Depression und Gereiztheit bei Zurückweisung und Kritik (Rejection Sensitive Dysphoria RSD)

Nein, dies ist keine neue psychiatrische Störung. Eher im Gegenteil: Der Autor des englischsprachigen Artikels hat sich eher mit älteren Beiträgen zur Psychiatrie der Atypischen Depression beschäftigt. Und hat sich dann mit der sog. Rejection Sensitive Dysphoria (RSD) beschäftigt.

Die gereizte Stimmung bzw. eine Art innere Anspannung bis hin zur „Bissigkeit“ und ständigen verbalen Aggressivität im Sinne einer Vorwärtsverteidigung ist ein häufiges Phänomen bei unbehandelten ADHSlern. Dahinter steht das Erleben von wiederholter Kritik bzw. Unverständnis für die eigene Problematik. Und letztlich auch die Angst vor einer erneuten Ausgrenzung bzw. Zurückweisung verbunden mit dem ständigen Gefühl, „anders als die Anderen“ zu sein.

Dabei reagieren die Betroffenen dann mit „dünner Haut“, d.h. extremer bzw. früher und heftiger auf solche Situationen, in denen sie sich erneut kritisiert oder ausgegrenzt fühlen.

Auch gegenüber Therapeuten ist es ja so, dass der erste Eindruck häufig entscheidet. Ein Blick, ein Tonfall bzw. eine andere Kleinigkeit reicht schon und es kommt eben keine therapeutische Beziehung in Gang. Häufig, weil eben Altlasten bewusst oder meist unbewusst dazu führen, dass man sich erneut kritisiert oder ausgegrenzt fühlt.

Ich glaube nicht, dass man es nun als eigenes Syndrom sehen muss. Aber es ist doch ein wesentliches Merkmal von ADHSlern, dass sie eben von der Stimmung bzw. einer positiven Grundhaltung des Gegenübers profitieren oder aber im Gegenteil dann gefühlsmässig einen Absturz mit einer depressiven Verstimmung / Dysphorie haben.

Irgendwann führt es dann dazu, dass man fast allen sozialen Kontakten aus dem Weg geht. Und natürlich auch dem therapeutischen System nicht mehr traut. Was einerseits verständlich sein mag. Andererseits hilft diese Igelhaltung bzw. die egozentrische Wahrnehmung von Kritik, Ausgrenzung und Zurückweisung eben auch nicht weiter.

Hier muss man mutig über den eigenen Schatten springen und sich eben doch einmal mehr auf eine neue Erfahrung einlassen. Aber eben hoffentlich bei Therapeutinnen und Therapeuten, die genau diese Problematik verstehen.

10 Gedanken zu “Depression und Gereiztheit bei Zurückweisung und Kritik (Rejection Sensitive Dysphoria RSD)

  1. Ich finde diesen Artikel gut, weil ich mich selber dort gut wiederfinde. Ich weiss zum Beispiel dass ich mit dem Arzt der ADHS- Ambulanz in Bochum nicht gut klar komme. Das sind mitunter sehr feine Details die einen aufhorchen lassen. Ich habe es auch erlebt dass ein psychoanalytisch orientierter Therapeut bei mir ADS ausschloss. Das ist wie im Artikel erwähnt nicht nur im therapeutischen Verhältnis so, dass kann auch im Verhältniss zum Vorgesetzten oder Angehörigen so sein. Eine Behandlung mit Stimulantien oder einem geeigneten Antidepressivum verbessert die Selbstwahrnehmung aber auch. Bei hypoaktiven Betroffnen kommt noch hinzu dass sie sich nur sehr langsam reagieren und einfach häufiger verletzt werden und sich so etwas dann anstaut was zu Feindseeligkeit führen kann. Doch sind hypoaktive Tagträumer generell geduldiger, was nicht immer gut ist. Sie ziehen sich eher zurück.

