Wo alte Stammtischvorurteile wohnen und gepflegt werden

Durchaus lesenswert : Dr. Johannes Streif von ADHS-Deutschland zum Artikel „Wo die wilden Kerle wohnten“ in der FAZ.

Was mich halt traurig stimmt ist die Tatsache, dass hier auf einer POLITIK-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung offenbar Einfluss genommen wird. Ein Schelm, wer nun glaubt, dass die Redakteurin aus purem Interesse ihr Politik-Ressort verlässt.
Da stecken Interessen bzw. Einflussnahme dahinter. Und eben eine Gruppierung um die Sinnstiftung / Glaeske und Co., die sich dem evidenzbasierten Wissen zu ADHS widersetzt und sich nicht zu blöd ist, billige Vorurteile immer und immer wieder aufzuwärmen.

7 Gedanken zu „Wo alte Stammtischvorurteile wohnen und gepflegt werden

  • 15.02.2012 um 01:49
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    Wer die Berichterstattung über ADHS über lange Jahre verfolgt, weiss, dass vor allem im Frühjahr und im Herbst Hochkonjunktur dafür ist.

    Deshalb überrascht mich das nicht wirklich.

    Die dann in Gang gesetzte Maschinerie ist immer diesselbe: diverse frühere Aussagen werden aus dem eigentlichen Kontext gerissen und einzeln, ohne Zusammenhang zitiert.

    So wie z.B. dieses hier:
    „Das Medikament lindert die Symptome, doch es heilt nicht“, sagt Frau Lehmkuhl.

    Das ist weder eine neue Erkenntnis , noch ein Rückschritt in der ADHS-Therapie.

    Niemand hat bisher behauptet, dass ADHS „heilbar“ ist, im Gegenteil, es wird immer betont, dass dies ein Handicap ist, mit dem man leben lernen muss, aber auch leben lernen kann. Das Leben lernen damit kann man mit verschiedenen Hilfen erlernen. Eine Hilfe u.a. ist die medikamentöse Theraphie.

    Dennoch wird dies nun verschiedentlich als Beispiel für eine „neue“ Erkenntnis, bzw. als „eingestandene Niederlage“ der vermeintlichen Ritalinbefürworter interpretiert und umgemünzt und weiterverbreitet.

    Das ist in meinen Augen absolut lächerlichund zeugt davon, wie einfach es doch ist, die Medien zu manipulieren.

    Populäre und emotional besetzte Themen sind leider immer noch einfacher zu verbreiten, als nüchterne, wissenschaftliche Fakten. Schade!

    Chris

    Antwort
  • 14.02.2012 um 17:36
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    NOCH was aus der Ecke gefällig?? Bitte sehr:
    http://wegbegleiter.wordpress.com/2012/02/14/ein-kampf-der-gegenwart-ritalin-evangelium-vs-nachfolge-christi/

    Ah, ich nehme also eine böse Zombie-Droge, die mir die Individualität nimmt.
    Ich sollte sie nicht mehr nehmen und mich stattdessen damit abfinden, im Leben keinen Fuß zu fassen (weder beruflich noch zwischenmenschlich) und immer bei Dingen überfragt danebenzustehen, die anderen so leicht fallen.

    Antwort
  • 13.02.2012 um 23:21
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    Ich bin ebenfalls ziemlich entsetzt über den Artikel. Was ist das für ein Feindbild, das da herauf beschworen wird? Die alleinerziehende Mutter im Tweed-Kostüm mit Perlenkette und Laptop auf dem dunklen Holztisch. Vor nicht allzu langer Zeit waren es noch die Mehrfachgebärenden aus den großen Wohnblocks, denen Unfähigkeit zu erziehen nachgesagt wurde. Hier geht es eindeutig nicht mehr um eine Krankheit, hier geht es darum, Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufzuhetzen. Dass die FAZ sich daran beteiligt, überrascht nur auf den ersten Blick.

    Antwort
    • 14.02.2012 um 22:37
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      Messerscharfe Beobachtung, die einen echten Applaus verdient.

      Ich frage mich seit einiger Zeit, ob diese andauernden ADHS-gibt-es-nicht-die-armen-Kinder-die-mit-dem-bösen-bösen-Ritalin-ruhiggestellt-werden-Predigten nicht eine ganz andere Ursache haben als die vorgebliche Sorge um die armen Kinder die von der bösen Pharmaindustrie zu gefügigen Zombies gemacht werden.
      Nämlich GERADE die Furcht vor Individualität, die diejenigen ja vorgeblich so vehement einfordern. Wenn man zugibt, daß ADHS existiert, muss man zugeben, daß es Menschen gibt, die nicht „ein bischen lustig drauf“ sind, nicht „ein bischen unkonventionell“ sind, sondern ein echtes Problem haben, in der Welt an sich Fuß zu fassen. Und TROTZDEM wertvolle Fähigkeiten haben.

      Antwort
  • 13.02.2012 um 21:17
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    Die FAS publiziert übrigens leicht härter abgefasste Kommentare als deinen nicht.. ich bin von der Liste wohl gestrichen worden… was heisst, sie zensieren massiv!

    Und so schauts auch aus, wenn man die Kommentare liest..

    Antwort
    • 13.02.2012 um 21:24
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      Es dauert manchmal, bis die Kommentare freigeschaltet werden. Mir ist bei den „Freunden“ Von ADS-kritik aufgefallen, dass sich dort „Preiser“ über eine Pressemitteilung (der ADHS-Konferenz?) rühmt Urheber der Verdummung der Öffentlichkeit in der FAS zu sein. Aber warum lässt sich eine solche Zeitung darauf ein? Es stellt sich die Frage, wer die Co-Autorin des Artikels ist. Eine Volontärin, die über die Sinn-Stiftung kommt?

      Unabhängiger Journalismus würde ja anders vorgehen und nicht solche ollen Kamellen aufwärmen. Wenigstens die Artikel aus den USA von der New-York-Times sollte man dann doch einbauen, wenn man schon auf „Anti-Ritalin-Kurs“ ist. So aber klingt es danach, dass vorgefertigte Fragmente der ADHS-Konferenz bzw. Sinn-Stiftung um Hüther quasi per copy und paste auf Seite 2 bis 3 landen können. Was mich echt entsetzt.

      Nicht umsonst wird dies zu Kündigungen einiger Abos führen.

      Antwort

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