Legotherapie bei ADHS

Ich gebe zu: Als Kind war ich mehr oder weniger Lego-süchtig. Im positiven Sinne.

Meine Kids spielen und bauen zwar auch gerne mit Legosteinen, aber meine damalige Faszination für die bunten Steinchen hat sie (noch?) nicht erfasst.

Nun bin ich auf einen englischsprachigen Artikel gestossen, der das Bauen mit Legosteinen unter dem Blickwinkel ADHS bzw. Therapienutzen beleuchtet … Natürlich soll es nicht darum gehen, eine „Legotherapie“ zu postulieren und andere Methoden dafür in Frage zu stellen.

Spielen ist überhaupt eine aber sehr wirksame Therapiemethode, wenn es um Vorstellungsvermögen, Zielerreichen und eben Konstruktion geht.

Ich konnte in dieser Hinsicht sehr ausdauernd ein Ziel verfolgen, musste aber eben auch mit Frustration umgehen, wenn eines meiner „Bauwerke“ meinen Vorstellungen von Statik nicht gehorchen wollte.

An Vorlagen habe ich mich eigentlich nie gehalten (weshalb ich heutige Lego-Starwars-Baukästen eher mit Abscheu verachte, aber meine Kids lieben die…). Aber ich hatte halt ein Bild als Ziel im Kopf. Und ich habe u.a. darüber gelernt, Ziele zu verfolgen.

Häufig haben wir Kids in der Nachbarschaft stunden- bis tagelang über einem riesigen Kasten von Legosteinen verbracht und ganze Strassen und Städte gebaut. Und wieder eingerissen…

Na ja. Eigentlich wollte ich nur schreiben: Kreatives Spielen kann manchmal wirksamer sein, als unkreative Therapie beim Psychologen.

10 Gedanken zu „Legotherapie bei ADHS

  • 03.10.2022 um 15:09
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    Ich hatte einen Klienten mit „schwerem“ ADHS, der zu sehr in Bildschirmspiele abgeglitten ist, und auch zunehmend agressiv wurde in diesem Zusammenhang.
    Da er wusste, für ihn geht nur ganz oder gar nicht, haben die Eltern und ich die elektronischen Spielmöglichkeiten entfernt.
    Daraufhin hat er sein Lego wieder entdeckt. Er hat stundenlang damit Städte gebaut mit Zügen und vielem anderen. Es war ihm auch sehr wichtig, diese Welt mit uns Bezugspersonen zu teilen.
    Bei diesem Einzelfall konnte ich durchaus eine emotionale Stabilisierung beobachten. Man kann nur spekulieren, ob das etwas mit der selbst bestimmten Geschwindigkeit zu tun hatte, oder damit, dass er nach einer Unterbrechung wieder an derselben Stelle weiter machen konnte, wodurch nicht das Gefühl des Verlustes einer Belohnung aufkam wie bei zeitkritischen (Online-)Videospielen.
    Ich hatte auch den Eindruck, dass der Klient beim Lego-bauen in ein Hyperfokus kam.
    Ein gemeinsames Spiel mit einem gleichaltrigen bzw. gleichwertigen Spielpartner wäre sicherlich schwierig gewesen. Er wollte seine Vorstellungen sehr genau umsetzen.

    Später war durchaus fähig einige emotionale Muster vom Lego auf Onlinespiele zu übertragen. Was ich auch sehr bemerkenswert finde.

    So weit meine Erfahrungen mit Lego und ADHS Kind.

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  • 03.10.2022 um 14:59
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    Ich stimme völlig mit dieser Aussage überein.
    Geht mir genauso.
    Auch ich verachte die Bausätze, mit denen man nur genau ein Stück bauen kann.
    Andererseits kann man damit das Verwenden und Umsetzen von Plänen in die Wirklichkeit einüben. Schließlich ist das auch eine sehr wichtige Fähigkeit im späteren Berufsleben.

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  • 11.05.2012 um 12:15
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    Lego war auch für mich eine sehr beliebte spiel… Damit war ich stunden lang mit meine 2 brüdern beschäftigt und hatte meistens meine kreativität frei laufen gelassen… Ich habe immer diese errinerung wie oft es einfach legosteinen auf der boden von kindernzimmer gab bei uns.

    Kurz nach meine diagnose und noch ohne medis, hatte ich am arbeit mit kindern mit lego gespielt (nach anleitung)… Da gerate ich völlig in hyperfokus, vergass die zeit und meine cheffin meinte „aber du kannst dich doch konzentrieren“ und auch „schade dass du bei andere spielen (gesellschaftspielen die ich ehe langweilig finde) nicht die selbe begeisterung zeigen kannst“. Ich war schon 36 jahre alt, aber meine alte leidenschaft war wieder voll da.

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  • 07.05.2012 um 21:31
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    Bei meinem Bruder und mir lagen alle Steine in einer großen Kiste. Daraus bauten wir dann wonach uns war, ganz ohne Anleitungen… Als mal ein Schulfreund da war, war er richtig enttäuscht daß keine Anleitungen da waren!

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  • Pingback: Anonymous

  • 07.05.2012 um 15:31
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    Genau.. bin voll einverstanden. Habe jetzt noch kiloweise weisse Steine. Warum sind die nur so teuer?

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    • 03.10.2022 um 14:55
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      Weil sie ewig halten?

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  • 07.05.2012 um 11:29
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    Mit Lego konnte ich mich auch Stunden lang beschäftigen. Es gab kein besseres Spielzeug für mich. Ich kann die heutigen Bausätze auch nicht verstehen. Die Bauklötze sind heute viel zu spezialisiert. Wie soll man mit solchen Bauklötzen noch seiner eigenen Phantasie freien Lauf lassen können?

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    • 03.10.2022 um 14:57
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      Wo in der Gesellschaft bzw. Wirtschaft wäre Phantasie eine wünschenwerte Eigenschaft? Nach Plänen zu arbeiten brauchen alle Handwerker. Und Akademiker (Ingenieure) erstellen diese nach Vorschriften und Normen.

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