Schlafprobleme und ADHS
Schlafprobleme und ADHS Wie Eltern ihren Kindern zu besserem Schlaf und mehr Wohlbefinden verhelfen können

Schlafprobleme bei Kindern mit ADHS sind keine Seltenheit und können sich auf die emotionale und körperliche Gesundheit erheblich auswirken. Aktuelle Studien zeigen, dass Schlafstörungen wie Einschlafprobleme, nächtliches Erwachen und übermäßige Tagesmüdigkeit bei Kindern mit ADHS weit verbreitet sind und häufig zu erhöhtem Stress, Ängsten und sogar Depressionen führen. Ein neuer Forschungsartikel beleuchtet diesen Zusammenhang und bietet wertvolle Erkenntnisse darüber, wie gezielte Schlaf- und Bewegungsstrategien helfen können, das Wohlbefinden dieser Kinder zu verbessern (Liang et al., 2024).
Die Studie im Überblick
Eine umfassende Untersuchung von Liang und Kollegen (2024) mit 188 Kindern mit ADHS verdeutlicht die Häufigkeit und den Einfluss von Schlafproblemen in dieser Gruppe:
- Hohe Prävalenz von Schlafstörungen: Fast 59 % der Kinder mit ADHS in der Studie leiden unter Schlafproblemen, was häufig mit vermehrten internalisierenden Symptomen wie Depression und Angst einhergeht.
- Weniger Bewegung, mehr Belastung: Kinder mit Schlafstörungen verbringen durchschnittlich weniger Zeit mit körperlicher Aktivität und erreichen seltener die WHO-Empfehlung von mindestens 60 Minuten Bewegung pro Tag. Diese Inaktivität kann das Risiko für depressive und ängstliche Symptome erhöhen und führt oft zu einem Teufelskreis aus Schlaf- und Verhaltensproblemen.
- Tagesmüdigkeit und psychische Belastung: Besonders die sogenannte „daytime dysfunction“, also starke Tagesmüdigkeit durch Schlafstörungen, war in der Studie ein signifikanter Prädiktor für depressive und ängstliche Symptome. Dies deutet darauf hin, dass Schlafprobleme bei Kindern mit ADHS nicht nur die nächtliche Erholung, sondern auch das emotionale Gleichgewicht am Tag beeinflussen.
- BMI als Risikofaktor: Kinder mit einem höheren BMI zeigen eine erhöhte Anfälligkeit für Stress und Angst. Ein höheres Gewicht bei Kindern mit ADHS kann auf Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung hindeuten, was wiederum die Schlafqualität und das Wohlbefinden beeinträchtigen kann.
- Bewegung als Schutzfaktor: Kinder, die das tägliche Bewegungspensum erreichen, weisen weniger depressive und ängstliche Symptome auf. Die Studie betont, wie wichtig es ist, regelmäßige körperliche Aktivität in den Alltag von Kindern mit ADHS zu integrieren, um emotionale Stabilität zu fördern.
Die Ergebnisse legen nahe, dass eine Kombination aus Bewegung und gezielten Schlafstrategien das Wohlbefinden von Kindern mit ADHS nachhaltig verbessern kann. Hier sind einige praktische Tipps für Eltern, die auf den Studienergebnissen basieren.
Praktische Tipps für Eltern
Um die Schlafqualität und das emotionale Wohlbefinden ihres Kindes zu fördern, können Eltern folgende Maßnahmen umsetzen:
- Schlafroutine und feste Zeiten etablieren:
- Eine feste Schlaf- und Aufwachzeit hilft, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren, auch am Wochenende.
- Abendrituale wie eine Gute-Nacht-Geschichte, ruhige Musik oder ein warmes Getränk helfen dem Kind, sich auf den Schlaf vorzubereiten.
- Schlaffreundliche Umgebung schaffen:
- Dunkelheit und Ruhe im Kinderzimmer fördern die Schlafqualität. Verdunkelungsvorhänge und „White Noise“-Geräte können hilfreich sein.
- Eine angenehme Raumtemperatur von 18 bis 20 °C und eine bequeme Matratze unterstützen den Schlafkomfort.
- Körperliche Aktivität in den Alltag integrieren:
- Bewegung hilft, überschüssige Energie abzubauen und den Schlaf zu fördern. Kinder sollten mindestens 60 Minuten pro Tag körperlich aktiv sein.
- Aktivitäten wie Spielen, Tanzen oder Sport am Nachmittag sind besonders geeignet, um die Kinder auszulasten.
- Gesunde Ernährung fördern:
- Ein leichter Snack vor dem Schlafengehen, wie eine Banane oder ein Glas warme Milch, kann beruhigend wirken.
- Auf Zucker und koffeinhaltige Getränke (z. B. Cola) sollte vor dem Schlafengehen verzichtet werden.
- Entspannungstechniken anwenden:
- Atemübungen wie das „4-7-8“-Atmen (4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen) können helfen, den Körper zu entspannen.
- Progressive Muskelentspannung oder geführte Imaginationen (z. B. das Kind stellt sich einen ruhigen Ort vor) beruhigen den Geist.
- Gefühle offen ansprechen:
- Kinder können über ihre Ängste oder belastende Gedanken sprechen, die den Schlaf beeinträchtigen könnten.
- Jüngere Kinder können belastende Gedanken visualisieren, indem sie diese beispielsweise als Wolken malen, die langsam „davonfliegen“.
- Bei Bedarf professionelle Hilfe suchen:
- Wenn die Schlafprobleme bestehen bleiben, kann eine Beratung bei einem ADHS-Spezialisten oder Schlafcoach sinnvoll sein.
- Verhaltenstherapie oder spezielle Schlafinterventionen helfen, langfristige Verbesserungen zu erreichen.
Fazit: Kleine Schritte für ein großes Ziel
Schlafprobleme bei Kindern mit ADHS sind häufig, aber nicht unüberwindbar. Eltern können durch kleine Anpassungen im Alltag – sei es eine feste Routine, eine schlaffördernde Umgebung oder körperliche Aktivität – den Schlaf und das emotionale Wohlbefinden ihrer Kinder verbessern. Die Ergebnisse von Liang und Kollegen (2024) verdeutlichen, wie wichtig Schlaf und Bewegung als Schutzfaktoren für das Wohlbefinden von Kindern mit ADHS sind und bieten wertvolle Ansätze zur Unterstützung.
Liebe Grüße,
Martin 🧠💡🌈👥🗣️✨🔗🎨💬🚀
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Quelle: Liang, X., Zhao, M., Su, L., Haegele, J. A., Xu, R. H., Li, J., Guo, J., Tse, A. C.-Y., Li, S. X., & Shum, D. H. K. (2024). Sleep Problems in Children with ADHD: Associations with Internalizing Symptoms and Physical Activity. Journal of Autism and Developmental Disorders. https://doi.org/10.1007/s10803-024-06623-9


