Verhaltensauffällige Deutsche versus Inklusion

In Deutschland wird Inklusion gerade heiss diskutiert. Aber beim Lesen der „Leserkommentare“ zu den derzeitig inflationär erscheinenden ADHS-Artikeln bei SPON, dem wirklich lesenswerten Artikel von Lauer als Erwiderung auf den FAS-Artikel oder anderen Medien wird mir kotzübel beim Lesen einiger Leserkommentare.

Nicht die angeblich so schwer gestörten ADHS-Kinder sind hier verhaltensauffällig. Wir leben offenbar in einer Gesellschaft von verhaltens- und sozialgestörten Deutschen. Das bezieht sich ja nicht allein auf ADHS. In einem anderen Artikel las ich vorhin, dass Bürger gegen ein Hospiz in Harburg klagen wollen. Weil ihren Kindern der Anblick von Krankenwagen und Leichenwagen nicht zumutbar sei. Dass Kindergärten oder Kinderkrippen, Spielplätze und jeglicher Ausdruck von Lebendigkeit natürlich auch unzumutbar ist, versteht sich da schon fast von allein.

Natürlich soll es eine Pluralität von Meinungen geben. Aber viele Deutsche scheinen halt eine Meinung, ohne eigene Fachkenntnis bzw. eigene Auseinandersetzung zu haben. Spiegel, FAZ, Süddeutsche sind ja noch nicht einmal die Medien der totalen Volksverdummung. Umso schlimmer, wenn dann auch noch angebliche Akademiker sich mit solchen Kommentaren selber ein Höchstmaß von Sozialdarwinismus bzw. Abwertung von Kindern und ihren Familien erlauben.

Da wird Legasthenie, Dyskalkulie und ADHS in einem Zusammenhang mit Arschlocheritis gesetzt. Nur ein Beispiel zum unterirdischen Niveau.

Ich schäme mich für diese verhaltensauffälligen Deutschen. Sie sind nicht im medizinischen oder psychologischen Sinne krank. Sie sind einfach nur widerwärtig.  Schon allein, weil sie die Grundlagen unseres sozialen Systems nicht verstehen wollen oder können. Aber natürlich im Sinne von Egoismus sich alle persönlichen Vorteile herausziehen.

Bis dann die eigene Famiie betroffen ist.

ADHS-Betroffene haben ein feines Gespür für derartige Ungerechtigkeit und Schmarotzer. Aber sie ecken gerade dann an, wenn sie es ansprechen, dass es eben die scheinbar „Gesunden“ sind, die sich in einem hohen Maß asozial verhalten.

Leider.

8 Gedanken zu „Verhaltensauffällige Deutsche versus Inklusion

  • 26.02.2012 um 21:58
    Permalink

    @lin: Achsoooooo….. dann bin ich mal wieder in Charles de Gaulle gelandet obwohl ich nach Bratislava fliegen sollte… sorrrryyyyy, passiert mir leider gelegentlich.

    Was den Aggro-Ton angeht: Ich hab da ne eigene Hypothese zu der ich gern mal ein paar Meinungen wüsste: Wenn man ADHS hat, ist man bleibend anders als der Rest. Aber nicht sooo „bekloppt“, dass einen die Leute schön bequem in geschlossene Einrichtungen schieben können und dann vergessen können. Also man entspricht nicht der Norm, ist aber fähig genug, seinen Beitrag zu leisten. Und das macht vielleicht vielen Leuten einfach nur Angst. Nur so als Idee von mir.

    Antwort
    • 27.02.2012 um 10:04
      Permalink

      Okay, vielleicht sollte ich bischen präziser ausdrücken was ich meine: Die Leute können es sich nicht einfach machen mit einem!
      Weder „ist alles halb so wild mit anständiger Erziehung bzw. einfach nur Disziplin erledigt sich alles“ noch „ist schwer gestört, ab in die Geschlossene! Aus den Augen aus dem Sinn!“

      Antwort
  • 26.02.2012 um 12:02
    Permalink

    <<<Das Kindergärten oder Kinderkrippen, Spielplätze und jeglicher Ausdruck von Lebendigkeit natürlich auch unzumutbar ist, versteht sich da schon fast von allein.<<<

    Ja, hier bei uns ist das so weit eskaliert, dass mein 10 jähriger Sohn (auch weil er seine Katze wieder haben wollte, die bei dem betreffenden Mensch auf dem zum Spielplatz angrenzenden GrundstÜck war) mit einer Schusswaffe bedroht wurde.

    Das Ermittlungsverfahren läuft, aber da bei der Hausdurchsuchung 8 wochen später (oh Wunder!!!) keine Waffe gefunden werden konnte ausser der Spielzeugpistole die er angeblich benutzt hat braucht man sich über den wahrscheinlichen Ausgang des Verfahrens nix vorzumachen. Mein Sohn hingegen hat einen ziemlichen Knacks abbekommen, der hatte nämlich Todesangst und ist nun in psychotherpeutischer Behandlung.