    Und da kann eine Behandlung erst einmal Wut auch aufdecken und dass kann zu Bissigkeit und Zynismus führen. Ich denke dass viele Betroffene schon um höfliche Umgangsformen bemüht sind, doch ist ihre Situation häufig so schwierig dass es auch um alles oder nichts geht.
    Es geht um Selbstwert und auch um Identität. Wenn ich mich ständig dafür rechtfertigen muss dass ich Medikamente nehme und Yoga nicht reicht ist das wirklich nervig.

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  2. Ich habe mich in den Beiträgen in vielem wiedergefunden. Nach dem Diagnosedschungel von einigen Ärzten und Therapeuten bin ich nun bei ADS angekommen und kann endlich sagen, dass meine Symptome, die mir immer wieder Kopfzerbrechen bereitet haben, nun einen Grund gefunden haben, der sich zum ersten Mal sinnvoll und passend anfühlt.

    Ich habe ebenfalls viel Ablehnung und Zurückweisung erfahren müssen und habe meist nicht verstehen können warum. Irgendwann habe ich mich damit abgefunden wohl nie ein wirklicher „Team-Player“ zu sein. Auch ich habe mir anscheinend einen Schutz aufgebaut um nicht immer und immer wieder zurückgestoßen und für unangebracht oder unpassend bewertet zu werden.

    Was mir auch sehr aufgefallen ist, dass es meist an dem Gefühl lag, was mir diejenigen gaben, in dessen Umfeld ich mich bewegt habe ( z.B. Arbeitskollegen, B ekannte etc.) wie ich mich verhalten habe, bzw. ob ich mich den Personen öffnen/nähern konnte.
    Wahrscheinlich werde ich auch deshalb häufig als kühl/ distanziert/ dominant oder arrogant wahrgenommen.

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  3. Das Ganze wird aber zu einer Aneinanderreihung von Worthülsen, wenn mal erwähnt wird, dass das, was Sie da beschreiben, bei hunderten psychischen Erkrankungen sein kann – und eben auch bei ADHS-Symptomen begleitenderweise. Irgendwie Nonsens.

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    • Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Es kommt ja immer darauf an, welchen Kontext man Wörtern zuspricht und ob man es nun als Nonsense oder aber als Anregung versteht. Ich sehe natürlich eine neue Abkürzung auch als Nonsense bzw. überflüssig an. Die beschriebene Problematik aber ist real und häufig vorhanden.

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  4. Danke das es menschen gibt die sich mit den Themen nicht nur oberflächlich auseinadersetzen. Um so mehr ich mih mit meinem ADHS beschäftige und lese, und erkenne das, es eine Spirale ist die sich seit der Jugend entwickelt hat, Depression und Gereiztheit bei Zurückweisung und Kritik und eine sehr dünne Haut hat. man muss erst sich mit den Zusammenhängen auseinader setzen und das beginnen seine alten Verhaltensmuster zuverändern. Seine Komfortzone inder man sich eingerichtet hat diese verlassen und mit Menschen reden die einem helfen seine gewohnten Verhaltensmuster abzulegen. Seit dem ich weiss das ADHs habe und immer mehr erkenne wie kann ich meine Stragieen ergänzen um besser in meinem Leben klar zukommen.

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  5. Vielen vielen vielen Dank für diesen kurzen Artikel, der alles sagt was gesagt werden muss…allgemein ist es super, einen Blog bzw. Personen zu haben, die einen wirklich zu verstehen scheinen!

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  6. Es kommt mich sehr sehr bekannt vor! So war ich früher… Heute immer noch ein bisschen… Dabei denken ich auch am lesen an ein andere Mensch. Sehr gut erklärt! Der Umfeld ist mit so eine Verhalten oft überfordert, versteht auch nicht immer.

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    • Schwierige Frage. Grundsätzlich schon

      HSP ist ja nun so kein medizinisches oder psychiatrisches Syndrom. Die Hochsensibilität führt ja nicht zu sonstigen Problemen der Handlungsorganisation bzw. Selbststeuerung. Eigentlich auch nicht zur affektiven Labilität bei ADHS.

      Es ist eher eine allgemeine Reizoffenheit bzw. Empfindsamkeit.

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      • … welche 5 Fragen würden Sie stellen, um als ersten Schritt abzuwägen ob ADHS in Frage käme oder Hochsensibilität?

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