ADHS Journalisten Welt

Bisher ist die Welt (bzw. Welt-Online) nicht gerade durch sinnreiche Artikel im Bereich ADHS aufgefallen. Daher sollte man mal verhaltenstherapeutisch die Anstrengungsbereitschaft der Journalistin Claudia Becker verstärken, bzw. loben …

Natürlich gehe ich nicht mit allen Polarisierungen des Artikels und der Gleichsetzung des „Gut-Menschen“ Hüther gegen die ach so böse Medikamentenwelt konform. Das ist wieder ziemlich typische Einfachdenke.

Dafür bemüht sich die Autorin aber ein wenig von dem Leidensdruck des Kindes bzw. der Familien darzustellen, die eben mit ADHS leben müssen, aber eben auch leben können. Wann ist ein Kind normal ? Ich würde ja eher die Frage aufwerfen: Was an diesem Kind ist denn alles besonders, bzw. positiv ausgeprägter als bei den Neuronormalen?

Der Krankheitsanteil macht doch nicht das Kind und auch nicht seine Persönlichkeit aus! Vielmehr behindert eben die Ausprägung der neurobiologischen Störungen gerade, dass sich seine Entwicklung und Teilhabe in der Familie, Freundeskreis, Schule etc. so entwickeln kann, wie es sich entwickeln könnte. Warum lassen wir also ein Kind mit dieser Entwicklungsverzögerung bzw. Beeinträchtigung höherer Handlungsfunktionen nicht sich so entwickeln, wie es heute möglich wäre? Warum verteufeln Journalisten immer noch eine psychologische und medikamentöse Behandlungsoption, die dem Kind zur freieren Entfaltung seiner Möglichkeiten hilft? Wann ist es normal, dass ein Kind eben ADHS haben darf, so wie andere Kinder eine Asthma-, eine Diabetes-Erkrankung oder vielleicht schlicht eine Brille oder Kontaktlinsen brauchen?

ADHS-Kinder haben eine Entwicklungsbehinderung, die jetzt weniger in der Disposition allein liegt, sondern an der moralisierenden Bewertung und Fehlreaktionen in ihrer Umgebung mitgeprägt werden. Die Kinder und ihre Familien werden merkwürdigerweise dann stigmatisiert, wenn sie sich für eine Behandlung entscheiden. Dann wird suggeriert, dass die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz entmündigt, zu doof oder faul werden und es sich „zu einfach“ machen. Dabei setzen sie sich dann nur dafür ein, dass sich ihre Kinder eben wie normale Kinder entwickeln können.

Wann ist ein Kind normal? Wenn es eben auch die Möglichkeiten einer Behandlung bekommt, wie sie nach den Leitlinien und Therapieempfehlungen vorgesehen sind.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: