Kein Rezept: Kassenmedizin beim Kinderarzt

Heute wollte bzw. musste ich nach getaner Arbeit in der Klinik ein Rezept für Logopädie von der Kinderärztin Frau U.P. aus meinem Arbeitsort abholen. Soweit, so gut. Mein kleinerer Sohn ist im Heilpädagogischen Kindergarten und steht vor der Einschulung. Die Entwicklungsverzögerung und Bedarf für Logopädie wurde gerade erst im Juli beim Kinderneurologen und aktuell bei der Schuluntersuchung bzw. Begutachtung für Sonderpädagogischen Förderbedarf nochmal bestätigt und sogar eigentlich eine Kur zusätzlich empfohlen.

Seit 17.20 ist mein Blutdruck nahe an der Maximalbelastungsgrenze. Ich fahre da eh schon ungern hin, weil sie auch Ergotherapie nicht verordnen will. Nun gut. Ich bin auch kein Freund von Dauerverordnungen. Aber im Heilpädagogischen Kindergarten wird eben so ohne Rezept auch keine Ergo angeboten. Und bei seiner Dyspraxie bzw. motorischen und sensorischen Entwicklungsstörunge wäre zumindest 1 Rezept (in Worten EINS) durch eine Kinderärztin kein Luxus. Dachte ich. Sie sieht es anders.

Nun zickt sie auch bei der Logopädie. Mein Sohn ist gerade 7 und weist erhebliche Sprachentwicklungsstörungen auf. Aber da er jetzt 50 Termine hatte, hält sie eine Pause bis April bzw. eine Überprüfung bei ihr am 14.4. für erforderlich. Mein Puls und Blutdruck war hart an der Maximalbelastungsgrenze. Unser Sohn soll im September eingeschult werden, da ist jeder Logopädietermin für uns bzw. ihn wichtig.

Kann ein Arzt eigentlich nachempfinden, wie man sich als Eltern fühlt wenn man um ein Rezept betteln muss? Ich habe im Vorfeld erfahren, dass eben keine Regressforderungen gegen sie gestellt werden bzw. die Kasse (Barmer) auch bei mehr Verordnungen (über 60) keine Probleme macht, wenn dies vom Logopäden begründet ist. Aber ich werde von Sprechstundengehilfinnen abgewimmelt. Ich verlange ja keine Extrabehandlung, weil ich selber Arzt bin. Aber ich verlange, dass ich bzw. mein Sohn anständig behandelt wird.

Wir sind dann zu unserem Hausarzt gefahren und dort von einer neuen Kollegin noch heute beraten worden. Sicher half es, dass sie bei der Kollegin P. mit ihrem Kind ganz ähnliche Erfahrungen machen musste. Wir haben also ein Logopädie- und ein Ergotherapierezept.

Aber mein Blutdruck sinkt nur langsam. Ich bin einfach traurig, so von Ärzten behandelt zu werden. Ich möchte es mir nicht gefallen lassen müssen, so abgefertigt zu werden. So um Versorgung und Hilfe flehen zu müssen und immer wieder zu hören, dass das „Budget“ ausgeschöpft sei. Was in diesem Fall definitiv nicht stimmt. Wenn eine Kinderärztin sich mit kranken Kindern nicht beschäftigen will, so sollte sie es an die Praxistür schreiben. Noch besser: ihre Kassenzulassung zurückgeben.

Wenn man immer wieder von Förderung von Kindern mit ADHS bzw. Teilleistungs- und Wahrnehmungsstörungen spricht, so sollte man sich auch mal mit der Versorgungsrealität beschäftigen.

Ich werde mich bei der Kassenärztlichen Vereinigung beschweren. Vermutlich wird sich da wenig tun. Weil eben die Eltern mit den Füssen abstimmen und zu einer anderen Kinderärztin wechseln (bis dann da die Praxis überfüllt ist). Frau P. wird also ihr Ziel erreichen, dass sie nur noch „gesunde“ Patienten behandelt.

Fürchterlich. Und dafür zahle ich noch Krankenkassenbeitrag für meinen Sohn als freiwillig Versicherter.

6 Gedanken zu „Kein Rezept: Kassenmedizin beim Kinderarzt

  • 10.01.2017 um 07:56
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    Das finde ich echt unangebracht, aber von solchen Erfahrungen haben mir meine Patienten auch schon berichtet…

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  • 17.04.2012 um 15:53
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    Willkommen in unserem „heilen“ Gesundheitssystem!

    Ich habe mit meinem Sohn (10, ADHS) Ähnliches erlebt: mit 4 Jahren (2006) bekamen wir ohne Zögern und Betteln 2 Rezepte für Ergotherapie zur Verbesserung seiner fein-und graphomotorischen Schwierigkeiten (die Erzieherin erkannte diese übrigens nicht, obwohl der Bube mit 4 Jahren nicht mal ein Strichmännchen zeichnen konnte, sondern wie ein 3jähríger kritzelte).Die Ergotherapie wirkte sehr gut, aber nach der Einschulung fiel den Lehrerinnen (1. und 2.Klasse) die vekrampfte Stifthaltung und die schlechte Schrift auf.Beide empfahlen eine erneute Ergotherapie, jedesmal weigerte die Kinderärztin das Rezept.Grund: mit einer einzigen Ergotherapiesitzung (35 €) wäre das Quartalbudget (33 €) bereits erschöpft geworden.Dies gab sie erst nach gezieltem Nachfragen zu.Leider erfuhr ich viel zu spät, daß das örtliche SPZ uns ein Rezept ohne Zögern gegeben hätte.Jetzt ist unser Sohn 10 und hat eine schwer leserliche Schrift.

    Diese Sparmaßnahmen auf Kosten behandlungsbedüfrtiger Kinder, die ohne die richtige Behandlung womöglich ein Leben lang an ihren Entwicklungsverzögerungen leiden werden, ist ein SKANDAL!!!

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  • 13.03.2012 um 08:50
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    ….das Beleidigt-sein gehört zu den hervorstechendsten Eigenschaften der ADSler…
    😉

    Aber, um ehrlich zu sein, sie haben natürlich auch allen Grund dazu.

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  • 12.03.2012 um 22:17
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    Es gibt ja auch die Möglichkeit, online Bewertungen abzugeben.

    http://www.portal-der-kinder.de/kinderarztsuche/bad-bevensen-13875.html

    http://www.jameda.de/bad-bevensen/aerzte/kinderaerzte/bewertungen/

    Eigentlich finde ich das blöd – aber manchmal ist es vielleicht eine heilsame Rückmeldung?

    Ein Hohn ist das Verhalten der Ärztin besonders auch deshalb, weil von Krethi und Plethi auf Eltern öffentlich rumgehackt wird, die ihren Kindern angeblich unkritisch Medikamente geben und ihnen andere unterstützenderTherapien vorenthalten 🙁

    Da kann einen schon mal die kalte Wut packen!

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  • 12.03.2012 um 20:30
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    Willkommen in der Realität :(.

    Du kannst Dir helfen, bzw. weißt wo und wie du trotzdem bekommst, was Dein Kind braucht. Wir haben bisher auch immer bekommen was die Kinder brauchten. Ich war und bin da auch sehr hartnäckig.

    Aber was gibt es Eltern, die sich da leider nicht helfen können, dem total hilflos gegenüber stehen :(.

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