Bildschirmmedien und ADHS (Teil 4)

Die von mir mit Jan und Eric durchgeführte testpsychologische Abklärung, die Befragung der Lehrpersonen, die Auswertung der ADHS-Symptom-Checklisten, der Krankheitsverlauf und die Auswertung früherer Untersuchungen und Therapieberichte ergaben, dass ich bei beiden Buben die vom Kinderarzt gestellte ADHS-Diagnose bestätigen konnte. Die Untersuchung ergab keine Hinweise darauf, dass noch nicht erfasste und unbehandelte Begleitprobleme wie Wahrnehmungs-, Gedächtnis- oder andere Teilleistungsstörungen vorlagen. Auch Mobbing, relevante Ehekonflikte oder andere klassische psychosoziale Belastungsfaktoren lagen nicht vor. Es blieb also vorerst unklar, wieso die beiden Buben nicht mehr Fortschritte in der Therapie machten.

Impulskontrolle
Dass Jan und Eric eine Störung der Impulskontrolle aufwiesen und auf die Therapie mit Stimulanzien nicht ausreichend ansprachen, zeigte sich nicht nur im Familien- und Schulalltag, sondern auch deutlich auf Testebene.

In einem der wichtigen Testverfahren wird geprüft, wie gut das Kind eine Reaktion auf einen unwichtigen Reiz hemmen kann, wie gut also die Impulskontrolle funktioniert. Die Patientinnen und Patienten sehen auf dem Monitor entweder ein „X“ oder ein „+“. Aufgabe des Kindes ist es, beim Erscheinen des „X“ so schnell wie möglich die Reaktionstaste zu drücken, beim Aufleuchten des Pluszeichens hingegen nichts zu machen.

Jan und Eric unterliefen viel zu viele falsch-positive Reaktionen: Ein erstes Pixelchen auf dem Monitor liess die Finger in einem so hohen Tempo auf die Reaktionstasten sausen, als gälte es, Rom zu erobern. Nicht einmal mit dem sonst so geliebten Computer war es den beiden Buben also möglich, sich altersentsprechend abzubremsen und eine Reaktion auf einen unwichtigen Reiz (also das „+“) hemmen zu können. Auch bei vielen anderen Tests war ein syndromtypisches Dreinschiessen zu beobachten.

Fortsetzung: Morgen 20:00, gleicher Kanal

Weitere Informationen zu Störungsbildern, welche der ADHS ähnlich sind.

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