ADHS und Bildschirmmedien (Teil 23)

Genauer hinsehen
Nach der Erfahrung mit der Familie Hoffmann habe ich begonnen, mich auch theoretisch intensiver mit diesem Thema zu befassen und bei allen künftigen Abklärungen eingehend auch das Bildschirmmedienkonsumverhalten und deren Folgen zu erfassen. Ich war erstaunt, dass schon damals dermassen viele empirische Untersuchungen zu diesem Thema vorlagen.

Ich habe einen Fragebogen verfasst, welchen die Eltern bei Abklärungen ihrer Kinder ausfüllen. Erfragt wird unter anderem, was genau und von wann bis wann das Kind in den letzten Tagen ferngesehen hat. Weitere Fragen betreffen Computer- und Konsole-Spiele (also was und wie viel), den Internetkonsum, ob die Kinder Fernsehen oder Computer im Zimmer haben, seit wann sie ein Handy besitzen und andere relevante Fragen. Die Eltern haben zudem die Gelegenheit, anzugeben, zu welchen positiven und welchen negativen Auswirkungen der Bildschirmmedienkonsum bei ihrem Kind führt.

Zwischenzeitlich habe ich mehrere Hundert dieser Fragebögen gesichtet. Leider fehlt mir die Zeit, diese Angaben zum Medienkonsumverhalten und der mögliche Zusammenhang mit der Art und dem Verlauf der Probleme des Kindes statistisch auszuwerten. Zusammenfassend kann ich aber Folgendes festhalten:

Die TV- und DVD-Zeiten meiner jungen Patientinnen und Patienten sind fast ausnahmslos hoch. Es gibt natürlich grosse Schwankungen nach oben und nach unten, aber die überwiegende Zahl der Kinder in meiner Praxis sieht rund zwei Stunden pro Tag fern. Bei Kindern aus meiner Praxis, welche älter als 13 Jahre alt sind, kommt es nicht selten vor, dass drei und mehr Stunden pro Tag ferngesehen wird. An Wochenenden heisst im Fragebogen häufig: vier oder fünf Stunden. Und immer wieder einmal steht einfach nur „ganzer Tag“ geschrieben.

Nun könnte man dem entgegenhalten, dies sei heute normal und alles andere als übertrieben. Und tatsächlich: Aktuelle Studien aus Deutschland ermittelten bei Jugendlichen eine durchschnittliche TV-Zeit von 110 Minuten pro Tag und einen Internet-Tageskonsum von durchschnittlich 135 Minuten. Durchschnittswerte hin oder her: Zwei, drei oder mehr Stunden Bildschirmmedienkonsum pro Tag sind definitiv zu viel. Das sagt alleine schon der gesunde Menschenverstand.

Fortsetzung: Morgen 20:00, gleicher Kanal

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