ADHS und Bildschirmmedien (Teil 26)

Verursacht Bildschirmmedienkonsum ADHS?
Heisst das alles nun eigentlich, dass ADHS in der Folge eines überhöhten Bildschirmmedienkonsums entsteht? Einiges deutet tatsächlich darauf hin. Auch wissenschaftliche Studien weisen in diese Richtung. Trotzdem: Ich habe in meiner Arbeit bisher keine Beobachtungen machen können, welche auf einen zwingenden Kausalzusammenhang zwischen ADHS und Bildschirmmedienkonsum hinweisen könnten. So behandelte ich beispielsweise eine ganze Reihe von Kindern mit einer ADHS, deren Eltern eine Landwirtschaft betreiben. Diese Kinder sind oft draussen, haben vielen Kontakt mit der Natur, schauen kaum fern – und leiden trotzdem an einer ADHS. Ausserdem stelle ich immer wieder fest, dass sich bei meinen jungen Patientinnen und Patienten relevante ADHS-Symptome schon sehr früh in der Kindheit manifestierten, zu einem Zeitpunkt also, an welchem Bildschirmmedien noch gar keine Wirkung entfalten konnten.

Ich weiss aber zwischenzeitlich aus meinen Erfahrungen in der psychotherapeutischen Arbeit mit ADHS-Betroffenen, dass ein problematischer Konsum von Bildschirmmedien die ADHS-Problematik eines Kindes massgeblich verschärfen kann. Und ich bin mir heute sicher, dass positive Veränderungen im Bildschirmmedienkonsumverhalten bei sehr vielen Kindern den Therapieverlauf positiv beeinflussen können. Dabei geht es nicht um ein Entweder-Oder (also „Velo-Projekt“ statt Ritalin), sondern darum, dass eine Behandlung von Kindern mit einer ADHS massgeblich optimiert werden kann, wenn die leider häufig vorliegende Medienkonsum-Problematik mit reflektiert und modifiziert wird.

Letzztr Teil: Morgen 20:00, gleicher Kanal.

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