Methylphenidat Hirndoping zum Sommerloch

So wie jeden Sommer ein Krokodil in irgendeinem Badesee untertaucht, so halten sich auch für das Sommerloch urbane Legenden. Hirndoping bzw. Neuroenhancement ist da ein Beispiel.

Hundertausende Studenten dopen sich mit Methylphenidat wird durch suggestive Überschriften behauptet. Was aber erstens nicht stimmt und zweitens den Studenten von heute viel zu umständlich wäre.

So dumm sind die Studenten nämlich nicht, dass sie nicht wüssten, dass Pillen nicht schlauer machen und die verfügbaren Substanzen meistens allenfalls als Wachmacher einzusetzen sind. Dafür hat man früher Kaffee, später dann Red Bull verwendet. Oder schlicht das Licht angelassen und die Nacht durchgelernt.

Nun ja. Aber entgegen den immer wieder aufgebrühten Behauptungen zeigen sich dann in ernsteren Erhebungen, wie hier in der Ärzte Zeitung eben, dass viel heisse Sommerluft um nichts gemacht wird bzw. schlicht gelogen wird:

Illegale Drogen wie Amphetamine oder Ecstasy wurden nur von einem halben Prozent konsumiert, Betablocker von 0,1 Prozent, Methylphenidat überhaupt nicht.

Dafür dann eher Antidepressiva bzw. Johanniskraut. Übrigens scheinen eher „Vielarbeiter“ zu Neuroenhancement zu greifen. Also Leute, die mehr als 40 h in der Woche schaffen und sich damit dann in einen mehr oder weniger selbstverschuldeteten Burnout treiben.

Die meisten ADHSler stehen eigentlich nicht in Verdacht der Arbeitssucht zu stehen.

Um klar zu bleiben: Ich bin gegen Neuroenhancement und Doping jeglicher Art. Aber ich bin noch mehr gegen Volksverdummung im Sommerloch durch miese Journalisten.

Ein Gedanke zu „Methylphenidat Hirndoping zum Sommerloch

  • 31.01.2013 um 12:08
    Permalink

    Vielen Dank für Ihren Beitrag.

    Beim Lesen von Kommentaren in der Zeit Online bin ich aus folgenden Beitrag gestoßen: Anscheinend hat eine Studie mit bilgebenden Verfahren von Claus Normann (Uniklinik Freiburg) bestätigt, dass Methylphenidat auch bei „Gesunden“ eine konzentrationsfördernde Wirkung auf den Gehirnstoffwechsel hat. Das ganze ist in folgendem Artikel beschrieben. http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/krankheitenstoerungen/adhs/tid-25981/leistungssteigerung-hirndoping-mit-ritalin_aid_673195.html

    Bisher hatte ich es so verstanden, dass Methylphenidat eigentlich nur konzentrationsfördernd bzw. ‚Gedanken-klärend‘ bei Menschen mit einer ADHS Gerhirnstoffwechsel-Störung wirkt und dass diese Wirkung immer noch eine von vielen anderen Indizien ist, die die Diagnose bestätigen. Bedeuten die Ergebnisse von Dr. Normann nun, dass allein von der Wirkung des Methylphenidats ADHS und nicht ADHS-Gehirne nicht wirklich zu Unterscheiden sind?

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