ADHS Mappenführung 3. Klasse

Ehrlich gesagt: Ich ärgere mich gerade mal wieder. Einerseits über meinen Sohn, dann aber auch über die Schule.

Mein Sohn geht in eine 3. Klasse. Er sollte ein Postmappe erstellen.

Nun erschliesst sich mir nicht sofort, was eine Postmappe ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mit der „Schneckenpost“ so überhaupt keinen Kontakt mehr habe. Und unter Postmappe eher einen Hefter verbinde, in der ich Mitteilungen der Lehrerin an die Eltern bzw. von den Eltern an die Schule erwarte.

Nööööööööhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh

Die Kinder sollten eine eigene Mappe im Sachunterricht zum Thema Post erstellen.

Soweit so gut. Eigentlich wäre das ein schönes Thema für ein Kind, wenn es denn sich an die Aufgabe erinnern könnte.

Nun mag es Kinder geben, die sich an eine mündliche Anweisung einer Lehrerin erinnern können und diese umsetzen. Und andere Kinder, die das nicht können. So wie eben mein Sohn.

Dann muss er aus der Erinnerung erschliesse, was die Lehrerin wohl haben wollen könnte. Nun könnte ja die Lehrerin, diese ihre Gedanken auch auf einem Arbeitsblatt zu Papier bringen. Vorausgesetzt mein Sohn würde dieses Arbeitsblatt auch mitbringen, wäre dies eine grosse Hilfe.

Wäre aber Arbeit für die Lehrerin. Und die Kinder waren ja im Unterricht.
Wenn es eine Postmappe (oder vielleicht internetgestütztes Hausaufgabensystem) gäbe, könnte man das als Eltern kontrollieren und üben. So eben nicht.

Nun hat er eine 5 bekommen. Kein Beinbruch. Aber ich ärgere mich über die verpasste Chance

Die Bewertungskriterien verstehe ich nicht. So fehlten eine Postkarte, eine Briefmarkenserie und irgendwas, was ich nun nicht entziffern kann.

Und noch einige andere Aufgaben, die er eben sich nicht mehr erschliessen konnte.

Negativ bewertet wurde, dass er die Mappe nicht pünktlich abgab. Weil er nicht wusste, was er tun sollte. Vermutlich hat er auch Arbeitsblätter nicht abgeftet, weil er ja nicht wusste, dass es eine extra Mappe geben würde. Also fledderten die Blätter sonstwo rum.

Negativ bewertet wurde ebenfalls, dass er nicht selbstständig eine zusätzliche Aufgabe auswählte und sie bearbeitete (was ich als Kind auch nicht gemacht hätte, wenn es denn freiwillig ist). Und von 3 Zusatzaufgaben ist auch nirgendwo die Rede, wird aber negativ bewertet …

Ich fände es gut, wenn Kinder frühzeitig Struktur und Mappenführung üben würden. Ich finde es nicht gut, wenn dies nicht geübt und angeleitet bzw. von Eltern unterstützt werden kann. Und ob ich in der 3. Klasse eine Postmappe hätte erstellen können bzw. die Gedanken meiner Lehrerin Frau Stackmann erraten könnte? Nun, damals hatten wir noch Arbeitsblätter. Irgendwie in Blau mit irgendeinem komischen Papierverfältigungsverfahren extra erstellt (keine Ahnung, wie das damals hiess). Immerhin konnte meine Mutter überprüfen, was wir gemacht haben. Und ich konnte lesen, was wir gerade machen sollten.

Schade. Schade, dass die Lehrerin da nicht mit den Eltern zusammenarbeitet und Rückmeldung gibt.