    Antwort
    • 26.02.2012 um 12:14
      Permalink

      Ach ja, und von den scheinbar Gesunden wurde uns abgeraten dem Mann auch nur irgend was zu wollen, weil das ja doch nichts bringt… ausser Ärger.

      Antwort
  • 25.02.2012 um 12:33
    Permalink

    Ich hatte vor so… ca. zweieinhalb Jahren… in einem christlichen Forum eine Diskussion mit einem sehr… entschiedenen Verfechter seines Standpunktes, der angab, Pfleger in der Psychiatrie zu sein.
    Sein Standpunkt: ADHS gibt es nicht, Ritalin ist ne Droge mit ganz furchtbaren Nebenwirkungen die automatisch süchtig macht (und weil ich süchtig bin vergesse ich auch regelmäßig, es zu nehmen??), das alles wurde nur ausgebrütet von der gewissenlosen Pharmaindustrie.
    Als ich so grob umriss, dass ich selbst mein ganzes Leben lang wusste, dass ich irgendwie anderst bin, -zigmal trotz Willen und keineswegs verminderter Intelligenz im Leben auf die Schnauze geflogen bin ohne die leiseste Ahnung warum oder wieso, usw. usf. war die Empfehlung an mich etwa die: ADHS kanns nicht sein denn das gibt es ja nicht, aber ich bin irgendwie behindert und soll mir einen ruhigen Platz suchen und mich nicht von der Leistungsgesellschaft dazu drängen lassen beruflich irgendwas zu werden. Die gute Frage ist nur: Werde ich als jemand der sich für sehr viele Dinge interessiert, genau erklären kann warum ein Flugzeug fliegt und dazu neigt bei längerer Langeweile todtraurig zu werden, mit lebenslangem Flaschensortieren wirklich glücklich??
    Frage von ihm an einen weiteren Mitdiskutanten: „Hast du schonmal so einen [Süchtigen] gesehen dem man sein Ritalin wegnimmt??“ Frage von mir: Hat der schonmal einen Diabetiker gesehen dem man sein Insulin wegnimmt??

    Ich meine: Fast am widerlichsten sind die Leute, die sich auf der einen Seite einen ach so tollen toleranten Anstrich geben „jaja, die böse Leistungsgesellschaft“ und einen dann auf der anderen Seite eben doch in die behindert=“komm, gehFlaschen sortieren“-Schublade stecken wollen wenn man nicht ganz dem erwünschten Schema enstpricht.

    Antwort
  • 24.02.2012 um 22:45
    Permalink

    Warum sind diese Kommentare soooo giftig? Dumm und ignorant darf man ja sein.. aber ich kapiere nicht, warum diese Artikel überhaupt kommentiert werden und eben, warum so giftig?
    Es nimmt doch niemandem was weg, wenn jemand anders ADS hat oder Ritalin nimmt? Die meisten kennen ja nicht einmal jemandem mit ADS persönlich.. geschweige dann ein Kind das ADS hat. Ich kenn übrigens auch kein Kind mit ADS, ausser der inzwischen erwachsenen Tochter einer Bekannten.

    Antwort
    • 25.02.2012 um 20:01
      Permalink

      Ganz einfach: Ich schätze, dass es Herrn Winkler und Herrn Rossi in letzter Zeit einfach nur REICHT!!! und beide auch mal Dampf ablassen müssen.

      Diese letzte ADHS-gibt-es-nicht-Welle ist ja für mich schon hochgradig übel, dabei bin ich nur jemand mit ADHS der versucht sein Leben in irgendeine Art Gleis zu bringen.
      Es gibt ein paar Menschen zu denen ich in den letzten paar Jahren Vertrauen fassen konnte und denen ich erzählen konnte was mit mir los ist. Nun: Was denken die, wenn die jetzt z.B. diesem FAS-Müll mehr Glauben schenken als mir?? Kurz: ICH bin schon… massiv angefressen durch das ganze Zeug.

      Bei Herrn Winkler und Herrn Rossi kommt natürlich noch mehr von dem Zeug an.
      Hinzu kommt, dass es beide in ihrer Berufsehre kränkt. Es stellt genau das infrage, wofür sich beide seit Jahren die Kehrseite spreizen und diskreditiert sie und andere Fachleute dadurch.

      Antwort
      • 25.02.2012 um 21:45
        Permalink

        Sorry, ich meinte nicht Herrn Rossi und Winkler, sondern die, die Artikel kommentiert hatten.
        Diese Menschen von der Strasse.. irgendwelche…

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: