Unordnung und Intelligenz

Zu langes Aufbleiben, Unordnung und Fluchen sind Zeichen von höherer Intelligenz

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit haben sich unsere Mütter geirrt.

Behauptet die Wissenschaft oder irgendwelche Statistiken, die Korrelationen herstellen. Was möglicherweise deine Mutter nicht überzeugt und dich nicht vor dem Aufräumen rettet, wenn du noch zu Hause wohnst…

Nun, vielleicht nicht in eurer Geschichte, aber wissenschaftlich gesehen haben sie recht. Könnte man zumindest meinen.

Als wir aufwuchsen, haben wir sicher alle die Erfahrung gemacht, dass von uns verlangt wurde, unser Zimmer aufzuräumen, dass wir angeschrien wurden, weil wir „Scheiße“ gemurmelt hatten, und dass wir um 21 Uhr ins Bett mussten.

Nun, ein paar neuere Studien haben ergeben, dass diese stundenlangen Vorlesungen und Predigten unserer Eltern ziemlicher Quatsch waren. (Oder vielleicht auch doch nicht, dazu kommen wir in einem weiteren Artikel zur Schlafdauer. )

Jüngste Studien haben gezeigt, dass Menschen, die viel fluchen, lange aufbleiben und unordentliche Schreibtische haben, tatsächlich intelligenter sind als die meisten anderen.

Was auch immer „Intelligenz“ ist bzw. wie man sie dann bestimmt oder bewertet….

Wer viel flucht kennt viele Schimpfwörter und andere Begriffe…

Eine Studie vom letzten Jahr ergab, dass Menschen, die fluchen, einen größeren Wortschatz haben als Menschen, die nicht fluchen, und dass sie selbstbewusster sind.

Ich würde ja eher sagen / schreiben, dass die innere Bremse (Response Inhibition) dann eben häufiger etwas locker ist bzw. nachjustiert werden sollte, was eher ein Zeichen für ADHS ist. Zumindest kann ich in Sachen Fluchen bei mir nun nicht von vermehrter Intelligenz ausgehen. Und das finde ich auch gut so.



Unordnung und Intelligenz hängen zusammen

Unordentliche Zimmer, die früher ein Zeichen für ein unordentliches und unproduktives Leben waren, können als Zeichen von Kreativität und damit auch von Intelligenz angesehen werden.

Ich zeige gerne in Vorträgen ein Foto vom Arbeitszimmer von Karl Lagerfeld (dann mit Katze) mit einem total chaotischen Schreibtisch. Wenn er nicht neurodivers war, weiss ich ja auch nicht. Auf jeden Fall war er total unordentlich und dennoch pedantisch. Und zudem hat er wohl mindestens eine Dyspraxie gehabt, d.h. eine Koordinationsproblematik, so dass er nicht Autofahren konnte / wollte. Er gehörte wohl mit ziemlicher Sicherheit zum „Club“ der neurodiversen Menschen.

Vor einigen Jahren fanden Forscher heraus, dass Menschen, die an einem unordentlichen Schreibtisch arbeiten, interessantere und kreativere Ideen haben und bereit sind, aus unkonventionellen Normen auszubrechen.

Was also für Lagerfeld sicher zutrifft, oder?

Wenn Ihnen also das nächste Mal jemand sagt, Sie sollen aufräumen, erinnern Sie ihn höflich daran, dass die eine Woche alte Tüte mit Süssigkeiten und das Durcheinander von Notizen auf Ihrem Schreibtisch für Ihr kreatives Gehirn notwendig ist.

Und wenn ich jetzt die Chaos-Bude von meinem Sohn sehe, muss ich es also mit ganz anderen Augen bewerten.

Leider hilft die Unordnung und Intelligenz nur überhaupt nicht, die Kreativität dann ins Handeln zu übertragen. Da wäre nämlich ein kahler, aufgeräumter Schreibtisch wesentlich besser….

Schlaf und Intelligenz

Schließlich haben wissenschaftliche Tests bewiesen, dass Nachteulen die Art von Intelligenz aufweisen, die zu prestigeträchtigen Berufsbezeichnungen und höheren Einkommen führt. Wenn Du also morgens nicht aus dem Bett kommst (also kein früher Vogel bist, der den Wurm fängt) sondern erst abends und in der Nacht produktiv wirst, dann ist das hier eben auch ein „Zeichen“ von Intelligenz.

Wenn deine Mutter also immer noch versucht, dich dafür zu tadeln, dass du einfach nur ein knallhartes, unflätiges, unordentliches Nachtschwärmer-Baby bist, dann ist es vielleicht an der Zeit, sie zurück in den Wissenschaftsunterricht zu schicken.

Sie hat dich ja schließlich großgezogen, worüber sollte sie sich also beschweren?


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3 Gedanken zu „Unordnung und Intelligenz

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  • 05.04.2022 um 21:30
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    Das ist wie Balsam für die Seele.
    Auch wenn sonst niemand das ganze so betrachtet und es den meisten Menschen ein Dorn im Auge ist, hilft es mit sich selbst fürsorglicher zu sein und respektvoller zu sein.
    Vielleicht schaffen wir es irgendwann mal dahin, dass wir auf LinkedIn oder Xing nicht „starke“ Posen einnehmen um uns zu präsentieren, sondern Bilder unserer Schreibtische einstellen. Ganz ohne Haut-/Haarfarbe, Geschlecht etc. ganz fokussiert auf der künstlerischen Darstellung unseres Innenlebens, dass durch den Arbeitstisch sich ausdrückt.
    Ich habe endlich beschlossen in meiner neuen Wohnung auf den Schreibtisch zu verzichten. Da ich mein ganzes Leben lang über Schränken, unter Tischen, auf dem Boden, Quer über der Couch, im Stehen, liegend auf dem Tisch…aber so gut wie nie AM Tisch gesessen habe…..Aber ich muss zugeben, ein aufgeräumter Tisch hat schon seinen eigenen Charm…

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