ADHS, Ritalin und der Bluthochdruck

Wenn man bei mir heute Blutdruck gemessen hätte, hätte man wohl eine kurzzeitige Blutdruckspitze registriert. Nicht, weil ich Methylphenidat oder Amphetamin nehme. Sondern weil mal wieder die Presse bzw. ein Arzt die Angst vor Methylphenidat instrumentalisiert. Um auf sich bzw. ein anderes Problem = Bluthochdruck bei Kindern aufmerksam zu machen. Was ja an sich o.K. ist.

Da möchte ein Kinderkardiologe sagen, dass bisher das Thema Bluthochdruck bei Kindern zu wenig untersucht und bekannt ist. Das wäre nun keine Nachricht wert, speziell wenn man noch hört: So richtig untersucht haben wir eigentlich jahrelang nicht, was denn nun normaler Blutdruck bei Kindern eigentlich ist. Sorry, da haben wir wohl ein wenig in den letzten Jahren gepennt als Kinderkardiologen an den Unis wie Göttingen.

„Sexy“ im Sinne der Presse wird es, wenn man behauptet : „Ritalin gefährdet Patienten“. Das liest man dann auf Fokus-online und natürlich dann in zahlreichen weiteren Nachrichten und Blogs. Ich verlinke mal nicht.

Erhöht Methylphenidat denn Blutdruck? Ja, tut es. Um 5 bis maximal 10 mm Hg. Kurzzeitig, d.h. in aller Regel in der Einstellungsphase. Dann normalisiert sich das wieder.

Der Experte für Kinderkardiologie behauptet nun, dass die „Gefahr unterschätzt“ wird. Und eben die Kids in Einzelfällen Blutdruckprobleme bekommen würden.

Das ist zwar keinesfalls belegt, aber eine Behauptung, die man erstmal gegenüber seinen Nachbarn, der Familie oder guten und bösen Freunden widerlegen müsste.

Richtig ist ja, dass in den Kontrolluntersuchungen auch die Kontrolle von Puls und Blutdruck sowie Körpergrösse / Gewicht dazu gehören. Was ich auch richtig finde. Aber auch nicht neu ist.

Gerade aber weil die Kids mit ADHS unter der Medikation in ärztlicher Kontrolle sind, wird doch ein kindlicher Bluthochdruck weit wahrscheinlicher erkannt, als bei den „Stinos“ ohne ADHS.

Normotypische Kinder werden auch Bluthochdruck bekommen. Nicht umsonst spricht man auch von idiopathischer oder essentieller Hypertonie. Wir Ärzte haben im Prinzip keinen blassen Schimmer, warum so viele Menschen einen Bluthochdruck entwickeln. Die meisten Fälle mit Bluthochdruck kann man eben ursächlich nicht klären. Daher eben „idiopathisch“ = häufig, Ursache aber unbekannt. Methylphenidat wird einen nun wirklich so verschwindend geringen Anteil daran haben, dass sich Bluthochdruck oder Arteriosklerose bzw. Risiken ereignen. Meistens passiert es schlicht ohne erkennbaren Grund. Aus Veranlagung. Vererbt. Oder aus sonstigen Gründen….

Steht das in den Artikeln ? Nö, natürlich nicht.

Wird genauer differenziert, dass Strattera (Atomoxetin) NICHT Methylphenidat ist ? Nein, natürlich nicht. Für Strattera wurden die Kontrollempfehlungen ja gerade aktualisiert….

Aber in der Öffentlichkeit werden mal wieder Angst und Vorurteile geschürt.

Es ist einfach ärgerlich Herr Prof. Martin Hulpke-Wette ! Es wird auch nicht besser, wenn dann das Fazit ist : „Generell ist ja nichts gegen die Medikamentengabe bei ADHS einzuwenden“.

3 Gedanken zu „ADHS, Ritalin und der Bluthochdruck

  • Pingback: MPH und die Blutdruckwerte ADHS Erwachsenen Forum

  • 30.01.2012 um 19:19
    Permalink

    Ganz herzlichen Dank für diesen Blog-Artikel! Das Schlimme ist ja, dass auch Ärzte diverser Fachrichtungen ihre Kollegen mit diesen Schwammigkeiten zitieren. Wodurch sie scheinbar an Gewicht gewinnen.

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  • 30.01.2012 um 19:15
    Permalink

    Darf ich präzisieren?
    Gewisse ADSler bekommen untypischerweise einen tieferen Blutdruck unter Ritalin. Bei mir macht das fast 10 … aus. Und das ist gut so, denn sonst wäre ich bez. Blutdruck grenzwertig.

    Antwort

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