Formularphobie und ADHS

Eben habe ich einen schönen Artikel über Form-o-Phobia gelesen.  Es soll nun kein neues Krankheitsbild erfunden werden, aber Formulare und Formblätter sind ein Graus für die nicht-zwanghaft überkompensierten ADHSler.

In der Klinik sind wir gerade in einer sog. Zertifizierungsphase für irgendein Qualitätssystem. Und ich bin da auch noch Multiplikator, der es Kollegen vermitteln soll. Da macht man den Bock zum Gärtner. Jedes Blatt Papier braucht einen Kopf und eine Fußzeile. Es verhindert meistens, dass man sinnvoll damit arbeiten kann. Aber es ist dann normgemäss. Wir müssen da durch, weil sonst die Klinik kein Geld mehr bekommt. Klar.

Für mich bedeuten Formblätter aber meistens, dass sich ein innerer Widerstand regt. Der dazu führt, dass ich mich noch weniger gerne damit beschäftige und dann das Ausfüllen oder auch nur Durchlesen der Formulare eine Qual wird.

Vermutlich spielen da mehrere Faktoren eine Rolle. So fallen mir Widersprüchlichkeiten auf, an denen ich dann „kleben“ bleibe. Weil das Formular aber so ist, wie es ist, darf ich es nicht ändern. Oder müsste erst wieder neue Formulare ausfüllen, um einen Antrag auf Änderung des Antragsformulars zu formulieren. Logischerweise erschliesst sich mir auch nicht, warum es Unterschiede zwischen Formularen und Formblättern, Verfahrensanweisungen und Dienstanweisungen gibt und diese wiederum total unfunktional gestaltet sind.

Letztlich kann man bei ADHS fast sicher sein, dass Formulare Nebenbemerkungen haben oder nicht vollständig ausgefüllt sind. Weshalb man eine Korrekturaufforderung erhält. Die dann aber nicht ausgefüllt werden. Schrecklich..

Natürlich gilt das auch für Fragebogen zu ADHS. Echte ADHSler füllen die mal so mal so aus. Oder sie stolpern über Unstimmigkeiten. So wie gestern auf der Bank vor unserer Klinik gehört. „Sind sie häufiger depressiv oder haben sie Selbstmordgedanken?“. Der Patient fühlt sich mal depressiv, aber umbringen will er sich nicht. Schön und gut. Er versteht das ODER als UND.  Und möchte nicht in die Schublade der Suizidalen gesteckt werden. Lässt also die Frage aus.

Wir werden also noch ein neues Formular für die Gründe für das NICHTAUSFÜLLEN von Formularen einführen 🙂

5 Gedanken zu „Formularphobie und ADHS

  • 05.04.2012 um 20:14
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    mist… ich auch ;))
    1

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  • 29.03.2012 um 02:15
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    Hat sich eigentlich schonmal jemand Gedanken um die manchmal wirklich hirnrissigen Fragestellungen in den ADHS-Fragebögen gemacht?
    Doppeldeutige Fragen sind für die Statistik und die Wahrheitsfindung der Antworten wichtig.
    Wichtig ist auch, dass der Befragte dies nicht erkennt,sondern spontan antwortet.

    Aber ein Fragebogen, der eine bestehende ADHS herausfinden will, sollte zumindest schon per se die Verständnisprobleme einkalkulieren und die Fragen klarer stellen, also keine „oder“-Fragen stellen.

    Zitat:
    “Sind sie häufiger depressiv oder haben sie Selbstmordgedanken?”. Der Patient fühlt sich mal depressiv, aber umbringen will er sich nicht. Schön und gut. Er versteht das ODER als UND. Und möchte nicht in die Schublade der Suizidalen gesteckt werden. Lässt also die Frage aus.Zitatende.

    Auf so eine Frage kann man nicht mit ja oder nein antworten!
    Selbst wenn jemand häufiger depressiv ist, was ja bei ADHS auch vorkommen kann, hat er nicht zwangsläufig auch Suizidgedanken!

