines “mentales Missbrauchs”, man selbst hat immer irgendwie noch mehr verloren, als der Kutscher gewonnen hat, weil dadurch auch noch Misstrauen entstanden ist.“

    Dieses habe ich gerade wieder auf Arbeit erlebt, im Normalen Beruf und von 2 Frauen. Sie nahmen meine Hilfsbereitschaft bis ich fast umgefallen bin. Meine Arbeit machte ich selber noch dazu bekam sie wiederum nicht fertig und andere nachfolgende Schicht war immer Erstaunt das ich nicht´s auf die Reihe brachte. Bis ich feststellte, das ich wieder in die Falle getapst war, dies dauerte natürlich einige Zeit. Denn sie liesen mich mit ihrer arbeit die körperlich schwer ist alleine und machten dann die leichten Tätigkeiten. Wenn ich Hilfe brauchte bei ihnen oder bei mir am Platz bekam ich keine von ihnen. Dabei sind es „gesellschaftlich genormte Frauen“ ;-), ich nicht. Ich zog mich also zurück, betonte aber immer wieder wenn sie Hilfe brauchen können sie mich mich holen, wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin. Anderen half ich weiter die im Austausch mir auch halfen.
    Gestern bekam ich nun die Schuld in die Schuhe geschoben, das, da ich ihnen nicht Helfe, sie die Arbeit nicht schaffen (das aber alles hintenherum). Ich bin nur als das Thema angesprochen wurde mit der Person aus der Anderen Schicht zur Chefin. Geklärt kann man nicht sagen aber sie weißen die Schuld von sich und andere müssten es eben sähen wenn sie arbeit hätten.
    Mir ist es als ADHS-ler unmöglich ihnen zu sagen: >>Das sie, wie sie sich verhalten haben beim Hilfe bekommen, keine mehr bekommen können, von mir<< geht nicht.
    Da ich weiß ich finde nicht den richtigen Ton und nicht die richtigen Worte. Vor allem weiß wie mehr als zickig sie reagieren werden und die anderen Manipulieren werden.
    Natürlich versuche ich mit Ehrlichkeit eine Gegenmanipulation zu machen. Aber ich weiß aus meinen Lebenserfahrungen, es wird nicht helfen.

    An Herrn Winkler und User Michael
    Ich bin 57, habe die Diagnose erst seit 4 Jahren, und habe schon genug oft zu hören bekommen ich berufe mich auf meine ADHS, nicht von Ärzten aber von meiner Verwandtschaft, die selben Menschen die nicht verstanden hatten, warum ich so bin wie ich bin, immer wieder nur zu "nörgeln" hatten.
    Ich habe mich immer wieder angestrengt vor der Diagnose und erst recht danach. Denn ich dachte; jetzt weißt du ja was du hast und kannst es angehen aber es ist selbst mit Medikamenten sehr schwer, gegen seine eigene "Fehl"Gehirnfunktion zu arbeiten, dabei zu leben im Leben und zu Arbeiten. (Arbeitslosigkeit ist für mich der Horror, ich war es 10 Jahre lang, dann 11 Jahre Arbeit, dann jetzt erst wieder 1 Jahr lang).
    Es ist so für mich, ich mache 3 Schritte vorwärts und 4 zurück.
    Meine Ärztin sage einmal zu mir, das sie mich bewundert. Ich bin nicht Alkohol oder von sonst was abhängig geworden, habe das Rauchen aufgehört, versuche zu arbeiten und habe die volle Punktzahl an ADHS.
    Aber ich stehe immer am Abgrund, da meine Psyche wirklich wirklich immer vorm tiefen Loch steht.

    Antwort
  • 30.10.2013 um 16:51
    Permalink

    Hallo Martin,

    Rücksichtslose gibt es immer wieder, und auch nicht wenige, die eine „ADS-Diagnose“ schamlos nutzen, um sich damit „für krank und somit nicht mehr für eigenes Handeln verantwortlich“ zu erklären.

    Grundsätzlich findet man solche Menschen ja nicht nur bei den ADSlern. Wenn man sich mal die Dunkelziffer der Psychopathen anschaut, dann weiß man ziemlich schnell, dass die sich „überall“ untermischen. Sie spielen mitunter ALLE MÖGLICHEN ROLLEN, um, ohne sich auch nur im Ansatz um das Erleben anderer zu kümmern und die Folgen ihres Handelns für andere Menschen zu berücksichtigen, an die Erfüllung der eigenen Vorteile zu kommen, „koste es, was es wolle“.

    Ich bin selbst in der SH tätig, und habe auch schon mit solchen Menschen zu tun gehabt. Bei denen hatte ich sehr schnell das Gefühl, dass das „ADS-Gefüge“ eine groß angelegte Tarnung war, um sich auf diesem Wege einen Zugang zu einer bestimmten Personengruppe zu ermöglichen….viele ADSler sind hilfsbereit, und lassen sich dann schnell vor einen Karren spannen, um diesen dann aus dem Dreck zu ziehen, und dabei merken sie gar nicht, wie der Kutscher sie „mit der vorgehaltenen Karotte“ „von einem Shice in den nächsten“ schickt.

    Am Ende bleibt dann nur das Gefühl eines „mentales Missbrauchs“, man selbst hat immer irgendwie noch mehr verloren, als der Kutscher gewonnen hat, weil dadurch auch noch Misstrauen entstanden ist.

    Wir kennen uns persönlich, ich weiß, dass du GUTE Arbeit machst aus eigener Erfahrung. Laß dich also von solchen Erlebnissen nicht zu sehr beeindrucken. Es sind immer wieder Prüfungen, an denen man immer wächst, wenn man klar und bewusst beobachtet, und überwiegend bei sich selbst bleibt.

    Warum finden solche Menschen immer wieder Verbündete: Nunja, niemand, der Emotionen fühlen kann, kann sich einen Menschen vorstellen, der gar nichts fühlt, und aus reinem Kalkül handelt. So werden dann Gefühle „vorgespielt“, und der andere muss diese als „echt“ annehmen. Dass da aber NICHTS echt ist merkt man ja erst, wenn man den „ehemaligen Verbündeten“ dann selbst gegen sich stehen hat. Dann ist der andere aber schon weitergezogen, und hat sich neue „Verbündete“ erspielt.

    Ich wünsche dir, dass in „vernünftiges Fahrwasser“ kommt, ohne weiteren Schaden.

    LG Michael

    Antwort

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