12 Gedanken zu „ADHS Mappenführung 3. Klasse

  • 26.02.2013 um 19:48
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    C. Beckherrn
    „Ich bin mir sicher, dass die Aufgabe nicht innerhalb eines Nachmittages erledigt werden sollte, also gab es genug Zeit für Jonas, bei der Lehrerin noch einmal nachzufragen.“

    Für mich hat als Grundschülerin genau hier das Problem gelegen. Aufgaben die nicht wie sonst für den nächsten oder übernächsten Tag angelegt und spezifisch niedergeschrieben wurden waren für mich von ihrer zeitlichen Dimension her weder richtig verständlich, noch greifbar oder erinnerbar. Ich wusste da war ‚was‘, aber es war so undefiniert dass ich gerade, wenn es ich es ganz alleine, über längere Zeit hinweg und ‚außerhalb‘ des täglich diskutierten Unterrichts erledigen sollte, es einfach nicht behalten konnte. Deswegen ist es so wichtig mit den Eltern von Kindern, die solche Schwierigkeiten haben, zusammenzuarbeiten. Nur so können die Kinder ihre Wahrnehmung besser kennenlernen und an der Selbständigkeit arbeiten.

    In so einer Situation kann man als Kind gar nicht noch einmal von alleine nachfragen, weil einem die Aufgabe schlichtweg nicht mehr im Sinn ist. Ich weiß auch, dass ich hinterher, als es viel zu spät im Unterricht wieder angesprochen wurde, viel Angst und viele Schuldgefühle in solchen Situationen hatte, eben weil meine Lehrerin, die ich im Übrigen sehr gern hatte, überhaupt nicht verstanden hat was überhaupt mit mir los war. Im ungünstigsten Fall habe ich aus Furcht als 8jährige gar nicht mit einer Lehrerin geredet (oder zu Hause) wenn es immer weiter nur Ärger und Unverständnis gab. Auf ironische Weise ist es ein Glück, dass Mitte der 80er noch viel Frontalunterricht gemacht wurde und es nur ein/zweimal so eine Mappe gab. Heutzutage klingt es viel mehr. Aber bitte keine Kinder mehr nachsitzen lassen für’s vergesslich sein, oder vor der Klasse dafür ausschimpfen. Bei manchen ist es wirklich keine Frage des Wollens!

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    • 27.02.2013 um 18:37
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      Hier sehe ich eben auch das Problem von Schule : Wenn man sich an das Erinnern erinnern könnte, hätte man kein Problem mit der Aufgabe. Wenn aber gerade das Arbeitsgedächtnis bzw. die Exekutivfunktionen beeinträchtigt sind, dann kann dies nicht klappen. Schlimmer noch : Kind kann es sich nicht herleiten. Es bleibt häufig ein unbestimmtes Gefühl, dass da noch „was“ war. Aber was das „was“ nun wahr ????

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      • 01.03.2013 um 15:16
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        Genau. Aber wenn von einer Lehrerin verstanden und akzeptiert wird, dass es bei einem Kind so eine Beeinträchtigung geben kann, finde ich es fatal, wenn dann diese Beeinträchtigung als unausweichbares Leistungsdefizit verstanden wird. Wie zum Beispiel, der Cartoonist und die hier kommentierende Lehrerin. Zu behaupten, jemand mit spezifischen ADHS-Schwierigkeiten würde auf der weiterführenden Schule automatisch scheitern gleicht für mich der Behauptung ein farbenblindes Kind würde niemals als Erwachsener einen Führerschein machen. Offensichtlich geht das doch. Trotzdem könnte ein farbenblindes Kind alleine die allgemeine Instruktion einer Lehrerin „bei Rot stehenbleiben“ nicht befolgen. Erst wenn es gelernt hat, dass „Rot“ in diesem Fall heißt „wenn das oberste Licht der Ampel leuchtet“ bleibt es im richtigen Moment stehen.