    Wie zum Teufel soll man also antworten? Antwortet man ja, weil man häufiger depressiv ist, antwortet man gleichzeitig auch ja, dass man suizidale Gedanken hat, obwohl dies nicht stimmt.

    Ist jemand nicht häufiger depressiv, hat er normalerweise auch keine Suizidgedanken.
    Zu definieren wäre auch, was als häufig gilt. 2x, 3x, öfter /pro Jahr?

    Es geht nicht darum, „oder“ mit „und“ zu verwechseln, sondern darum, dass die Fragestellung grundsätzlich falsch ist und nicht nur für ADHS-ler, sondern auch für Nicht-ADHSler schlicht nicht eindeutig zu beantworten ist.

    Solche unverständliche und zweideutige Fragen gibt es leider viele in den ADHS-Fragebögen. Ich frage mich einfach, wie ein Fachmann solche Antworten auswerten und deuten kann und wie sicher eine ADHS-Diagnose damit erstellt werden kann.

    Offenbar hatte bisher noch niemand eine Idee, wie man diese Fragebögen auf den deutschen/europäischen Sprachraum anpassen kann. Ich habe den Eindruck, dass die amerikanischen Fragebögen samt manchen Übersetzungsfehlern relativ ungeprüft übernommen wurden und bis heute nicht sehr verändert, bzw. an neuere Erkenntnisse angepasst wurden.

    Wäre es da nicht mal an der Zeit, zwecks einer genaueren Diagnose auch die Fragebögen einem review zu unterwerfen ?

    Antwort
  • 28.03.2012 um 17:33
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    oh ja…kenne ich auch:

    wenn ich da an den Fragebogenstapel für meine ADHS-Diagnostik denke….Da waren manche Fragen in meinen Augen so unpräzise, dass ich nicht anders konnte als auf der Rückseite des Fragebogens noch ausführliche Kommentare aufzuschreiben.

    woher soll man denn bloss bei doppeldeutigen Fragen wissen was gemeint ist? Und was wohl der Fragesteller für eine Bedeutung im Kopf hat.

    zB. wenn im Fragebogen eines Krankenhauses steht:
    „Haben sie schon mal etwas gesehen, was andere nicht sehen?“

    Der Fragesteller will damit wohl abklären ob man Halluzinationen oder Wahnvorstellungen hat.

    wenn ich rein der Frage nach mit „Ja“ antworten täte, weil ich manchmal (Natur)Wesenheiten wahrnehme, dann denkt der Fragesteller, ich hätte Halluzinationen. Nur in diesem Sinne habe ich keine Halluzinationen. Also werde ich solche Fragen mit „Nein“ beantworten.

    Gruß Jutta

    Antwort
  • 27.03.2012 um 19:32
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    Bei dem Link ist ein http zuviel: http://blogs.psychcentral.com/adhd-zoe/2012/03/adhd-form-o-phobia/

    Formulare sind so ein Ding für sich. In meinem Beruf nimmt das langsam aber sicher überhand. Wobei es mir leichter fällt, für meine Kunden die Formulare auszufüllen. Wenn ich das für mich machen soll, klappt das nicht. Wir haben für jeden Mist ein Formular und/oder ein Formblatt und selbstverständlich gibt es dazu noch eine Reihe von Erklärungen, Beiblättern etc. die dem Kunden auszuhändigen sind.
    Manchmal komme ich erst gar nicht zum Ausfüllen des Formulars, weil mir keiner sagen kann, welches Formular das richtige ist. Und welches Formblatt beigelegt werden muss. Und ob das jetzt die aktuell gültige Version ist.
    Einmal kam das Formular zurück mit dem Vermerk, die Unterschrift der Kundin wäre zu ordentlich, das sei keine Unterschrift, die Kundin solle nochmal „richtig“ unterschreiben.

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  • 27.03.2012 um 14:09
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    …ich fühle mich absolut ertappt 🙂

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