ADHS bei Kindern: Wenn die Schule Probleme hat

Vorweg: Ob mein Sohn ADHS hat oder nicht, ist bisher nicht festgestellt. Er geht jetzt in die 3. Klasse unserer Grundschule. Ich weiss, dass dort ADHS-Kids anzutreffen sind. Die letzten 2 Schuljahre bzw. seine bisherige Entwicklung in der frühkindlichen Entwicklung, KiGa und auch sonstige Interessen zeigen nicht nur äußerlich, dass er von mir die ein oder andere positive oder nicht so positive Eigenschaft geerbt haben könnte.

Nun gut. Die Einschulung und die ersten 2 Schuljahre bei Frau H. waren überhaupt kein Problem. Nicht, dass mein Sohnemann nun immer ein Musterschüler war. Aber es hat ihm Spass gemacht neue Dinge zu lernen. Und die Lehrerin hat ihre Klasse „im Griff“ gehabt. Sie war präsent, freundlich und eben aktiv.

Nun ja, jetzt kam der Lehrerwechsel und es ist klar, dass die Schüler sich umstellen müssen und es da die ein oder andere Schwierigkeit gibt. Die neue Lehrerin ist um Jahrzehnte älter. Und plötzlich bricht in der Klasse das pure Chaos aus. Da ich nicht vermute, dass sich nun die Sommerferien in einem massiven Unerzogenheits-Schub der Schüler ausgewirkt haben, liegt die Unterstellung nahe, dass es mit dem Lehrerwechsel zu tun haben könnte.

Nun ja, vom Elternabend haben wir deshalb nicht erfahren, weil die Hausaufgaben eher freiwillig aufgeschrieben werden sollen bzw. die Lehrerin eben nicht mehr kontrolliert, ob die Kids nun aufpassen oder nicht. So haben wir keine Einladung erhalten. Von anderen Eltern haben wir aber erfahren, dass es in der Klasse „kocht“. Damit ist gemeint, dass es so laut im Klassenraum zugeht, dass sich einige Mädchen wegen ständiger Kopf- und Bauchschmerzen aus dem Klassenraum verdrücken. Und eben sich überhaupt nicht mehr auf den Stoff konzentrieren können.Jetzt brodelt es auch bei den Eltern, d.h. unser Sohn ist eben kein Einzelfall und in einem Dorf spricht sich sowas schnell herum.

Mein Sohn sitzt wohl in der letzten Reihe neben einem ADHSler. Ein Anruf der Lehrerin warum er denn so verträumt sei, haben wir mit der Empfehlung beantwortet, ihn doch nach vorne zu setzen. Das sagte sie zu, ist aber bis heute nicht passiert. Und laut ist es immer noch. Ein geübtes Diktat konnte Sohnemann nur einmal üben, weil er dann die Schulsachen in der Klasse liess (wie sie es auch machen sollen). Syndromtypisch hat er natürlich die „schweren“ Worte richtig und „einfache“ Worte wie „etwa“ als „etwar“ geschrieben. Was dann 5 Fehler macht.

Die Note ist mir bzw. uns natürlich egal. Aber es tut mir weh, wenn Kids in der Schule eben nicht aufpassen können. Einfach weil ich weiss, dass es in der Klasse weit stärker betroffene Kids gibt.

Leider bestätigt sich hier eine häufig anzutreffende Beobachtung :

In einem Schulumfeld mit Ruhe, strukturiertem Unterricht bzw. eben Führung der Lehrerin bzw. des Lehrers werden sowohl Kinder mit ADHS-Konstitution wie auch die „Stinos“ profitieren. Verändern sich die Umstände bzw. schlicht der Lehrer, werden mit zunehmendem Verlust von Strukturierung eben gerade die Kinder auffällig, die eine ADHS-Konstitution haben, hochsensibel sind oder aber eine Hochbegabung aufweisen. Dann bekommen paradoxerweise gerade diese Kinder, die Indikatorkinder für eine fehlangepasste Unterichtsform sind, die „Prügel“ bzw. ihre Eltern sollen sich rechtfertigen, warum ihre Kinder so sind wie sie sind.

Dies erinnert mich an den realen Fall eines Jungen, der in Bremen an einer Schule seiner Mutter beweisen wollte, welches Chaos in der Mathestunde herrscht. Er hat ein Handy genommen und den Unterricht gefilmt. Woraufhin die Lehrerin ihn wegen des Handys vom Unterricht ausschliessen wollte. Eigentlich müsste man Lehrer vor die Tür setzen dürfen, die schlicht keine Ruhe im Klassenzimmer herstellen können.

ADHS ist da keine Entschuldigung dafür, dass Lehrer in ihrem Job ungeeignet oder überfordert sind. Man kann erwarten, dass sie sich weiterbilden und zeitgemässe Unterrichtsformen und nicht die gleiche Leier über Jahre machen, wo dann schon vorherige Schulklassen drunter leiden mussten.

Um nicht falsch verstanden zu werden : Ich bin sehr wohl der Meinung, dass wir Eltern auch eine Verantwortung dafür tragen, dass ADHS behandelt bzw. strukturiertes Vorgehen und Ruhe geübt und auch konsequent sanktioniert werden. Das gelingt aber nur, wenn auch die Schule ein Umfeld bietet, das Lernen überhaupt erst ermöglicht.

Ruhe !

Attention
Ruhe und Aufmerksamkeit im Unterricht bei ADHS

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