Spiel mit mir

Gestern war ich mit meinen Kindern in einem Spielland. Sowas hat es „zu meinen Zeiten“ noch nicht gegeben. Eine umgebaute Tennishalle mit allen möglichen „Spielattraktionen“. Schön und gut. Die Kinder hatten ihren Spass und ich hatte Zeit zum Nachdenken.

Dabei habe ich in dem Buch „Shine“ von Ed Hallowell gelesen, das sich eigentlich an Manager wendet und die Frage aufgreift, was nun Erfolg für Unternehmen bzw. im Bereich Mitarbeiterführung ausmacht.

Neben anderen Aspekten geht es dabei um das Spielen. Natürlich nicht um Video- oder Computerspiele. Sondern um das Einsetzen der eigenen Vorstellungskraft (Imagination). Und da musste ich dran denken, wie kreativ und phantasievoll viele ADHS-Kids doch sind (oder waren?). Aber wie sehr eben auch diese Phantasie entweder durch vorgefertigte Bilder in Videospielen quasi abtrainiert wird oder aber eben durch die Konsumangebote gar nicht mehr trainiert wird.
Stark vereinfacht ausgedrückt : Wer kreativ beim Spielen und in seiner Vorstellung ist, ist ein guter Mitarbeiter.

Eigentlich schreiben wohl alle Eltern ihrer Generation, dass es früher doch „besser gewesen“ sein muss. Ich erinnere mich daran, wie ich mit Freunden im Wald aus Moos ganze Städte gebaut habe oder wir eben unsere eigenen Phantasiegeschichten gespielt haben. Ein Freund von mir hat schon in der Vorschule eine Geschichte mit Gnomen und Zwergen geschrieben, die aus meiner Sicht mit herkömmlichen Kindergeschichten mehr als mithalten konnte. Was uns damals anregte, selber Geschichten zu schreiben.
Und doch waren bei mir beispielsweise Karl May oder ähnliche Autoren nicht so angesagt, wie vielleicht noch 20 Jahre davor. Und wir hatten halt schon weit mehr Zeit vor der Glotze verbracht…
Immerhin bedeutete Spielen häufig noch, dass man Erfahrungen in „Echtzeit“ machen konnte. Kaulquappen beobachten. In einem Bach spielen. Die Zeit im Wald vergessen …

Anders ausgedrückt: Verlernen wir bzw. unsere Kinder das Spielen? Oder idealisiere ich nur?

Spielen wir eigentlich überhaupt noch (mit unseren Kindern)? Für heute sind bei uns Gesellschaftsspiele und mal nicht Wii oder Nintendo DS angesagt. Aber wie ist das sonst?

ADHS-Kinder haben das Problem, das sie häufig nicht lange Spielkameraden haben. Sie haben vielleicht die Phantasie und die Kreativität. Aber sie können das Spielen in Gemeinschaft nicht üben. Umgang mit Frustration (z.B. bei Mensch-ärgere-Dich-nicht) oder das Aufbauen und Halten von innerer Spannung und Ausdauer kann man prima im Spiel üben.

Unsere Gesellschaft verändert sich auch dahingehend, dass Familienstrukturen eben nicht mehr so sind, dass man miteinander spielt. Schade eigentlich.

Ein Gedanke zu „Spiel mit mir

  • 15.01.2012 um 22:08
    Permalink

    Ich erinnere mich an einen positiven Tag in meiner Kindheit. Meine Mutter (Einzelkind) hatte wenige Freunde, vor allem aber 2 deutsche Freundinnen und bei denen war das gemeinsam Spielen noch üblich.
    Wir haben also alle 3 Familien zusammen Schnitzeljagd gespielt.

    Das habe ich in bester Erinnerung. Aber… bin gerade mal wieder 2 Tage gewandert.. wo sieht man noch Spuren von Schnitzeljagden im Wald? Natürlich nicht die Haufen von zerschnittenen Zeitungen, sondern die Sägemehlspuren, die niemandem wehtun?

    Gut, ich gebe zu, dass ich selber das als Mutter auch nur 2-3 mal gespielt habe. *seufz

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