ADHS und Fehlerkorrektur: Ritalin hilft (auch hier)

Ich bereite gerade eine Fortbildung für Lehrer zum Thema ADHS vor. Ein Teil der vielfältigen Aufgaben von „Paukern“ ist ja die Korrektur von Klassenarbeiten. Um die Lehrerinnen und Lehrer vor zu vielen Fehlern und damit Arbeitsüberlastung zu schützen, wäre es günstig, dass die Schüler möglichst vor Abgabe der Arbeit eigene Flüchtigkeitsfehler bemerken und korrigieren. Soweit die Hoffnung.

Wenn man Kinder mit einer Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beobachtet, so sind sie sich häufig ihrer eigenen Fehler nicht bewusst. Sie wollen wie alle anderen Kinder keine Fehler machen, aber irgendwie versagt die Fehlerkorrektur oder setzt halt gar nicht erst ein.Vielmehr wird impulsiv weiter gemacht, obwohl eigentlich ein inneres Stop-Signal aufleuchtet (oder vielleicht besser: aufleuchten sollte) und zu einem erneuten Nachdenken und Überprüfen der Aufgabe führen müsste.

Entweder werden so Flüchtigkeitsfehler übersehen oder aber unter dem emotionalen Druck noch neue Fehler hineinkorrigiert. Auch beim Korrigieren (Abschreiben der richtigen Worte oder Rechenaufgaben) machen ADHS-Kids mehr Fehler als ihre Klassenkameraden.

Das ist doppelt frustrierend. Einerseits beherrschen viele Kinder und Jugendliche ja den Lernstoff. Sie können nur eben in der Situation der Prüfung das Wissen nicht anwenden. Dann unterlaufen ihnen mehr Flüchtigkeitsfehler, aber das automatische Korrektursystem springt nicht an.

Ich habe neulich mit einer Lehrerin gesprochen, bei der das Korrektursystem extrem gut ausgeprägt ist. Ihr fallen schon beim Querlesen Fehler auf (ideal für die Korrektur von Tippfehlern in unserem Blog!). Sie muss sich eher zusammenreissen, die Kinder im Unterricht nicht dauernd auf die Fehler aufmerksam zu machen, sondern sie auch (mal) für den guten Text mit den fehlerfreien Worten zu loben.

Bei ADHS-Kindern scheint übrigens nur die Aktivität in den Zentren für die Verhaltenskorrektur und damit auch der Fehlerkontrolle auffällig zu sein: Dies hat man neuroanatomisch mit funktioneller Bildgebung (funktionelle Kernspintomographie) feststellen können. Forscher aus Australien haben Hirnbereiche identifiziert (dorsal anterior cingulate [dACC] und  inferiorer Parietallappen [IPL]), die für das Registrieren von Fehlern verantwortlich sind.

Und: Methylphenidat führte dazu, dass die Probanden mehr Fehler selber bemerkten und korrigieren konnten. Dies war sowohl im Vergleich zu Kindern ohne ADHS der Fall, aber eben auch im Vergleich zu anderen Substanzen, die getestet wurden .

Nein, Methylphenidat ist dabei kein Doping, das die ADHS-Kinder nun intelligenter macht. Um eine Fehlerkorrektur machen zu können, muss man die richtige Antwort ja kennen. Aber genau das ist ja das Problem bei der ADHS: ADHS-Kids wissen, was sie wissen sollen. Sie können es nur nicht so anwenden, dass es auch in einer Prüfung leistungsmässig zum Ausdruck kommt.

Da wir halt nicht nur bei Klassenarbeiten Fehler machen und man aus Fehlern nur lernen kann, wenn man sie auch bemerkt, halte ich derartige Untersuchungen schon für sehr relevant.

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