Sitzenbleiben

In den ersten Bundesländern geht die Schule wieder los.

Und damit für viele Grundschüler erstmals das Problem, dass das Sitzenbleiben von ihnen erwartet wird. Dabei meine ich natürlich nicht, die Gefährdung der Versetzung. Sondern das ungesund Sitzen und die Einschränkung von Bewegungsmöglichkeiten in der Schulzeit (bzw. auch danach).

Eine Versicherung warnt nun vor den schädlichen Folgen dieser Entwicklung und zeigt damit, dass Schule nun völlig unsinnige und vor allem ungesunde Erwartungen an Kinder stellt. Siehe hier

An anderer Stelle wird ja – weit prominenter und lauter – derzeit propagiert, dass angeblich zu häufig bei früh eingeschulten Kindern ADHS diagnostiziert wird. Ja, alles richtig. Aber es geht eben umgekehrt darum, dass wir immer früher Stillsitzen bzw. Verhaltensweisen von Kindern erwarten, die weder kindgerecht, noch mit Lernen kompatibel sind.

ADHS-Kinder sind hier einmal mehr Indikatorkinder. Sie benötigen Bewegung bzw. auch propriozeptive Anregung (z.B. Kippeln, Spielen mit einem Radiergummi, Zerbrechen von Stiften, Kritzeln oder Zeichnen im Unterricht), um „sich richtig zu machen“. Also, eine ausreichende Selbstaktivierung bzw. Stimulation zu haben.

Sie würden auch mehr Bewegungspausen bzw. überhaupt Bewegung benötigen. Leider werden aber zeitgleich immer mehr Turnhallen geschlossen, weil die Dächer zusammenbrechen bzw. die Gelder für Sport- und Schwimmhallen fehlen. Freibäder und andere Freizeiteinrichtungen mit Bewegungsoptionen werden ebenfalls aus Kostengründen wegfallen.

Wir schaffen also als Gesellschaft eine bewegungsfeindliche Umgebung für die Kinder, beschweren uns dann aber, wenn nun ADHS-Kinder mit Unruhe und Bewegungsdrang auffallen.

Wer ist hier dann krank ? Die Kinder oder die Gesellschaft, die sowas zulässt ?

2 Gedanken zu “Sitzenbleiben

  1. Volle Zustimmung. Der Bildungssektor ist überhaupt in hohem Maße revisionsbedürftig. Die Bedingungen in Schule stimmen übrigens nicht nur für Kinder und Jugendliche nicht, für die Anbieter (Lehrerschaft) stimmen sie leider auch nicht, sonst würden nicht so viele Pädagogen krank und verfrüht pensioniert.
    Kinder lernen von sich aus und oft sehr gerne, wenn es also trotzdem einer Erzwingungsstruktur (Schulgebäudeanwesenheitszwang, von 1938) bedarf, damit Kinder hingehen, dann stimmt gewaltig etwas mit der Struktur nicht. Eine kindgerechte Schule würde von Kindern freiwillig in Anspruch genommen. Schon möglich, dass Durchschnittserwachsene, eine solche Schule für „ineffektiv“ hielten, aber – das muss man offenbar manchen Leuten extra nochmal sagen – Kinder sind nicht dazu da, damit möglichst rasch und aufwandsarm effiziente Wirtschaftssystemkompatible aus ihnen werden.

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  2. Die Gesellschaft die dann auch noch mit adipösen Kindern gesegnet wird! Jedes Kind spürt den Drang nach Bewegung, den Gesunden wird er schnell ausgetrieben, nur bei den ADHS Kindern nützt der Zwang nicht wirklich ind schaden tut er auch den Gesunden Kindern!

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