  • 31.03.2012 um 10:19
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    Nun mal aus der Sicht einer Lehrerin. Ich bin durch Zufall auf diesen Artikel gestoßen. Ein Kind einer dritten Klasse sollte in der Lage sein, eine Arbeitsanweisung mündlich entgegen zu nehmen.
    Ich bin mir sicher, dass die Aufgabe nicht innerhalb eines Nachmittages erledigt werden sollte, also gab es genug Zeit für Jonas, bei der Lehrerin noch einmal nachzufragen. Selbst wenn dann wieder der Arbeitsauftag vergessen würde, gäbe es die Möglichkeit, andere Kinder der Klasse zu fragen. Auch mit ADHS sollte dies zu bewältigen sein.
    Es ist NICHT Aufgabe der Eltern die Hausaufgaben zu erraten geschweige denn sie zu erledigen.
    „Mappenterror“? Ich lach mich echt schlapp! Eine Mappe zu erstellen und ordentlich zu führen ist ja wohl keine schwere Aufgabe, sondern eine Chance für Kinder, die sonst keine guten Leistungen erzielen.
    Richtig ist, dass die Lehrerin vorher Kriterien zur Bewertung hätte aufstellen können. Aber 1. muss sie das nicht und 2. ist das eine Information für die Kinder und nicht für die Eltern.
    Freiwillige Aufgaben hätten Sie als Kind nicht erledigt? Das sehen meine Schüler (2. Klasse) zum Glück komplett anders. Die sind hochmotiviert und freuen sich, wenn sie sogar die „Sternchen“-Aufgaben geschafft haben!

    Was hier scheinbar völlig vergessen wird, ist dass es um die Leistung der Kinder geht und nicht um die der Eltern. SIE waren schließlich schon in der Schule. Und wenn ein Kind nicht in der Lage ist, Arbeitsaufträge zu erfüllen, muss es dementsprechend bewertet werden. Denn was hilft es denn, wenn das Kind dank der Eltern gute Noten absahnt und in der weiterführenden Schule oder im Leben dann versagt, weil es nie gelernt hat, selbst Verantwortung zu tragen?
    Schade, schade, dass Eltern so weit nicht denken…

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    • 02.04.2012 um 10:07
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      Ich befürchte, dass sie die Besonderheiten von ADHS nicht so ganz erfasst haben. Vielleicht nicht richtig zugehört oder gelesen?

      Ein Kind mit ADHS hat das Problem, dass das Erinnern daran, dass man was vergessen haben könnte, nicht funktioniert. Leistungsmässig gehört mein Sohn zu den Klassenbesten. Also würde auch die Lehrerin nicht bemerken, dass er etwas nicht weiss. Das Problem ist, dass es ihn noch nicht mal auffällt, dass er was vergessen hat. Wie sollte er da nachfragen?

      Natürlich ist es nicht Aufgabe der Eltern, Hausaufgaben zu machen. Aber sehr wohl Aufgabe der Lehrer, individuell zu schauen, was ein Kind kann und was nicht. Und darüber eine Rückmeldung an die Eltern auf Nachfrage zu machen. Wir haben die Lehrerin auf dem Eltersprechtag angesprochen. Sie meinte, das wäre völlig normal, mein Sohn wäre sehr gut und unterfordert. Sie verstand aber das Problem nicht. Lehrer meinen offenbar, dass Schüler sich aus dem Unterricht das rausnehmen, was sie brauchen. Das setzt voraus, dass sie wissen, was ihnen fehlt.
      Genau an dieser Stelle klemmt es aber bei ADHS.

      ADHS ist kein Mangel an Wissen. Es ist das Probem, dieses Wissen oder Nichtwissen eben auch umzusetzen in Handeln oder Fragen. Hier benötigen sie Kontrolle von aussen. Also: Hauaufgabenheft kontrollieren. Das sollte ein Lehrer schon schaffen können, denke ich.

      Ich würde Ihnen sehr eine Fortbildung zu ADHS empfehlen, da in jeder Klasse 2 bis 5 Kinder mit diesem Problem sitzen 🙂

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  • 19.03.2012 um 12:52
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    Wir werden seit Jahren mit diesem “ Mappenterror“ gequält und von Jahr zu Jahr werden diese komplexer und unübersichtlicher.

    Leider lernen die Kinder daran nur, dass sie es nicht allein bewältigen können und oft nur auf Kosten des Familienfriedens.

    Auch Kinder / Jugendliche ohne ADHS werden massiv von ihren Eltern dabei unterstützt , zumindest in unserer Schule .

    Aber vor den Lehrern gibt das keiner zu.

