ADHS und Bildschirmmedien (Teil 13)

Schwachpunkt Belohnungssystem
Ich kann mich natürlich nicht mehr an den genauen Ablauf des Gespräches mit den Eltern von Jan und Eric erinnern, habe ihnen aber im Verlauf auch etwas über das so genannte Belohnungssystem berichtet. Gemeint ist damit ein neuronales Netzwerk im Gehirn des Menschen, welches unter anderem dafür sorgt, dass wir, wenn es sein muss, auch unangenehme Dinge erledigen können.

Beispiel: Bei intaktem Belohnungssystem können Kinder auch dann Hausaufgaben machen, wenn sie keine grosse Lust dazu haben. Die Aussicht auf das gute Gefühl, welches sich nach dem Erledigen der Hausaufgaben einstellen kann, etwa das Nach-draussen-gehen und Fussball spielen, reicht im Normalfall aus, dass Kinder auch bei mässiger Motivation etwas Ungeliebtes durchziehen können.

Aus der ADHS-Forschung weiss man, dass das Belohnungs- und Motivationssystem bei ADHS-Betroffenen nicht korrekt funktioniert. Auch Eltern können ein Lied darauf singen: Eine Aussicht auf eine zukünftige Belohnung hilft diesen Kindern in keiner Weise, an etwas subjektiv Unangenehmen länger dranzubleiben. Selbst die verlockendsten Versprechungen nützen nichts oder sind nur von minimaler Wirkungsdauer.

Die neuronalen Netzwerke, welche das Belohnungssystem, die Motivation und die Aufmerksamkeitsfunktionen aktivieren, sind bei ADHS-Betroffenen im Ruhemodus zu wenig aktiviert. Folge ist unter anderem, dass ihre Sortierstation „Wichtig-unwichtig“ nicht genügend mit neuronaler Energie versorgt wird, was darauf hinausläuft, dass die Kinder unwichtige Reize nicht ausblenden können und zu viel aufnehmen. Sie sind dann inneren und äusseren Eindrücken ausgeliefert und nicht in der Lage, Ablenkungen zu widerstehen.

Wer Kinder mit einer ADHS kennt, weiss bestens um all die negativen Folgen dieser syndromtypischen Reizfilterschwäche.

Man geht heute davon aus, dass diese Schwächen im Belohnungssystem unter anderem mit dem bei Kindern mit einer ADHS reduzierten Dopaminstoffwechsel in Zusammenhang stehen. Dies erklärt, warum bei Kindern mit einer ADHS Belohnungen immer nur sehr kurzfristig wirken und warum diese Kinder, wenn sie intensiv stimuliert sind, für eine kurze Zeit in ihrem Verhalten völlig normal erscheinen. Erst dann, wenn „etwas geht“, wenn es interessant und spannend wird, scheint es mit dem Dopamin-Stoffwechsel einigermassen zu stimmen: Dann sind diese Kinder bei der Sache und zeigen (leider nur befristet) Ausdauer.

Herr Hoffmann sagte daraufhin spontan: „Das ist ja wie bei einer Sucht!“ …

Fortsetzung: Morgen 20:00, gleicher Kanal.

Übersicht über alle Beiträge zum Thema: „ADHS & Bildschirmmedienkonsum“

Ein Gedanke zu „ADHS und Bildschirmmedien (Teil 13)

  • 13.01.2012 um 22:37
    Permalink

    Wie ist das, wenn ein ADSler etwas sagt/ausspricht? Z.B.: Ich kann Englisch.
    Ev. kann er das noch nicht so gut. Aber weil er das ausgesprochen hat, wird es zu einem Zwang. Er muss sich und anderen das jetzt beweisen.
    Und er beginnt Englisch oder was anderes zu lernen/tun/machen…

    Kann man einen ADSler in dieser Hinsicht zum lernen motivieren? Er lehnt ja Lügen ab. Möchte zu dem stehen können was er sagt.

    Antwort

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: