Die Schulä fengt an – verschont uns mit Reformpädagogik

Ein Grossteil von Kindern lernt Lesen und Schreiben trotz Schule. Egal, welche verrückte Idee die dann gerade vorherrschende „pädagogische Lehrmeinung“ nun gerade hat, sie schaffen es erstaunlich gut, sich im Dschungel der Rechtschreibung und Grammatik zu orientieren. Grob geschätzt sind dies 60 Prozent aller Kinder, denen es total egal ist, was die Lehrer da gerade für einen pädagogischen Unfug verzapfen (müssen). Entweder konnten sie schon vor der Schule lesen und schreiben. Oder sie haben Eltern, die sie fördern. Oder sie sind Naturtalente.

20 Prozent der Kinder lernen es dann mit der Schule über Üben und Wiederholungen. Da ist es schon nicht ganz egal, wie es gemacht wird. Gerade bei diesen Kindern spielt leider auch die soziale Herkunft und das Bildungsinteresse der Eltern eine grosse Rolle. Diese Kinder wären sehr auf Schule angewiesen und würden vermutlich auch von einer Mediendiät (= weniger Fernsehen, Videospiele etc) sehr profitieren.

Und weitere 20 Prozent hätten einen sonderpädagogischen Förderbedarf, weil sie entweder eine Teilleistungsschwäche wie Legasthenie und / oder aber ADHS etc. haben.

Wir hatten mehrere Aupair-Mädchen aus Italien und anderen Ländern, die mehr als nur Hochachtung für diese Leistung beim Lesen und Schreiben von Grundschulkindern hatten.

Nun scheint es aber noch nicht schwierig genug zu sein, weshalb nun Reformpädagogen sich immer neue Methoden ausdenken, das Lernen zu verunmöglichen. Ein Beispiel ist dabei, Schreiben nach Gehör zu lernen.

Eine Zeitglosse zum Thema „Die Schulä fengt an“ und einem entsprechendem Buch von Martenstein hat dann entsprechend für Aufregung gesorgt.

Mein Sohn  ist wohl in einer Mischschulwelt aufgewachsen. Einerseits sollten sie mit einer Anlauttabelle nach Gehör lernen. Andererseits wurde aber auch durchaus multimodal jeder Buchstabe dann geknetet, mit einem Seil gelegt und über andere Methoden visualisiert = in Bilder übersetzt.
Schön und gut. Bis er in die 3. Klasse kam. Jetzt werden die Rechtschreibfehler nicht nur angestrichen, sondern in die Noten eingeschlossen.

Er  ist Spezialist für Flüchtigkeitsfehler. Wie man unschwer erraten kann (wenn man unkorrigierte Beiträge von mir liest), hat er das u.a. von mir geerbt. Und ich kann mich noch gut erinnern, dass ich ein Wort im selben Diktat fünf mal falsch schreiben konnte. Hauptsächlich dann, wenn ich durch gleichklingende Möglichkeiten in eine Art „Entscheidungsblockade“ kam. Eigentlich wusste ich, wie es geschrieben wird. Eigentlich. Dann aber doch die Korrektur. Meistens in Richtung „Fehler“.

Ich bin kein Anhänger von Reformpädagogik. Gut, ich bin auch kein Lehrer. Aber ich glaube nicht, dass man Kindern immer wieder falsche Rechtschreibung durchgehen lassen sollte. Schlicht, weil sich das auch im Kopf festsetzt. Als eine von vielen Optionen, wie ein Wort geschrieben werden kann.

Kinder mit ADHS benötigen mehr Wiederholungen und direktiven Unterricht. Also positive Beispiele, wie das Wort richtig ist. Das dann mehrfach wiederholt.

Das ist übrigens für die anderen Kids nicht verkehrt.

Es mag ja sein, dass die Rävormmpetakogick den 60 Prozent nicht schadet. Schlicht, weil man ja schon Worte so verdrehen kann, dass das Gehirn dennoch  irgendeinen Sinn erkennt. Aber das hat wenig mit Lernen zu tun. Aber helfen tut Reformpädagogik auch nicht. Siehe PISA.

Können wir nicht mal eine Reform zu klassischen Unterrichtsmethoden vornehmen ?

2 Gedanken zu „Die Schulä fengt an – verschont uns mit Reformpädagogik

  • 13.02.2015 um 19:55
    Permalink

    Wenn der Rechtschreibunterricht so statt findet wie beschrieben, kann ich die Kritik nur nachvollziehen und ihr zustimmen. Aber dieser Unterricht fand doch an einer staatlichen Schule statt, also nicht im Gesamtkontext einer bestimmten pädagogischen Ausrichtung? Unter „Reformpädagogik“ sammeln sich sehr viele unterschiedliche Ansätze, allen gemein ist nur der Wunsch das Kind in seiner gesamten Persönlichkeit zu fördern, meist verbunden mit der Vorstellung einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft, in die es hineinwachsen soll. Es ist also nicht ganz fair, eine sehr große Bandbreite von pädagogischen Ansätzen zu verurteilen, weil ein einzelner losgelöster Bestandteil nicht gelungen ist.

    Ein problemorientiertes und selbst entdeckendes Lernen heißt außerdem nicht, das Kind Fehler verinnerlichen zu lassen. Natürlich sollte es begleitet und dabei sowohl korrigiert als auch bestärkt werden. Bei dem Beispiel handelt es sich also nicht nur um einen einzelnen Baustein, der scheinbar ziemlich willkürlich aus einem Kontext gerissen würde sondern sich noch um einen schlecht umgesetzten… Dafür kann aber der reformpädagogische Ansatz nichts.

    Einer Kritik an der zunehmenden undurchdachten Aneinanderreihung von Methode aus unterschiedlichsten, sich zum Teil widersprechenden, Theorien würde ich sehr viel lieber zustimmen.

    Die Ideen des Kneten, Malen und Legens von Buchstaben

    Antwort
  • 24.02.2012 um 20:34
    Permalink

    DANKE!!!

    Was hab ich mich schon darüber geärgert, das mein Sohn a) nach Anlauttabelle lernen muß und b) Worte so schreiben darf, ja sogar soll, wie er sie hört….und dann von der Lehrerin auch noch ein „PRIMA-Stempel“ drunter gesetzt wird.

    Die falsche Schreibweise wird dann 2 Jahre lang falsch automatisiert, und ab der 3. Klasse wird sich über die Rechtschreibung beschwert…….für mich nicht nachvollziehbar.

    Danke für deinen Beitrag.

    Antwort

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: