Positive Energie bei ADHS statt Vorwürfe

Gerade twittert Hallowell: „For #ADHD, do both–develop talent and address shortcomings–but in an atmosphere that is free of shame and full of positive energy“.

Wie wahr!
Natürlich werden fast alle Kinderpsychotherapeuten, Ergotherapeuten und andere menschliche ADHS-Experten dies beherzigen. Aber wie schnell ist man dabei, eben wieder einmal die Kids oder Erwachsenen bei einem „Fehler“ zu erwischen, statt ihre Anstrengung oder Entwicklung hin zum Ziel im richtigen Moment zu sehen und in den allerhöchsten Tönen zu loben.

Beim Autofahren habe ich einen kurzen Beitrag über Gedächtnistechniken gehört. Klar, Dinge merkt man sich über innere Bilder und die damit zusammenhängenden Gefühle. Leider ist es so, dass bei ADHSlern zwar unglaubliche Fähigkeiten bestehen und viele ADHSler in Bildern fühlen. Aber leider verknüpfen sich damit eben gerade Scham und Selbstvorwürfe, statt ein Gefühl von Einzigartigkeit, toller Energie oder dem Gefühl, etwas ganz Besonderes erlebt oder getan zu haben.

Ich könnte etliche Psychiater und Jugendamtsmitarbeiter auf den Mars jagen, die dann den Müttern und Vätern im Beisein ihrer Sprösslinge auch noch Vorwürfe machen. Die glauben, eine Anamnese müsste die Auflistung von Fehlern und Schwächen sein, die sich dann Sohnemann oder Töchterlein auch nochmal anhören müssen. Die immer noch glauben, dass nun eine Beziehungsstörung oder Bindungsstörung ADHS erklären muss und damit jede emotionale Regung und Äußerung im Sinne dieser völlig abstrusen Annahme werten. Klar, wenn sich da das Kind innerlich verweigert und sofort statt positiver Energie eine Abwehrhaltung entwickelt. Nun darf man Psychiater und Psychologen nicht ohne Folge beschimpfen oder gar beissen. Verdient hätten es einige schon. Aber ich erlebe es immer häufiger, wie resigniert Eltern und Kinder (bzw. später dann im Erwachsenenalter) sind, weil ihnen in der Therapie bzw. Kinderpsychiatrien einfach Unrecht und Demütigung geschieht. Weil ihnen dann eben Hilfe verweigert wird und durch Kaltherzigkeit und das Beharren auf eigene Sichtweisen ersetzt wird.

Ich bin kein Psychiatrie-Gegner. Aber im Bereich der ADHS-Therapie bzw. bei Anorexie-Patientinnen mit Fixierung und Magensonde, Kontaktverboten und Beschimpfungen von Kindern und Eltern zu arbeiten und dann noch mit dem Entzug des Sorgerechts zu drohen? Das sind keine Einzelfälle …

Wann werden die Selbsthilfeverbände, das Zentrale ADHS-Kompetenznetz und auch die Fachverbände etwas gegen die skandalösen Zustände in einigen Bereichen der ADHS-Versorgung machen, damit eben nicht diese Vorwüfe sich in die „Seelen der Kinder einbrennen“ ? Vielleicht etwas blöd ausgedrückt. Aber genauso erlebe ich es zunehmend. Meine erwachsenen Patienten haben lebenslange Brandnarben durch diese negativen Erlebnisse.

Sie bräuchten das Gegenteil. Sie bräuchten „nette“ Therapeuten, warmherzige und unterstützende Jugendämter und Lehrer, die eben besonders nett und hilfsbereit sind. Je anstrengender ein ADHS-Kind ist, desto netter muss man zu ihm sein. Desto stärker gilt es die Talente zu suchen und zu finden.

Wenn man das nicht schafft, hat man ein simples Problem: Man ist für diesen Bereich ungeeignet und sollte den Beruf wechseln.

Ein Gedanke zu „Positive Energie bei ADHS statt Vorwürfe

  • 15.10.2011 um 12:49
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    Dem kann ich nur zustimmen! Positive Energie für solche Kinder, solche Patienten und sie dort „abholen“, wo sie sind. Liebevolle Atmosphäre und Verständnis sind soo wichtig!!

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