Medikamente: Selbstbedienung?

Erfreulicherweise pflegen viele der mir bekannten Eltern von Kindern mit einer ADHS einen sicheren Umgang mit der Aufbewahrung und Verabreichung der Medikamente.

Aber nicht alle.

Deswegen hier die wichtigsten Tipps zu diesem Thema:

  1. Geben Sie Ihren Kindern und Jugendlichen die Medikamente persönlich und in Einzeldosen. Also keine Selbstbedienung. So kann die regelmässige Einnahme übewacht und sichergestellt werden.
  2. Erwarten Sie nicht, dass Kinder und Jugendliche mit einer ADHS selbständig an die Einnahme des Medikamentes denken (und sich dann auch selbst bedienen) sollen. Es gibt sehr viel sinnvollere Gelegenheiten, von Kindern und Jugendlichen selbständiges und selbstverantwortliches Handeln zu erwarten. Ausserdem: Würde es wirklich klappen, dass Kinder mit einer ADHS selbständig an die Einnahme von Tabletten denken, haben sie wahrscheinlich gar keine ADHS.
  3. Bewahren Sie alle Medikamente (auch die Stimulanzien) immer an einem verschlossenen und trockenen Ort auf. Verwenden Sie eine verschliessbare Hausapotheke (siehe unten). Kinder sind neugierig. Und ADHS-Kinder ganz besonders. Und Kinder, welche auf Besuch kommen manchmal auch …
  4. Geben Sie Ihren Kindern und Jugendlichen bei Ausflügen oder Ferienaufenthalten keine Medikamente mit. Für die Abgabe der Stimulanzien ist immer eine verantwortliche erwachsene Person zu bezeichnen, welche dem Kind bzw. dem Jugendlichen das Medikament persönlich, in Einzeldosen und diskret übergibt. Das gilt auch für Kinder, welche eine Tageschule besuchen. Kindern die Verantwortung für die Medikamenteneinnahme aufzubürden, kommt einer Überforderung gleich. Management und Handling von Medikamenten ist und bleibt Sache der Erwachsenen: Medikamente gehören nicht in Kinderhände.
  5. Wenn Sie feststellen, dass Sie ständig vergessen, Ihrem Kind die Medikamente zu verabreichen, sollten Sie Ihre Motivation prüfen. „Stimmt“ für Sie diese Therapie? Bestehen Zweifel? Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder mit einer Mutter, die Sie aus der Selbsthilfegruppe kennen. Falls das Vergessen keinen Grund hat und Sie auch ständig anderes vergessen, generell zerstreut sind und immer schon damit zu kämpfen hatten, sollten Sie in Erwägung ziehen, sich selbst auf ADHS untersuchen zu lassen.

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Verschliessbare Hausapotheke

3 Gedanken zu „Medikamente: Selbstbedienung?

  • 14.05.2012 um 09:27
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    Direkt mit medis & Co kann ich nichts sagen, aber wie es generel mit ADS-kindern umgegangen, konnte ich ein bisschen erfahren, als ich eine praktikum in eine schülerort macht wo es kindern von 1. bis 6. klasse zu betreuen und eben auch einige mit der diagnose ADS dabei sind. Im bereich zeitmanagement/planung/organisation wird manches von 10 jährigen erwartet (!!!) was ich als damals 36-jährige betroffene auch nicht (gut) konnte. Aber ich war auch verblüft wie hingegen 10-jährige stinos in diese bereich mich deutlich übertreffen, es merken und darauf reagieren.

    Um an meine medis zu denken brauche ich handyalarm. Wenn noch handy in der schulklasse verboten ist, hat eine kind nicht mal diese möglichkeit.

    Es passt einfach allgemein mit was ich im bezug auf ADS erfahre: Die meistens leute können, auch trotzt erklärungen einiges doch nicht verstehen weil sie es selber nicht erleben.

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  • 13.05.2012 um 23:34
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    Bei uns klappt das gut. Die Lehrer verteilen morgens die Medis. Ich habe eine Gebrauchsanweisung mitgegeben, inclusive Infos über den Rebound und wie mein Kind damit umgeht. Andere Kinder brauchten auch Medis für andere Krankheiten.
    8. Klasse übrigens.

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  • 12.05.2012 um 21:04
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    Mich würden die Erfahrungen anderer LeserInnen interessieren, was das Verabreichen von Medikamenten durch Lehrkräfte auf Klassenfahrten angeht. An unserer Schule fühlen sich die Lehrkräfte durch so etwas prinzipiell überfordert und möchten diese Verantwortung nicht übernehmen. Sie halten hingegen unseren ADHSler (Grundschulalter) für nicht damit überfordert, auf Klassenfahrten selbst seine Medikation einzunehmen.

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