ADHS und Psychosen

Ein Durchbruch in der Behandlung von Psychosen?
Liebe Leserinnen und Leser, in der Welt der Psychiatrie zeichnet sich eine vielversprechende Wende ab. Eine aktuelle Studie könnte die Behandlungsansätze für Schizophrenie-Spektrum- und andere psychotische Störungen (SZSPD) revolutionieren. Und trägt vielleicht dazu bei, dass in den Psychiatrien bzw. psychiatrischen Praxen überhaupt an ADHS und Autismus bei Vorliegen von chronischen Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis bzw. bei Sucht und Psychose gedaht wird
Die Rolle von Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionsstörungen bei Psychosen
SZSPD ist mehr als nur eine psychotische Erkrankung. Viele Betroffene kämpfen täglich mit Aufmerksamkeitsdefiziten und Schwierigkeiten in der Planung und Ausführung von Aufgaben. Diese Herausforderungen erschweren nicht nur den Alltag, sondern auch den Genesungsprozess. Aber praktisch NIE wird bei Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie, schizoaffektiver Störung oder Sucht und Psychose an das Vorliegen von ADHS oder Autismus gedacht. Und an eine medikamentöse Therapie schon gar nicht.
Denn es hält sich das Vorurteil, dass diese Medikamente das Psychoserisiko erhöhen und damit für diese Patienten nicht in Frage kommen.
Neue Erkenntnisse über Psychostimulanzien bei Psychosen
Eine Studie im The British Journal of Psychiatry beleuchtet nun den Einsatz von Methylphenidat, Amphetaminen und Atomoxetin bei SZSPD-Patienten. Überraschenderweise zeigen die Ergebnisse, dass diese Medikamente in Kombination mit Antipsychotika sicherer sein könnten, als bisher angenommen. Ein Hoffnungsschimmer für viele Betroffene und ihre Angehörigen.
Praktische Auswirkungen für Betroffene und Ärzte
Diese neuen Erkenntnisse könnten den Weg für innovative Behandlungsstrategien ebnen. Ein umfassenderes Management von Komorbiditäten, die mit SZSPD einhergehen, steht damit im Fokus. Das bedeutet mehr Optionen und Hoffnung für Patienten und eine neue Herausforderung für Therapeuten und Ärzte.
Zukunftsperspektiven und Diskussion
Die Studie ist ein Meilenstein, der viele Fragen aufwirft. Wie werden diese Erkenntnisse die Behandlungspraxis verändern? Welche Auswirkungen haben sie auf das Leben der Betroffenen? Ihre Meinungen und Erfahrungen sind gefragt. Lassen Sie uns gemeinsam diskutieren und dieses wichtige Thema weiter in den Fokus rücken.
Für Menschen mit SZSPD können Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionsstörungen, unabhängig davon, ob sie mit ADHS zusammenhängen oder nicht, die tägliche Funktionsfähigkeit und die Genesung erheblich beeinträchtigen. Bei diesen Patienten, die angemessen mit Antipsychotika behandelt werden, scheint der Einsatz von Methylphenidat, Amphetaminen und Atomoxetin im realen Umfeld sicherer zu sein, als in der verfügbaren Literatur allgemein berichtet wird. Diese Erkenntnisse unterstützen ein proaktiveres und umfassenderes Management aller Komorbiditäten, die mit SZSPD verbunden sind.
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Hier der Link zur Studie für weitere Einblicke: Corbeil O, Brodeur S, Courteau J, et al. „Treatment with psychostimulants and atomoxetine in people with psychotic disorders: reassessing the risk of clinical deterioration in a real-world setting.“ The British Journal of Psychiatry, 2023:1-8. doi:10.1192/bjp.2023.149
Ich freue mich auf eine angeregte Debatte



Lieber Martin, der Zusammenhang drängt sich allein dadurch schon auf, dass fast alle Patienten der stationären Psychiatrie Kettenraucher sind (aber in der erwachsenen Durchschnittsbevölkerung nur 25 %). Nikotin ist unseren (ADHS-)Stimulanzien soweit ich weiß sehr ähnlich. Die Antipsychotika, Antidepressiva, Phasenprophylaktika und so weiter wirken zwar wohl effektiv, geben den Menschen mit Psychose aber nicht alles, wonach ihr Gehirn verlangt. Ich glaube, du hast diesen Zusammenhang in deinen Beiträgen früher schon mal thematisiert.
Da könnte eine Stimulanzienbehandlung vielleicht Abhilfe schaffen. Nicht nur, um den Betroffenen eine Alternative zum Tabak zu bieten (was ja für sich schon positiv wäre, wenn man bedenkt wie tödlich Tabak ist ), sondern auch um ihnen ein besseres Gesamtpaket der Behandlung ihrer Krankheit zu geben. Und sie zusätzlich in ihrem Leben selbstwirksamer zu machen.