Bildschirmmedien und ADHS (Teil 2)

Klassische ADHS-Symptomatik
Eric, der ältere der beiden, fiel bereits im Kindergarten durch Unruhe und nicht zuhören können auf, so dass er damals nicht regulär eingeschult werden konnte, sondern die Einführungsklasse besuchen musste. Die Konzentrationsschwächen und das Nicht-warten-können waren so ausgeprägt, dass die Lehrerin bei Eric bald schon zu einer ADHS-Abklärung riet.

Bei Jan zeigten sich erst ab der zweiten Klasse Probleme. Der Knabe war sehr verträumt und vergesslich. Einfach alles schien an ihm vorbei zu rauschen – Ausnahme, es war interessant.

Beide Kinder galten als intelligent. Neuen Schulstoff begriffen sie meistens sofort. Sobald es aber um das Vertiefen und Einüben ging, klinkten sie sich – wie halt fast alle Kinder mit einer ADHS – viel zu schnell aus.

Freiwillig Lesen war bei beiden Kindern kein Thema. Typisch waren auch die Hausaufgabenprobleme, welche in der Familie Hoffmann zeitweise dramatische Formen annahmen. Jan und Eric waren nur unter permanenter Überwachung der Mutter in der Lage, an den Hausaufgaben dran zu bleiben. Da beide Buben ständig Unterlagen in der Schule vergassen und es versäumten, das Hausaufgabenbüchlein zu führen, fehlte permanent irgendetwas.

Auf die vom Kinderarzt sorgfältig durchgeführte medikamentöse Behandlung hat Eric nur ansatzweise, Jan eigentlich gar nicht angesprochen. Auch ein Wechsel des Medikamentes brachte keine wesentliche Änderung. Ein Versuch mit Kinesiologie, einer Zuckerdiät und einer Therapie mit Neurofeedback (eine Kollegin der Mutter hatte eine Tochter, welche ebenfalls an einer ADHS litt, daher wusste sie von Neurofeedback), welche von Eric besucht wurde, brachten ebenfalls keine Verbesserungen.

Frau Hoffmann wurde in der Folge von stärker werdenden Selbstzweifeln und Selbstvorwürfen geplagt. Alle Therapien brachten den Kindern nichts, also musste es an ihr liegen, dachte sie sich. Sie wurde psychisch zunehmend instabiler, so dass der Hausarzt ihr ein Antidepressivum verschrieb und zu einer Psychotherapie riet. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass ich im Erstgespräch mit den Eltern den Eindruck gewann, dass auch beim Vater eine ADHS vorliegen könnte.

Die Schilderungen der Eltern und der Verlauf der ADHS waren für mich als Psychologe nicht aussergewöhnlich. Auch die Tatsache, dass ADHS-Patienten auf die Therapien nicht oder nicht befriedigend ansprechen, kommt häufiger vor, als man annehmen könnte. Was mich bei dem Aufnahmegespräch stutzig gemacht hat, waren die wiederholten Äusserungen von Frau Hoffmann über den doch sehr häufigen Fernseh- und Game Boy-Konsum ihrer Kinder und deren Folgen. Auch das hörte ich damals natürlich nicht zum ersten Mal. Diesmal aber hatte es für mich eine andere Qualität.

Fortsetzung: Morgen 20:00, gleicher Kanal

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Ein Gedanke zu „Bildschirmmedien und ADHS (Teil 2)

  • 03.01.2012 um 14:54
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    Else Müller verweist in ihrer Einleitung zu ihrem Buch „Silberstaub der Sterne Märchen zum Entspannen und Träumen“ auf einen Artikel von Michael Schrede in der Zeitschrift „Psychologie heute“ (1999). Seine Untersuchungen sollen den negativen Einfluss des Fernsehens auf die Qualtität des kindlichen Schlafs zeigen. Leider konnte ich den Artikel nicht mehr online finden, werde aber ‚mal in Bibliothek nachschauen.

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