ADHS und (Schlaf-)Rhythmusstörungen

Ich habe eine ganz fürcherliche Nacht hinter mir. Schlafstörungen mal wieder bzw. eine Unfähigkeit, zwischen Wach- und Entspannung zu regulieren. Tierische Kopfschmerzen und gleichzeitig eine fürchterliche Müdigkeit.

Für kommenden Mittwoch bereite ich da passend einen Vortrag in Köln zum Thema ADHS und Schlaf vor. Ein Thema, das aus meiner Sicht noch in den Kinderschuhen steckt.

Neben vielen anderen Erklärungen sehe ich ADHS auch als eine Art Rhythmusstörung. Das Gehirn braucht offenbar deutlichere Reize und äußere Vorgaben, um ganz natürliche Regulationen der Selbst-Steuerung zu bewältigen. Dazu gehört auch die Steuerung von Wachheit und Müdigkeit, aber eben auch die Unterscheidung zwischen einem AKTIV-Modus (für Planung, serielles Denken) und einer Art Ruhe-Netzwerkzustand, dem sog. Default-Mode Network.

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass die Synchronisierung bzw. der Wechsel zwischen diesen Funktionszuständen im Gehirn bei ADHS (und sicher auch bei zahlreichen anderen Störungen) ordentlich gestört ist. Oder eben unordentlich und nicht klar synchronisiert abläuft.

Schlechte Schlafhygiene, Schlafmangel bzw. äußere Einflüsse auf den Schlaf werden dann diese miese innere Schlaf-Struktur noch zusätzlich zerstören. Und wir Psychiater sind leider da auch keine grosse Hilfe, weil wir häufig Medikamente einsetzen (z.B. Schlafmittel und Neuroleptika), die genau diese innere Schlaf-Architektur noch weiter kaputt machen.

Nun hatten meine Schlafstörungen insofern auch einen kleinen positiven Anteil, da ich auf Arte einen Beitrag zum Thema Schlafstörungen gesehen habe. Neben anderen neuen Entwicklungen wurde dabei eine Art Stirnarmband vorgestellt, das in der Zukunft über eine Synchronisierung über bestimmte Töne im Schlaf die einzelnen Schlafphasen, die man anhand der sog. langsamen Wellen messen bzw. erkennen kann, besser synchronisieren kann. Und damit den Anteil des Tiefschlafs bzw. des erholsamen Schhlafs erhöht.

Ich fände es sehr spannend, wenn man sich das auch unter dem Aspekt ADHS mal genauer anschauen würde.

Hier der Beitrag auf Youtube. Der eigentliche Beitrag zu dem Stirnarmband bzw. besser schon „Mütze“ geht etwas später los

4 Gedanken zu “ADHS und (Schlaf-)Rhythmusstörungen

  1. Es gibt wohl ein spezifisches Gen, das bei AD(H)S häufig involviert ist, und das zugleich für eine Störung des Tag-/Nach-Rhythmus verantwortlich ist: das CLOCK-Gen. Diejenigen AD(H)S-Betroffenen, die beim Gen-Lotto an dieser Stelle Bingo gerufen haben, leiden häufig an einem sehr nach hinten verschobenen Schlafrhythmus. Will sagen: es betrifft wohl nicht alle AD(H)S-ler, aber diejenigen, die das Los gezogen haben, sind Nachtmenschen.
    Sehr spannend übrigens dargestellt bei Krause, ADHS bei Erwachsenen, Kapitel 4, Genetik und das eigene Kapitel zu Schlafstörungen bei AD(H)S. Dieses Buch ist übrigens fachlich das beste, das ich je zum Thema AD(H)S gefunden habe, und das betrifft nicht nur das Thema Erwachsenen-AD(H)S. Ist allerdings sehr wissenschaftlich orientiert.
    Und was nützt das nun ? Unnützes Wissen, Teil 88 ?
    Ich denke, es erleichtert wenigstens, wenn man weiss, woher das kommt und dass man aufhören kann sich Vorwürfen aus der Umgebung reinzuziehen, dass man doch einfach mal früher ins Bett gehen soll…
    Da Schlaf aber Stress abbaut und Schlafmangel den Stress erhöht, und AD(H)S die reaktionen auf Stress potenziert, ist es sicher sinnvoll, die Schlafstörungen intensiv anzugehen. Dr. Winkler hat dazu in diesem Blog ja schon gute Erfahrungen mit Agomelatin berichtet, Krause empfehlen Trazedon und zitieren eine Studie, dass Melatonin auch bei Kids mit AD(H)S geholfen haben soll (Wikipedia zitiert nur Studien für Leute ab 55). Ich persönlich finde niedrigdosiertes (15 – 45 mg) Trimipramin prima (das einzige trizyklische AD, das die REM-Phasen nicht beeinträchtigt.

