ADHS und Unfälle: Das Leben mit ADHS ist gefährlich

… und endet leider mitunter tödlich.

Es war der Freitag vor den Herbstferien. Eigentlich wollten wir mit dem Auto Richtung Flughafen Zweibrücken in den Herbsturlaub (nicht gerade der naheliegenste Flughafen von Rosche aus, aber Umwege erhöhen die Ortskenntnisse). Da ereilt mich ein aufgeregter Anruf, ich müsse ins Krankenhaus Uelzen kommen.

Unser Sohn J. habe sich schwer verletzt. Beim Paprika schneiden. Meine Gedanken zur Sinnhaftigkeit von Kochunterricht mit gefährlichen Waffen in der 3. Klasse unter besonderer Berücksichtigung des letzten Schultages erspare ich mir mal … Aufgeregt wie ich war, bin ich also zur Notaufnahme.

Wo kein J. war. Schliesslich kam er im Rettungswagen in Begleitung einer aufgeregten Mama und seines Bruders, der Krankenwagenfahren toll fand.

Die gefährliche Verletzung stellte sich als Schnittwunde heraus. Angeblich mit Sehnenverletzung. Beim Säubern des „Unglücksortes“ am Zeigefinger hatten wir schon Probleme, überhaupt einen Schnitt zu finden 🙂 Also falscher Alarm, der mit einem harmlosen Pflaster erledigt war.

Überrascht war aber der aufnehmende Pfleger, da J. noch gar nicht in der Unfallambulanz bekannt war. Wir ehrlich gesagt auch, weil wir eigentlich mit einem Stamm-Abo dort gerechtnet hätten.

Die Statistik sagt nämlich, dass Kinder mit drei oder mehr Unfällen/Schnittverletzungen oder Beinaheersticken durch Fremdkörper etc. in den Krankenhausnotfallabteilungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit  ADHSler sind. Ihr Unfallrisiko ist so deutlich erhöht, dass die Unfallversicherungen das leider auch bemerkt haben.

Auch wenn es glücklicherweise häufig gut ausgeht, so sind mir aber gerade in dieser Jahreszeit auch etliche junge Erwachsene in Erinnerung, die sich mit dem Auto totgefahren haben. Häufig kommt es bei (unbehandeltem) ADHS zu impulsiven und riskanten Überholmanövern.

Man kann gar nicht häufig genug betonen, dass ADHS eben weit mehr als Unruhe oder Lebendigkeit von Kids ist. Es ist gefährlich, wenn man impulsiv reagiert ohne nachzudenken. Nicht nur beim Paprikaschneiden.

Ein Gedanke zu „ADHS und Unfälle: Das Leben mit ADHS ist gefährlich

  • 18.11.2011 um 09:00
    Permalink

    Oh ja! Ich könnte ganze Bücher darüber schreiben… von verschluckten Geomagkugeln über Fahrräder die über 1 Meter hohe absätze gesteuert wurden, weil der Junge am Träumen war bis hin zu fast Verkehrsunfällen und einem Kind das dann zum Glück nur an der Hüfte vom Auto gestreift wurde…

    Leider ist es tatsächlich so, dass dieser Bereich, auch bei der Überlegung ob man zum Medikament greift (der Druck und das Leiden in der Schule stehen ja oft im Vordergrund, ist aber ja primär aber erst einmal nicht lebensgefährlich), oft ausgeklammert bzw. vergessen wird.

    Ich weiß, dass ich meine beiden Jungs nicht aufs Fahrrad lassen darf, wenn wir die Medikamente vergessen haben.

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