ADHS Freunde finden

Bei den derzeitig stattfindenden Sommerfreizeiten für ADHS- und Asperger-Kids in Kukuk von Tokol , versorgt die Eltern und interessierte Forenleser wie mich Jochen Bantz immer mal wieder mit strahlenden Kinderbildern.

Auf den Freizeiten wurden u.a. Interviews von und mit ADHS-Kids der Freizeiten zu Erwartungen an die Freizeit gestellt. Einer der Nummer 1 Wünsche war und bleibt: Freunde finden und behalten können.

Leider fällt es ADHS-Kindern und Jugendlichen häufig in ihrer „normalen“ Umgebung so unglaublich schwer, echte Freundschaften zu knüpfen bzw. dauerhaft zu halten. Das Gefühl „anders als die Anderen“ zu sein, scheint wie ein Makel sich auch auf Freundschaften und soziale Kontakte zu übertragen. In der Klinik erlebe ich es nicht nur bei den ADHSlern so, dass das Ausgrenzen bzw. Mobbing bzw. Bullying echt üble psychische Folgen hinterlässt. Das Missbrauchen von Vertrauen bzw. Aufkündigen von Freundschaften ist eine sehr häufige Erfahrung von Jugendlichen mit ADHS.

Während die anderen Mitschüler eben zu Kindergeburtstagen oder später Feten eingeladen werden, bzw. soziale Kontakte in Vereinen haben, fühlen sich viele ADHSler eben ausgegrenzt. Vielleicht werden sie noch kurzzeitig als Klassenclown oder aber Vorreiter für unangenehme Aufgaben instrumentalisiert. Wirklich integriert in die Altersgruppe sind sie selten.

Da spielt sicher auch die Entwicklungsbesonderheit eine Rolle, dass viele ADHSler eben jünger wirken bzw. sich emotional jünger verhalten als Gleichaltrige. Andererseits fühlen sich viele ADHSler dann aber eher zu älteren Personen hingezogen. Irgendwie klappt es unter Gleichaltrigen nicht.

Umso verständlicher sind dann Kommentare von Eltern, die ihre Kids auf den Fotos kaum wiedererkennen. Sie LACHEN. Sie toben mit Anderen. Sie haben Spass bei Freizeiten und Gruppenaktivitäten oder sitzen schlicht an einer langen gedeckten Tafel.

Und sie freuen sich schon während der Freizeit auf die nächsten Freizeiten. Oder aber auf Facebook oder sonstige Internetkontakte. Sie vernetzen sich. Und freuen sich, dass sie dazu gehören.

Einfach toll, das zu sehen und ein guter Grund, sich für ADHS-Freizeiten einzusetzen.

6 Gedanken zu „ADHS Freunde finden

  • 07.08.2012 um 00:09
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    Was auch helfen kann ist Aufklärung. Mein Teenie-Sohn ist nicht betroffen, meine kleinere Tochter schon. Und mein Sohn hat keine Probleme mit ADHS-Kameraden, mit einem sehr stark Betroffenen ist er sogar gut befreundet und integriert ihn bei anderen. Weil er weiss wie der tickt, ihn so akzeptiert wie er ist, seine schwierigen Seiten verblüffend Erwachsen anspricht und das auch den anderen Jugendlichen vermittelt – klappt prima. Das sollte auch ohne einen – ich nenne es mal familiär geschulten – Kameraden klappen können. Aber dazu braucht es eben Aufklärung, bei Lehrern, Eltern und vermutlich auch Betroffenen.

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  • 02.08.2012 um 15:33
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    „Leider fällt es ADHS-Kindern und Jugendlichen häufig in ihrer “normalen” Umgebung so unglaublich schwer, echte Freundschaften zu knüpfen bzw. dauerhaft zu halten. Das Gefühl “anders als die Anderen” zu sein, scheint wie ein Makel sich auch auf Freundschaften und soziale Kontakte zu übertragen. In der Klinik erlebe ich es nicht nur bei den ADHSlern so, dass das Ausgrenzen bzw. Mobbing bzw. Bullying echt üble psychische Folgen hinterlässt. Das Missbrauchen von Vertrauen bzw. Aufkündigen von Freundschaften ist eine sehr häufige Erfahrung von Jugendlichen mit ADHS.“

    Das Dabei-Sein wird überschätzt. Es ist immer ein Selbstverrat mit einer Anpassung verbunden. Wer Anders ist, sollte sein Anders-Sein akzeptieren lernen und wo ginge das besser als sich in Gemeinschaft mit Anders-Seienden zusammen zu schließen? Schwierig ist es für Personen, die sich immer Anders vorkommen. Wie auch bei mir. Es ist ein Dasein als Fremdkörper und kann nicht geändert werden, weil das Andersartige nicht durch sich selbst in das Kollektiv eingehen kann, sondern vom Kollektiv integriert wird oder zum Fremdkörper erklärt. Erst dann wenn der Fremdkörper seine Fremdheit aufgibt, kann er zu einem Teil des Ganzen werden – Ein Selbstverrat, der mit Selbstverleugnung einher geht. In der Gesellschaft ein absolut normaler Vorgang, völlig alltäglich und jederzeit überall erwartet und mit dem Euphemismus „Anpassung(sfähigkeit)“ getarnt. Nein, es geht darum in einer Gesellschaft mitzumachen, die des Mitmachens im allgemeinen nicht würdig ist.