    Hat noch jemand spezifisch (gute oder schlechte) Erfahrungen mit Schlafmitteln speziell bei AD(H)S gemacht ?
    Lin, Magnesium als Schlafhilfe ? Wie hast Du das genommen ?

    Thx und viele Grüsse

    Ulrich

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  2. Das ist gerade mein Thema. 2 schlimme Nächte. Eine Weile hatte ich auf Koffein komplett verzichtet, die Umstellung war echt hart. Das ist ein richtiger körperlicher Entzug. Denn was ein echter ADHSler ist, der hat meistens überdurchschnittlichen Kaffeekonsum. Da kommen locker 1-3 Liter zusammen. Ich hatte sogar geschafft ein paar mal mich in die Koffeinüberdosierung zu trinken. Trotz der erheblichen Gewöhnung kann das dann irgendwann passieren.

    Was ich feststellte bisher ist, das ohne Kaffee zumindest der Schlafrythmus besser funktioniert. Das ist meine Erfahrung. Schlag aufs Datum als ich von Null-Koffein auf 2×400-600mg per Tablette wieder einstieg (was weniger sein muss als ich per Kaffee zu mir nahm, da hat man ja die Unsicherheiten wieviel Koffeein wirklich in der Brühe ist, die man sich bereitet) brach der gute Rythmus wieder ein.
    Meine Erfahrung ist das die konzentriertere Gabe durch die Tabletten positiv auf die Konzentration und Wachheit wirkt, aber man zahlt auch einen Preis und ist häufiger physisch müde. Anfangs rappelt auch der Blutdruck ein wenig, bis die Gewöhnung wieder da ist, ist aber normal bei Koffein.

    Viel Gerede kurzer Sinn: Überdenkt euren Kaffeekonsum bei Schlafproblemen. Koffein wirkt und stört das Tag / Nacht Gleichgewicht, da bin ich mir heute aus meinen Erfahrungen sicher, auch dann wenn man nur bis 18 Uhr trinkt.
    Ich kann nicht wirklich gut darauf verzichten, wird anderen hier auch so gehen, aber man muss Schlafprobleme durch Koffein von denen der ADHS unterscheiden lernen.

    Es bleibt nicht aus Herr Dr. Winkler, wenn man das Thema bei ADHS auf die Agenda bringt, auch den Kaffeekonsum zu thematisieren. Kann nicht sein das man sich wundert wenn Tag / Nacht-Rythmus schwierig ist, wenn man 1-2g! Koffein über den Tag verteilt zu sich nimmt.
    Genauso die ständige Beleuchtung durch Bildschirme, wird im verlinkten Beitrag auch kurz angesprochen.

    Dieser Beitrag bringt auf den Punkt was ich meine.

    http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19318-2015-09-17.html

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  3. Erstaunlich, dass das Thema noch nicht so recht in den Fokus gerückt ist. Ich halte es schon sehr lange für normal, dass die Schlafstörungen unmittelbar zu meinem Adhs gehören. Je mehr innere Unruhe… je mehr Orchester im Kopf, desto schlechter der, bzw. desto weniger Schlaf. „etwas“ wie ein Stirnband am Kopf kann ich mir allerdings nur schwerlich vorstellen… ich nahm zuletzt vor dem Schlafengehen noch mal eine geringe Menge Mph und konnte dann regulär mindestens vier Stunden schlafen und das sogar recht erholsam. Sogar die Zeit des Zubettgehens ließ sich damit einigermaßen steuern. Und vor allem keine bleierne Müdigkeit am nächsten Morgen, wie bei AD oder Schlaftablette

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  4. Ich bin früher viel gereist und habe im Krankenhaus gearbeitet, also Nachtarbeit oder auf Abruf mit jeweils mehreren Störungen in der Nacht. Aber ich kann mich erinnern, dass ich schon seit ich 10 Jhare alt bin 1:30 als bevorzugte Einschlafzeit hatte und 8 Uhr als bevorzugte früheste Aufstehzeit. Nach der Rückkehr von Reisen hat sich das jeweils schnell wieder eingepegelt. Aber die Tage, wo ich noch am Morgen von selber putzmunter war, waren wunderschön. Es hat seine Vorteile ein Abendmensch zu sein, aber dazu braucht es eine selbständige Tätigkeit. Oder man arbeitet konsequent Spätschicht. Ich persönlich denke nicht, dass man Menschen umpolen kann, aber etwas Entspannen mit Magnesium oder Alkohol (ich weiss, es geht lieber ohne) und vor allem keine spannenden Bücher lesen zum Einschlafen, sondern langweilige, sind durchaus mögliche Methoden. – By the way.. auch meine Nacht war ähnlich.. ich glaube ja nicht an den Mondstand, aber es war Vollmond.

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