Emotionswissen und Exekutivfunktionen bei ADHS-Kindern

Manchmal kommt man erst über einen englischsprachigen Artikel auf direkte Forschung in der eigenen Heimatregion. Ich bin ja mehr oder weniger Lüneburger bzw. habe selber an der damaligen FH (jetzt Uni) Leuphana gearbeitet.

Da interessiert mich natürlich besonders, was dort so in Hinblick auf ADHS zu erfahren ist. Eine sehr interessante Studie von Prof. Salisch untersuchte nun im Schnitt 5 jährige Knirpse und Prinzessinnen aus der Region in Hinblick auf ihre emotionalen Fähigkeiten.

Als Emotionswissen bzw. – verständnis wird dabei die Fähigkeit verstanden, eigene Gefühle wahrzunehmen, auf Gefühle von anderen Kindern und Erwachsenen reagieren zu können und daraus eine selbstwirksame Reaktion im eigenen Verhalten zu entwickeln.

Erfahrenen ADHS-Eltern wird schnell klar, dass hier ein rieisiges Problem für Kids und Erwachsene mit ADHS-Konstitution liegt. Ich selber sehe zwar die emotionale Selbstregulation bzw. -wahrnehmung durchaus auch als eine der Exekutivfunktionen. Salisch und ihren Mitarbeitern ging es jetzt aber darum herauszuarbeiten, dass nicht allein die höheren Handlungsfunktionen, sondern speziell auch Entwicklungsverzögerungen und Probleme in der Emotionswahrnehmung und -steuerung zu den syndromtypischen Beeinträchtigungen bei ADHS führen.

Damit würde sie bei mir scheunengrosse Türen und Tore einrennen.

„Kinder mit beschränktem Emotionswissen erscheinen hingegen oft abgelenkt. Ihre Aufmerksamkeit wird davon in Anspruch genommen, sich ihre eigenen verwirrenden Gefühlszustände oder die negativen Emotionen ihrer Mitmenschen zu erklären und ihre eigenen daraus entstehenden Emotionen zu regulieren“
so Prof. Salisch. Und natürlich fällt es ihnen dann sehr schwer, sich sozial akzeptabel zu verhalten und die Auswirkungen ihres Verhaltens auf Andere vorher zu sagen.Das stimmt definitiv aus meiner Sicht. Ich bin mir nur nicht so ganz sicher, ob es wirklich eine Frage des „Wissens“ ist. Ich glaube eher, dass es eine Entwicklungsverzögerung der Emotionsregulation bzw. -wahrnehmung ist.
EF entwickeln sich im Vorschulalter in schnellem Tempo und umfassen – unter anderem – die willentliche Steuerung der Aufmerksamkeit, das Arbeitsgedächtnis und Fähigkeiten zur Unterdrückung kognitiver und motorischer Impulse, auch Interferenzkontrolle genannt. Mit unserer Studie haben wir nun nachweisen können, dass neben den EF eben auch das Emotionswissen ein entscheidender erklärender Faktor für die Entstehung von Aufmerksamkeitsproblemen ist. Das Emotionswissen sollte daher in künftigen Studien viel stärker als bisher in den Fokus rücken.
Hier die von mir zusammengefasste Pressemitteilung der Studie

 

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