Asperger-Syndrom bei Erwachsenen

Im Deutschen Ärzteblatt findet man (eine weitere?) Darstellung der speziellen Symptomatik der Autismus-Spektrum-Störungen (früher Asperger-Syndrom) bei Erwachsenen. Siehe hier.

Nun sollte man meinen, dass schon die Symptomatik bei Kindern auffällig ist. Gerade habe ich gelesen, dass man sehr früh an Hand des Blickkontaktes zwischen Kind und Eltern (speziell wohl zunächst der Mama) erkennen kann, ob das Kind ein „high risk“ für Autismus-Spektrum-Probleme hat. Dabei lässt in den ersten Monaten des Lebens die Häufigkeit bzw. das Interesse für Augenkontakte nach.

Nach meiner Erfahrung in diesem Spezialbereich bei Erwachsenen haben viele Aspies sehr genau gelernt, quasi ihre sozialen Besonderheiten zu umgehen und haben häufig sogar eine Art „Sonderinteresse“ in der Beobachtung und Verstehen-lernen von „Normalos“ = neurotypischen Menschen entwickelt. Sie leiden also weniger unter ihrer Andersartigkeit. Sondern eher unter der Ausgrenzung und dem Unverständnis ihrer Umgebung.

Ich finde es problematisch, wenn nun jedes „bizarre“ Verhalten sofort in die Richtung Autismus gerückt wird. Es gibt eben auch Einzelgänger oder auch mal „schizoide“ Menschen, die kein Asperger-Syndrom haben. Auch können traumatische Erfahrungen in der Kindheit und ein selbst gewählter Schutz vor Überreizung und Überforderung bei hochsensiblen Menschen so aussehen wie eine Autismus-Problematik.

Dann kommt es eben gerade auf die Kindheitssymptomatik an. So wie auch bei der ADHS im Erwachsenenalter: Es ist keine Diagnose, die man per Fragebogen oder Checkliste erstellt. Erforderlich sind vor allem die gründliche Kenntnisse der Entwicklungspsychologie und eben eine Kindheitsanamnese.

Ein Gedanke zu „Asperger-Syndrom bei Erwachsenen

  • 21.12.2013 um 23:27
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    „Sie leiden also weniger unter ihrer Andersartigkeit. Sondern eher unter der Ausgrenzung und dem Unverständnis ihrer Umgebung.“

    Genau das trifft es. Danke!

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