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  • 29.02.2012 um 22:08
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    Da hilft nichts, als offensiv den Kontakt suchen mit der Lehrerin. Und mit offensiv meine ich nicht etwa vorwurfsvoll. Denn darauf reagieren Lehrpersonen allergisch.

    Also anrufen oder vorbeigehen und der Lehrerin das Problem erläutern, ganz freundlich, und sie um Mithilfe bitten. Am besten mit einem einfachen, aber konkreten Vorschlag, wie sie etwas dazu beitragen kann, damit euer Jonas seine Fähigkeiten entfalten kann.

    Irgendetwas sollte da zu machen sein, man muss den Leute aber manchmal beim guten Willen etwas nachhelfen.

    Viel Glück!

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    • 01.03.2012 um 16:51
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      <<<man muss den Leute aber manchmal beim guten Willen etwas nachhelfen.

      schön ausgedrückt :). Manchen Lehrern trägt man den guten Willen hinterher bis das Kind das Abi hat (habe ich manchmal das Gefühl), dass es nicht schon reicht, dass ich meinem Kind alles hinterher tragen muss. Den Lehrern nun auch noch ;-)….

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    • 14.03.2012 um 09:30
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      Hallo Karin,

      manchmal wollen die Lehrer keinerlei „Einmischung“ von aussen, so hilfreich und unterstützend diese „Einmischung“ auch gemeint ist. Mein Sohn hatte eine Lehrerin, die den Besuch seiner Therapeutin einfach abgeblockt hat. Die Therapeutin wollte gemeinsam Wege finden, wie es meinem Sohn besser möglich ist, am Unterricht teilzunehmen. Ihre Begründung für die Ablehnung war: Damit würde seine Sonderstellung und der Fokus auf ihn nur noch mehr hervorgehoben. Jetzt hat mein Sohn einen Schulbegleiter (im Übrigen auf den Wunsch besagter Lehrerin hin).
      Manche Lehrer wollen aber einfach keine Hilfe annehmen. Sie begründen dies gern damit, dass man nunmal bei mehr als 20 Kindern nicht auf jedes individuell eingehen kann – Sie haben ja schliesslich noch mehr „Sorgenkinder“ in der Klasse.
      Ja, mein Sohn ist anders, als die anderen in seiner Klasse, er ist unkonzentriert, sehr langsam und vergisst immer die Hälfte. Aber er ist auch schlau und sehr redegewandt. Ich bin stolz auf ihn! (Notiz an mich selbst: das muss ich ihm unbedingt heute abend sagen!)

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  • 29.02.2012 um 07:15
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    Wir sind nun schon in der 7. Klasse, aber lieber Martin, auch mit 13 sieht das noch genau so aus wie bei Euch. An unserer Schule gibt es das internetgestützte Hausaufgabensystem, nur was nutzt das, wenn nur 50% der Lehrer das auch regelmäßig nutzen und alles eintragen und die andere Hälfte nicht. Wir sitzen regelmäßig hier und mein großer Träumer weiß über die Hälfte nicht, von dem was er erledigen soll, oder er hat die im Unterricht besprochenen Lösungswege vergessen oder das Arbeitsblatt liegt in der Schule und manchmal auch gleich das ganze Buch dazu. Es ist schier zum verzweifeln, seine Langsamkeit, Verträumtheit und Vergesslichkeit kostet ihn bestimmt auf jedem Zeugnis eine ganze Note in den Hauptfächern. Trotz Ritalin. Auf dem letzten Elternsprechtag sagte ich zur Lehrerin, dass er eben so ist und das ich nicht gewillt bin mein Kind zu verbiegen, ich liebe ihn einfach so wie er ist und hoffe einfach, das irgendwann der Groschen fällt, und er reifer wird.

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  • 28.02.2012 um 20:06
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    Die Vervielfältig von Arbeitsblättern geschah an den Schulen bis in die achtziger Jahre hinein über Matritzendrucker, was diese etwas verwaschenen, bläulichen und nach Spiritus riechenden Kopien hervorbrachte. Offiziell heißt diese Methode „Hektographie“ und hat auch einen Wikipedia-Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Hektographie

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