ADHS und Übergewicht

Hat ein Knabe mit einer ADHS ein erhöhtes Risiko für Übergewicht im späteren Leben? Das war die Frage, die sich ein internationales Team von Forschern gestellt hatte. Sie sammelten Daten von 207 Jungen, bei denen im Alter zwischen 8 und 12 Jahren eine ADHS diagnostiziert wurde. 178 Jungen ohne ADHS wurden für den Vergleich rekrutiert. Mit der Mehrheit der Teilnehmer wurden dann während mehr als 30 Jahren im Alter von 18, 25 und 41 Follow-up-Untersuchungen durchgeführt.

Die Ergebnisse? Männer mit der Kindheit ADHS hatten einen signifikant höheren Body-Mass-Index im Vergleich zu denen ohne ADHS (Durchschnitt BMI 30,1 gegenüber 27,6 der Kontrollgruppe). Fettleibigkeit (also ein nochmals deutlich höherer BMI) trat ebenfalls öfters auf bei Männern mit ADHS in der Kindheit (41,4 % versus 21,6 % in der Kontrollgruppe).

Warum dieser Zusammenhang zwischen ADHS und Übergewicht? Die Forscher sagen, mangelnde Impulskontrolle und reduzierte Planungsfähigkeiten könnten zu den schlechten Ernährungsgewohnheiten geführt haben.

Die Resultate und die postulierten Ursachen verwundern nicht. Wohl aber die Tatsache, dass die Untersuchung nur mit Männern durchgeführt wurde. Und dies, obwohl Frauen psychisch mehr unter ihrem Übergewicht leiden als Männer. Und das nicht erst seit 30 Jahren.

Da ich nur die Zusammenfassung, nicht aber die Studie selbst kenne, weiss ich nicht, ob die Forscher sich dazu geäussert haben oder nicht. Und auch nicht, ob und inwiefern andere mögliche Faktoren, welche diesen Zusammenhang bedingten, berücksichtigt bzw. herausgerechnet wurden.

Selbst wenn man vor dreissig Jahren noch fest daran glaubte, die ADHS sei Knaben vorbehalten, hätte man später meines Erachtens das Studiendesign anpassen können.

2 Gedanken zu „ADHS und Übergewicht

  • 21.05.2013 um 14:27
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    Habs ja schon öfters erwähnt. Es geht nicht nur um die Planungsfähigkeit, sondern auch um die Selbstmedikation, für die andere Alkohol oder Literweise Kaffee nutzen um die Symptome der ADHS zu unterdrücken.

    Das logische System, Streß und Unruhe durch Essen zu kompensieren ist weit verbreitet und hängt vom Stoffwechsel- bzw. Konstitutionstypen ab. Es gibt eben jene, die nichts essen können! unter Streß, und diejenigen, die unter Streß mehr essen. Beide haben in aller Regel unterschiedliche Konstitutionen.
    Streß wirkt im Körper nun einmal über die HPA Achse. Da greifen alle! bei Streß zu einem ihnen individuell gelegenen Regulationsinstrumentarium und dazu gehört der Konsum von Nahrungsmitteln sowieso, da die Aktivierung durch Streß einen Mehrbedarf an Energie bedeutet. Der Körper arbeitet auf höheren Touren und produziert viel Cortison, das letztlich über das viszirale Fettgewebe abgebaut wird, wobei auch wiederum fetthaltige Nahrungsmittel eine erhebliche Rolle spielen.

    Dieser Kreislauf ist nicht dem Willen unterlegen wenn die individuelle Konstitution entsprechend ausgelegt ist, anders als es die Apostel der Ernährungsideologien immer postulieren. Diesen (fast immer dünnen hageren Leuten – Dicke Ernährungsberater nimmt ja keiner ernst!) fällt es leichter auf Nahrung zu verzichten und sie nehmen dadurch auch ab, weil sie ihren Körper und sich selbst unter Streß setzen und dieser anders reagiert als es bei Menschen mit eher gegenteiligem Stoffwechsel der Fall ist.

    Sobald sich solche Menschen entspannen legen sie an Gewicht zu, wenn der sonst durch Streß dicker werdende Mensch sich entspannt, nimmt er dadurch ab. Das ist eines der Hauptmißverständnisse in der Ernährungsideologie, das aus irgendwelchen Gründen nicht richtig wahr genommen wird oder werden soll und unter die verbreiteten Ernährungslehren durch eine bestimmte Klientel auch nicht weiter beleuchtet wird. Denn in den Ernährungslehren geht es immer um eine vermeintlich 100 Prozentige Kontrolle des Essverhaltens. Wohin diese Ideologie führt sieht man an Magesucht und Ernährungsstörungen schon im Vorschulalter! Aber diese ideologische Indoktrination wird sogar von Staats wegen abgesegnet und die oft selbst Essgestörten Berater/innen (meist sinds Frauen) in die Kindergärten und Schulen geschickt, damit sie den Kindern, die sich nicht wehren können schon Angst und Bange machen vor Kalorienbomben, Fettschreckgespenst und Übergewichtshölle.

    Soweit die „Normalen“. Davon trennen muss man die ADHSler, die eben nicht nur diesen Norm-Streß haben, sondern durch die ADHS Defizite und eigenen Störmechanismen die das Stressniveau vervielfältigen. Gerade dann wenn einem Menschen nicht bekannt ist was das mit der Unruhe und ADHS auf sich hat! Irgendwann wird man doch meschugge wenn man nicht zu innrerer Ruhe und Gelassenheit finden kann. Das einige dann dazu neigen extrem zu essen, um diese Unruhe in den Griff zu bekommen, ist nur ein logischer Schritt! Wenn dann die Konstitution mitspielt, kommen durchaus ansehnliche Gewichte zustande. Behandelt werden diese Menschen eigentlich nicht, sondern oft eher mißhandelt. Wie es schon immer mit ADHSlern oder eben Menschen gewesen ist, sie werden anhand eines Moraldefektes (Fehlende Esskontrolle!) bewertet und an dieser Stelle „behandelt“. Ab in das Mühlrad einer sehr viel mehr durch Ideologie und nicht durch wissenschaftliche Fakten gesteuerten zwangsweisen! Ernährungs“beratung“ und einseitigen Pseudodiagnostik, die eigentlich immer so ausschaut: Zu dick? Zu viel gegessen! Die Ursachen werden eben nicht hinterfragt und wenn dann meistens simplifiziert und immer mit mahnendem Zeigefinger ausgeführt, das man ja nur die Kontrolle wahren muss, dann wird alles gut. Und genau daran kranken diese Ideen. Essverhalten minutiös kontrollieren zu wollen ist IMMER Krankhaft und dazu einen ADHSler (oder auch Stinos) dann (ver)erziehen zu wollen wird immer scheitern, wofür er dann die Schuld trägt…

    Insofern kann und muss man ja diesen Versuch dieser Studie ja positiv bewerten. Ob die Interpretationen jemals wirklich der Realität gerecht werden bei dem, was heute als Ernährungsideal durch die Köpfe geistert? Ich bezweifle das. Warscheinlich werden viele ADHSler in Zukunft Opfer der Verstümmelungsstrategie Adipositaschirurgie.

    Solche Opfer könnten vermieden werden wenn es endlich verbindliche umfassende Richtlinien gäbe, die eine Ursachensuche bei Übergewicht verpflichtend vorschreibt und nicht alle Schuld dem Patienten zuschiebt und Ärzte und Kliniken aus der Verantwortung entläßt eine eingehende Untersuchung durchzuführen.

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