    Was ist dann also die Aussicht?

    Schatten ist dort, wo es auch Licht gibt. Also muss man in der Gesellschaft das tun, was ich schon schrieb: Den Aussenseiter suchen. Den Menschen, der die Gemeinsamkeit mitbringt und Gleichzeitig sollte man eine Metasicht auf die Sachlage des Ausgesondert seins entwickeln: Wir sind alle Menschen und als solche alle unerträglich erträglich. Nicht zu ertragende Bereicherungen. Unfreundliche Nachbarn, die trotzdem von Zeit zu Zeit hilfsbereit sind. Rücksichtslose Autofahrer, die doch an der nächsten Kreuzung Vorfahrt geben.

    Erkenne den Menschen in dir und im Anderen. Dann ist auch als Fremdkörper das Leben nicht mehr Ausgesondert, sondern auf einer vereinenden Basis lebbar. Du wirst sozial immer noch ausgegrenzt sein und das ändert sich wohl nie, aber du hast einen inneren Ruhepol geschaffen, der dir Frieden ohne Kompromiß und Lügengebäude ermöglicht und im Kern zutiefst menschlich ist, weil er auf Nächstenliebe basiert.

    Eltern und Therapiepersonal bleibt wirklich nur zu empfehlen Menschen die Anders sind nicht immer einfach der Andersartigkeit zu berauben, sondern ihnen zu helfen ihre Leben eben Anders zu leben. Anpassungszwang ist Mord am Anders-Artigen. Das Anders-Artige Selbst-Bewußt machend und dieses Bewußtsein auf Fremd-Artiges ausdehnen – Damit wäre uns in unserer Welt schon erheblich geholfen.

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  • 31.07.2012 um 21:50
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    Vielen Dank für den Blog, lieber Dr. Winkler. Sie sprechen ein trauriges Thema an, dass ich bei meiner Tochter, 8 Jahre alt und ADHSlerin, oft erlebe.

    So kürzlich: Zunächst ist sie, nicht zum ersten Mal, mit einer Freundin zum Spielen verabredet – um dann drei Wochen später von der gleichen Freundin nicht zur Geburtstagsparty eingeladen zu werden. Wie soll das eine achtjährige verstehen? Warum tut man ihr das an?

    Wir vermuten bei der Auswahl der eingeladenen Kinder auch die Eltern hinter, die sich einerseits gern als aufgeklärte Gutmenschen geben, wenn es aber um das eigene Wohlbefinden geht, offenbar keinen Bock auf Stress durch eine wilde ADHSlerin haben.

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  • 31.07.2012 um 19:58
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    Freundschaften, eine traurige Geschichte.

    Und für unangenehme Aufgaben lasse ich mich noch immer instrumentalisieren. In der derzeitigen Krise ganz besonders. Danach kann die „Mohrin“ dann gehen.

    Nach dem Lesen des Textes verstehe ich einen psychogenen Anfall vor einiger Zeit. Völlig erschreckt bin ich nachts hochgeschossen (ich hatte mich mal wieder so richtig instrumentalisieren lassen). Was mit mir geschah, wusste ich einfach nicht!

    Wusste nur, was am Tag und einige Zeit vorher passiert war. Geradezu kopflos rannte ich aus dem Haus und plötzlich wusste ich wie Kurzschlusshandlungen passieren.

    In Vereinen hatte ich nie ne Chance – es funktionierte einfach nicht.

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  • 30.07.2012 um 18:42
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    Als ich diese text lese, kommt viel traurigkeit hoch… Meine schulzeit war nicht viel anders als wie es beschrieben ist und diese thema ist heute in mein leben immer noch sehr aktuell.

    Aber es tröstet mich auch zu sehen dass es bei ADSler nun mal so ist, also, es ist nicht mein schuld.

    Ich denke dass solche veranstaltung diese kinder sicher gut tuen! Mich tut meine monatliche SHG-treff auch sehr gut, da ich dort mich selbst sein darf. Seit jahren.

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  • 29.07.2012 um 21:36
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    Stimmt.
    Auch, wenn es den einen oder anderen „Durchhänger“ während der Freizeit gibt.
    Nach 4 Wochen TOKOLive werden hier schon Verabredungen für die nächste Freizeit getroffen.
    Und „Entzugserscheinungen“ müssen aufgefangen werden.

    3 Tage vor Schulbeginn kommt jetzt das ungute Gegühl wieder. Der erste Schultag ist immer am schlimmsten: wenn die Freunde sich um den Hals fallen….während man selbst verloren da steht.

    Größer kann der Kontrast nicht sein.

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