Neuroleptika erhöhen Diabetes-Risiko bei Kindern

Ganz klar. Psychopharmaka (bzw. überhaupt Medikamente) sollte man gerade im Kindes-und Jugendalter sowenig wie möglich einsetzen. Das gilt aber ganz speziell für Neuroleptika, auch für die sog. „neueren“ atypischen Neuroleptika wie Risperidon (z. Risperdal), Seroquel, Zyprexa oder Abilify.

Nun könnte man natürlich annehmen, dass das auch gar nicht vorkommt. Schliesslich ist eine Psychose im Kindesalter als Hauptindikation für Neuroleptika eben eine absolute Seltenheit. Zumindest würde man dann annehmen, dass die Behandlung in extrem hochspezialisierten Zentren der Kinder- und Jugendpsychiatrie erfolgt.

Mehr oder weniger still und heimlich haben sich aber Neuroleptika einen ganz erheblichen Markt im Bereich von verhaltensauffälligen, weil „aggressiven“ Kindern erarbeitet. Zunächst über die Hintertür „bipolare Störung“, was aber (zumindest aus europäischer Sicht) auch noch eine Rarität darstellt.

Aber eben auch in zahlreichen Kinder- und Jugendpsychiatrien bei Kindern, die eigentlich eine Störung mit oppositionellem Trotzverhalten, Störung des Sozialverhaltens oder sogar allein ADHS haben. Oder die sonstwie durch eine besondere affektive Labilität und Verhaltensauffälligkeiten mediziert werden.

Somit werden heute weit mehr Rezepte für Neuroleptika derartige Indikationen ausgestellt, als für die klassische Psychosen. Dabei stieg in den letzten Jahren in den USA (aber sicher auch bei uns) die Verordnung bei Kindern um den Faktor 7, bei Teenagern war eine fünfmal höhere Verschreibungsrate zu verzeichnen !

Schon länger ist bekannt, dass die atypischen Neuroleptika ein erhebliches Risiko für eine Erhöhung des Blutzuckers bzw. die Entwicklung von Typ 2 Diabetes haben.

Wayne Ray von der Vanderbilt Unversität in Nashville hat nun bei Kindern ein dreifach erhöhtes Risiko für die spätere Entwicklung von Diabetes mellitus (Typ 2) ermittelt, wenn sie mit Neuroleptika behandelt wurden. Hauptursache ist wohl der Gewichtsanstieg durch Appetitsteigerung bzw. Bewegungsmangel durch Müdigket.

Schon heftig !
Immer wieder wird über die angebliche Gefahr von Methylphenidat und Co. geschrieben. Aber wann wird mal in der Öffentlichkeit registriert, dass die Fehlbehandlungen mit Neuroleptika viel  gefährlicher sind ?

Wobei ich feststellen möchte : Egal welche Medikation auch immer, sollte sorgfältig ausgewählt und eben auch überwacht werden. Und wer allein auf Medikation setzt, dem ist eh nicht zu helfen.

Ein Gedanke zu “Neuroleptika erhöhen Diabetes-Risiko bei Kindern

  1. Dreifach erhöht heißt jetzt?

    statt 0.000021 Prozent 0.000063 Prozent?

    Also von 100000 Betroffenen 6,3 Fälle? statt 2,1?

    Also mehr ist ja richtig. Erheblich mehr auch. Aber in der Wahrnehmung klingt das nach einer vielzahl von Fällen, nicht so geringe Zahlen, wie sie oft vorkommen, weshalb auch nicht die totalen Zahlen sondern gerne solche Ableitungen verwendet werden.

    Wie sind die zahlen bitte genau? Darauf sollte man sich bei der Berichterstattung konzentrieren. Bitte mehr Klarheit.

    X mal so hoch wie normal ist eben keine sehr fundierte Aussage. Auch wenn das wohl zur anschaulichen Aussage dienen soll, so sehe ich hier doch das Problem, das dreimal so hoch wie Null immer noch Null wäre.

    MFG

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