Konstruktive ADHS-Kritik (Teil 3: Dauerrezepte?)

Immer wieder kommt es vor, dass sich die Eltern ehemaliger Patientinnen und Patienten nach langer Zeit wieder bei uns in der Praxis melden. Meistens sind es Probleme in der Schule oder der Ausbildung, welche Anlass zur Anmeldung geben. Teilweise habe ich die Patientinnen und Patienten während mehrerer Jahre nicht in der Sprechstunde gesehen. Oder es melden sich Eltern mit Kindern in der Praxis, welche vor zwei, drei oder mehr Jahren von einer anderer Stelle abgeklärt wurden und seitdem mit Stimulanzien behandelt werden.

Oftmals stelle ich dabei fest, dass mit einer einmal begonnenen medikamentösen Therapie ohne Überprüfung der Indikation über Jahre hinweg fortgefahren wird. Bei vielen von mir untersuchten Kindern ging in diesen Fällen meine damaligen Empfehlungen nach jährlichen Standortbestimmungen und kontrollierten Auslassversuchen vergessen.

Ich gewann den Eindruck, dass einmal begonnene medikamentöse Therapien mit Stimulanzien zu oft unhinterfragt und ohne Überprüfung über Jahre hinweg fortgesetzt werden. Problematisch dabei ist vor allem, dass allfällig notwendige Anpassungen der Dosierung (und mögliche positive Auswirkungen in Schule und Familienalltag) versäumt wurden.

Behandlungen mit Stimulanzien dauern in der Regel mehrere Jahre. Das aber rechtfertigt es nicht, auf Jahre hinaus „Dauerrezepte“ auszustellen. Ich würde es begrüssen, wenn die Indikation für Therapie mit Stimulanzien häufiger überprüft würde.

Übersicht über alle Beiträge zum Thema „Konstruktive ADHS-Kritik“

2 Gedanken zu „Konstruktive ADHS-Kritik (Teil 3: Dauerrezepte?)

  • 08.03.2012 um 12:22
    Permalink

    Dieses Thema interessiert mich auch, weil ich zwei Kinder habe die mit Stimulanzien behandelt werden (eines seit 2 Jahren und eines seit 7 Jahren). Wie kann/sollte diese jährliche Überprüfung ihrer Meinung nach aussehen.

    Meine Kinder werden beide vom Kinderarzt behandelt. Die Medikation wird bei Bedarf auch angepasst: Meine Kinder werden einmal im Quartal bei dem Arzt vorstellig, neben Blutdruck und Gewicht erfragt der Arzt auch immer wie es läuft und ob es (neue oder alte) Probleme gibt. Danach richtet sich dann auch eine Dosisanpassung (wenn nötig), meist eine Erhöhung nach Wachstumsschub und der Zunahme von Problemen, wir hatten es bisher nur einmal das wir für den Zeitraum eines Jahres die Dosis um 5 mg reduzieren konnten nach einem Schulwechsel, die neue Umgebung tat ihm zusehends gut, vorallem weil der Schulalltag recht gut strukturiert war.

    Antwort
    • 08.03.2012 um 14:55
      Permalink

      Wunderbar. Dann läuft das ja gut! Mehr an (Verlaufs-) Kontrolle braucht es normalerweise nicht. Der Kinderarzt kann so eine gute Beziehung zu den Kindern aufbauen und wird weitergehende Massnahmen wie z.B. eine Psychotherapie verordnen, falls sie erforderlich sein sollte.

      Antwort

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: