ADHS, Poker und der „Matusow Meltdown“

Eines meiner derzeitigen Sonderinteressen ist Poker. Ich spiele nicht um Geld, ich spiele schlecht, aber gerne. Aber nur um virtuelle Punkte. Echte Pokerfreunde würden also sagen : Gar nicht. Mir fehlt ein bildliches Gedächtnis bzw. auch schlicht Wissen und Können. Und ich habe einen riesigen Respekt davor, dass ich online-süchtig werden könnte.

Nun habe ich bei der Suche zu ADHS und Poker (meinem derzeitigen Hyperfokus) den Profi Mike Matusow gefunden. Der immerhin sich als ADHD, Bipolar und Suchtkrank outete und ein Buch darüber geschrieben hat. Matusow „The Mouth“ ist einer der besten Poker-Spieler der Welt gewesen, was sich einerseits in seinem Preisgeld bzw. dem Gewinn wirklich „wichtiger“ Profi-Tourniere zeigte. Und er gewinnt immer noch. Nun sind seine Trotzanfälle, aber auch seine Casino-Sucht für Video-Spielautomaten schon bekannt. Er hat weit über 5 Millionen Dollar an Preisgeld gewonnen, sicher online nochmal soviel. Dennoch ist er wohl chronisch pleite. Um es mal freundlich auszudrücken, ist er ein süchtiger „Idiot“. Von dieser Art ADHSler kenne ich leider einige (meistens weit weniger finanziell erfolgreich).

Zu Matusow hört man die verrücktesten Sachen. So soll er 2 Millionen Dollar verloren (aber nicht bezahlt) haben, als er mit einem anderen Spieler wettete, ob dieser innerhalb von wenigen Monaten eine grössere Menge Kilo (Gewicht) abnehmen könnte. Und legendär sind seine „Matusow Meltdowns“. Also sowas wie eine „Kernschmelze“ bzw. Nervenzusammenbruch, wenn es nicht läuft. Dann zerstört er buchstäblich die Dinge (in seinem Spiel, in seinem Leben), die er zuvor über Tage, Wochen und Monate aufgebaut hat. Er ist auf „Tilt“, d.h. sein Verstand setzt aus. In seinem Blog kann man dann lesen, wie er sich daran erinnert und ausschliesslich den Anderen die Schuld für SEIN Versagen gibt. Weil er nicht „Aussteigen“ kann. Nicht wieder auf einen Normalzustand kommen kann, der für das Pokern aber erforderlich ist. So toll der „Flow“, so gefährlich der „Meltdown“.

Dieses Weitermachen im Tilt-Zustand, d.h. die Kernschmelze in einem emotionalen Ausnahmezustand halte ich für extrem gefährlich bei ADHS. Gerade wenn man keinen Partner hat, der aufpasst und „den Stecker zieht“, ist das eine hochriskante Sache.

Matusow sollte sich aus Casinos fernhalten und seinen PC oder Mac verkaufen. Was er natürlich nicht machen wird. Aber er müsste sich wieder in Behandlung begeben bzw. sich von guten Freunden und Ärzten sagen lassen, dass man so nicht leben und pokern kann. Und dass das Leben kein Pokerspiel ist.

2 Gedanken zu „ADHS, Poker und der „Matusow Meltdown“

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