Ritalin auch an Wochenenden?

Ausgehend von der Grundhaltung, Kindern so wenig Medikamente wie möglich zu verschreiben, verordnen einige Ärztinnen und Ärzte die Einnahme der Stimulanzien nur während der Schulzeiten. Trotz guter Absicht erwies sich dieses Therapieschema in den meisten Fällen als kontraproduktiv. Warum?

Stimulanzien nur während der Schulzeiten zu verabreichen bedeutet normalerweise, ADHS-Kinder an den Wochenenden wieder ihren Symptomen auszuliefern. Gerade die Wochenenden und Ferienzeiten bieten den Kindern ein ideales Lernfeld, um soziale Kompetenzen zu erlernen. Lernen können sie aber nur dann, wenn sie aufmerksam genug sind, um auch die leisen Töne der zwischenmenschlichen Interaktionen wahrnehmen zu können.

Ausserdem bieten Wochenenden und Ferienzeiten Kindern viele Gelegenheiten, Seelennahrung aufzutanken. Dies setzt voraus, dass die Kinder sich diesen Erlebnissen – etwa während eines Museumsbesuches mit dem Grossvater – hingeben, sie abspeichern und sich später daran erinnern können. ADHS-Kinder müssen also auch daheim und während eines Ausflugs aufmerksam und ausreichend geduldig sein, um ihre Persönlichkeit ganzheitlich entwickeln zu können. Viele Ärztinnen und Ärzte empfehlen daher, dass die Stimulanzien auch an Wochenenden und in den Ferien verabreicht werden sollen.

Grundsätzlich: Ein Entscheid darüber, ob eine medikamentöse Therapie an Wochenenden verabreicht oder nicht verabreicht werden soll, erfolgt sehr individuell (keine „Regel“ ohne Ausnahme) und obliegt immer der für das Rezept und die Therapie verantwortlichen ärztlichen Fachperson.

Zum Thema „Ritalin-Ferien“ siehe hier.

6 Gedanken zu “Ritalin auch an Wochenenden?

  1. Eine Lanze für diesen Blog!

    JEDER Mensch ist von der richtigen Dosis des Dopamins abhängig. Nur bei ADHSlern soll das jetzt ein Problem sein, wenn sie ihren Dopaminfüllstand medikamentös aufbessern !müssen!?
    Selbiges gilt bei allen anderen Stoffwechselstörungen, die ein Mensch haben kann. Viele werden medikamentös behandelt, ist das ein Verbrechen? Nein, natürlich nicht. Wieso dann bei der ADHS, die einen so radikalen Leidensdruck bei Betroffenen und ihrem sozialen Umfeld produziert?
    Der Gedanke passt auch zum Topic.
    Wieso sollte man an Wochenenden oder Feiertagen, in Urlauben oder sonstwann die Medikation von Ritalin einstellen? Welchen Sinn soll das haben? Entweder da ist was „defekt“, das wird medikamentiert, wenn es denn nötig ist, möglich ist und hilft. Wieso wird an der Medikation überhaupt nachträglich gefummelt?
    Millionen Menschen bekommen überflüssige Medikamente mit horrenden Nebenwirkungen verschrieben.
    Da gibts auch Diskussionen, aber wird da flächendeckend die Medikation abgesetzt? Nö. Ob Statine, Hustensaft, Schmerzmittel oder Antibiotika, alles muss weg. Wieso eigentlich diese massive Übervorsicht bei ADHS Medikation?
    Bei der Medikation der ADHS müssen sich ein paar heilige Krieger wohl symbolträchtig verzettelt haben ;o)

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  2. Manchmal würde mich doch wirklich mal interessieren, wieviel Sie beide in Wirklichkeit von der Pharmaindustrie bekommen.

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    • Wir bekommen nichts. Und würden auch nichts annehmen. Wenn Sie sich die Zeit nehmen und die Texte hier im Blog und auf http://www.adhs.ch genau lesen, dann sehen Sie schnell, dass wir uns a) sehr kritisch mit der medikamentösen Therapie auseinandersetzen und b) im deutschspachigen Raum zu den Ersten gehörten, welche Angaben zu möglichen Interessenskonflikten publik machten. Siehe dazu auch hier.

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      • Eine kritische Haltung ist oberflächlicherweise durchaus zu erkennen. Die Stoßrichtung Ihrer Beiträgte ist aber zumeist eindeutig Pro-Medikamente. Die zwar umfangreiche (aber inhaltlich oftmals dünne), nicht selten durch die P.-Industrie finanzierte Studienlage nutzen Sie in Ihren Beiträgen nur allzu häufig für die Untermauerung Ihrer Ansichten und hinterfragen nicht zulasten der Medikationsalternative; zumindest kann ich persönlich Hinterfragungen nicht eindeutig erkennen. Sind Sie sich eigentlich bewusst, dass Sie ein kleines Zahnrad einer zunehmend medikalisierten Gesellschaft darstellen? Ihr Blog ist ja, nehme ich mal an, ganz ordentlich frequentiert. Schade, dass sich die meisten Ihrer Beiträge nur scheinbar kritisch mit Medikation auseinandersetzen – man vergisst beim Lesen Ihres Blogs beinahe nur allzu oft, dass wir es bei jungen Leuten mit ADHS mit Menschen zutun haben, nicht mit Maschinen, denen ein Softwareupdate fehlt, das alles ja so viel einfacher macht (=Trugschluss! Dauermedikation (>2 Jahre) findet zumindest in der BRD nachweislich kaum statt). Verzeihen Sie mir bitte den evtl. etwas barschen Ton, aber wenn ich lese, auf welch polemische Weise hier offensichtlich Dipl.-Psychologen über Andersdenkende (s. G.Hüther etc.) herziehen, die in meinen Augen (und in denen vieler meiner Kollegen hier in der BRD) eine Daseinsberechtigung haben, wird mir ganz anders. So tendenziös, wie Ihr Kollege und Sie das Thema ADHS auf diesen Seiten Tag für Tag abhandeln, sind Sie nur für eine Gruppierung hilfreich. ADHSler sind das sicherlich nicht, auch, wenn sie sicher zum falschen Selbstbewusstsein bereits erfolgreich pathologisierter Betroffener beitragen, die „nun endlich wissen, was ihr Leben lang falsch gelaufen ist, wegen diesem blöden Dopaminüberschuss – oder so…“.

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  3. Mir geht es auch so. Ich habe wegen einer OP auch schon ein paar Tage auf das Ritalin verzichtet, am 3. Tag nach der OP nahm ich es wieder, weil das ständige Unterdrücken meines Plappermaules und meine Zappeligkeit nach einer Rückenop der Gensung nicht gerade förderlich waren 😉
    Am Wochenende und in den Ferien nehme ich die Medikamente immer, meine Konzentration brauche ich da ja auch.
    Auch mein Sohn, der ein ruhiges ADS hat, nimmt es durchgehend…weil er sich ohne an Wochenenden und Ferien zu nichts aufraffen kann.

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  4. Auch ich (Erwachsen) habe experimentiert mit Ferien und WE ohne Ritalin, auch Krankheitszeiten ohne.
    Ich bin davon abgekommen. Es ist mir einfach wohler mich durchgehend vom Ritalin gestützt zu fühlen. Auch wenn mans gerne immer wieder vergisst *lach, man merkt, dass man es vergessen hat, daran, dass man sich dann auf einmal überfordert fühlt.

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